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Der Wandertipp : Helles und heißes Pflaster

  • -Aktualisiert am

Hoch hinaus: Rund 70 Routen sind am höchsten Kletterfels im Odenwald ausgewiesen. Bild: Thomas Klein

Ein Jubiläum und die Folgen – zum 1200. Geburtstag putzt sich die unterfränkische ­Odenwald-Gemeinde Mömlingen fein heraus. Die Umgebung kann nun auf geologischen Pfaden erkundet werden.

          5 Min.

          Noch immer erinnern großformatige Schilder an die Feiern zum 1200-Jahre-Jubiläum von Mömlingen 2017. So nachwirkend ist offenkundig, welch Möglichkeiten das Jubiläum zur Generalüberholung der Gemeinde im nordöstlichen Odenwald eröffnete. Am augenfälligsten fiel der Wandel des zentralen Dorfplatzes aus. Wo zuvor eine Brache waltete, bringt jetzt helles Pflaster das Sandsteinrot der erhöht stehenden barocken Martinskirche effektvoll zur Geltung, davon stufenartig abgesetzt eine Galerie historischer Grenz- und Wappensteine sowie rechtsseitig Abgüsse römischer Götter- und Weihebildnisse.

          Begehrt war Mömlingen im fruchtbaren Tal der Mümling von alters her, erst zur Versorgung der römischen Truppen am nahen Main, dann als Vorposten von Kloster Fulda und schließlich über Jahrhunderte durch Kurmainz, das den Raum mit einer Landwehr gegen Hessen-Darmstadt abschirmte. Als Erbe des Mainzer Erzbistums ging das Gebiet 1814 an Bayern. Wobei es blieb, und mochte der Hessen-Löwe den Ort noch so innig umarmen.

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          In jüngerer Vergangenheit weckten vor allem Eisenerz und Basalt die Begierden. Die lange vergessenen bergbaulichen Hinterlassenschaften können jetzt, aufbereitet für einen Geologischen Lehrpfad und den Geo-Punkt „Heißes Pflaster“, in der waldreichen Umgebung erkundet werden. Der Name deutet es an, die Rohstoffvorkommen sind das Ergebnis vulkanischer Tätigkeit vor 40 bis 50 Millionen Jahren, als das Zusammentreffen von 1000 Grad heißen Gesteinsschmelzen mit Grundwasser im zerklüfteten Sandstein zu heftigen Eruptionen führte.

          Das ausgeworfene Material verwitterte längst, aber man wusste schon im 14. Jahrhundert, dass sich ausgewaschenes Eisenerz an unterirdischem Basalt anreichert. Wie lange es ausgebeutet wurde, ist nicht überliefert. Die Schwierigkeiten dürften groß genug gewesen sein, denn neuerliche Versuche mussten schon nach wenigen Jahren wegen starker Wassereinbrüche, wie bei „Grube Berta“ im Jahr 1838, aufgegeben werden. Spätere Vorhaben, selbst noch im Jahre 1935, scheiterten alle.

          Schichtende im Jahr 1928

          Erfolgreicher agierte man zunächst am mächtigen Sandsteinzug südlich der Mümling. Nur fahndete man nicht nach Eisenerz, sondern scheute seit Mitte des 19. Jahrhunderts keine Mühen, einen rund 50 Meter tief reichenden Basaltschlot erst überirdisch, dann unter Tage abzubauen, woran am Geo-Punkt „Heißes Pflaster“ – hier auch bezogen auf die Verwendung des Gesteins – ein rekonstruierter Stollenzugang samt Lore erinnert.

          Doch auch hier kam aus Rentabilitätsgründen das Schichtende im Jahr 1928. Wie schwierig die Verhältnisse waren, lässt eine offene, von Spalten und Abbrüchen gezeichnete Sandsteinwand bei Hainstadt erahnen. Auch sie ein früherer Steinbruch, fordert sie heute zu gänzlich anderen Anstrengungen heraus. Als „Klettergarten“ erfreuen die stahlseilgesicherten, 35 Meter hohen Felsen all jene, die gerne auf direktem Weg die Wände hochgehen.

          Wegbeschreibung

          Selbst der zentrale Kreisel in Mömlingen, durch den der Verkehr via Bundesstraße vom Maintal in den Odenwald gelenkt wird, entstand im Zuge der Jubiläumsfeierlichkeiten 2017. Über die rechts abzweigende Hauptstraße erreicht man den Kern um die Martinskirche, noch zuvor links, Straße Kühtrieb, einen Parkplatz.

          Dort, jenseits des Amorbachs, sichten wir auch die Markierung grüner Punkt. Ihr ausholender Zick-Zack-Kurs zwischen Eigenheimen lässt sich mittels steilem Treppenaufgang abschneiden; oben rechts (Am Ziegelrain), links, und dann über Streuobstwiesen unverändert ansteigend zum Wanderheim Eichenwäldchen. Das gelbe L des hier startenden Geologischen Lehrpfads leitet dahinter in Wald mit den ersten Stationen „Landwehr“ und Erzabbau an der Grube Berta. Von beiden blieben tiefe Verwerfungen zurück.

          Man kann auch geradeaus beim grünen Punkt verharren, ebenso später. Am Ende der Bäume taucht das L wieder auf, um mit dem neuerlichen Waldeintritt 700 Meter weiter rechts abzubiegen. Diese Schleife erkundet das seltene Phänomen sogenannter Erdfälle. Was angesichts 250 Meter langer Terrassen ursprünglich für „Schwedenschanzen“ gehalten wurde, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als großräumige Einbrüche unterspülten Sandsteins.

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