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Der Wandertipp : Aus Sicht der Römer

  • -Aktualisiert am

Anerkennung zu Unesco-Weltkulturerbe 2005: Seitdem ist das Kastell Kapersburg ein Landschaftspark Bild: Thomas Klein

Wehrheim, Saalburg-Siedlung. Schon am Bahnsteig wird man mit Informationen empfangen. Wer sich auf römische Spuren durch den Taunus begibt, erhält zu Gehalt und Gestalt von Limes und Kastellen erschöpfend Auskunft.

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          Fünfzehn Jahre liegt es zurück, dass die Unesco den römischen Limes zum Weltkulturerbe erhob, um genau zu sein, den Obergermanisch-Rätischen Limes als Teil des Großprojekts aller „Grenzanlagen des Römischen Reiches“. Der 550 Kilometer lange „deutsche“ Abschnitt zwischen Mittelrhein und Donau rangiert da hinter dem nordenglischen Hadrianswall an zweiter Stelle. Im Bemühen, diesem größten Bodendenkmal Europas durch Rekonstruktionen, Lehrpfade oder Führungsdienste („Cicerones“) Gehalt und Gestalt zu geben, vermutlich aber ganz vorne.

          Grundlage bildet das jahrzehntelange Wirken der Reichslimeskommission ab 1892, das den Verlauf samt Kastellen (120) und Türmen (900) klärte, hat auch die jüngere Forschung manch frühe Vorstellung zurechtgerückt. Heute sieht man im Limes weniger ein unüberwindliches Bollwerk, als viel eher Machtsymbol und Annäherungshindernis, das, wie die Germaneneinfälle im 3. Jahrhundert zeigten, keine ernsthafte Hürde darstellte. Hilfstruppen, Siedlungswilligen oder Händlern stand die Grenze immer offen. Solche Übergänge sicherten größere Kastelle, und wo regional Gefahren drohte, wurden Wall und Türme verstärkt.

          Für beides, das überlegte Anpassen an Topographie und Feindeslage, bietet der Hochtaunus die beste Anschauung. Das bergig-steinige Terrain konservierte wie nirgends sonst den Wall und gibt damit zu erkennen, wie strategisch klug die Strecke östlich des Hauptkammes verlief, um unruhige Stämme wie die Chatten im Usinger Becken im Auge zu behalten.

          Verwendung für das spröde Gestein

          Entsprechend waren die Türme massiver gemauert und mit der Saalburg ein bedeutendes Militärlager angesiedelt, flankiert von den knapp halb so großen Kastellen Kleiner Feldberg und Kapersburg. Während die Römerbegeisterung im Deutschen Kaiserreich schon um 1900 die Saalburg wieder entstehen ließ, konnten dank der im Vorfeld zur Anerkennung des Limes als Welterbe freigesetzten Mittel auch die zwei kleineren Kastelle in Grundzügen gesichert und landschaftspflegerisch aufgewertet werden. Wo zuvor wuchernde Vegetation das Gemäuer verdeckte, erstrecken sich jetzt gekieste Wege unter schattigen Bäumen. Nur Grassoden auf den Mauerkronen erwiesen sich als wenig geeignet.

          Bedarf es auch der Imagination für Römer auf Wachgang und belebte Chattendörfer in der Ebene, die prachtvollen Laubwälder dürften vor 1800 Jahren kaum anders ausgesehen haben. Nur an einer Stelle sind sie weit aufgerissen – im Köpperner Tal für den größten Quarzitbruch Europas. Von einem Aussichtspunkt kann man zusehen, wie Kipplaster das gesprengte Material zu den Brecher-, Sieb- und Entstaubungsanlagen transportieren. Ob schon die Römer das limesnahe Areal nutzten, muss offenbleiben. Bei Kastellen und Türmen fand das spröde Gestein jedenfalls Verwendung.

          Wegbeschreibung

          Praktischerweise bringt die Taunusbahn den Wanderer direkt zum Limeseinstieg in das Köpperner Tal, Station Lochmühle/Saalburg-Siedlung; ringsum auch viel Parkraum. Noch am Haltepunkt wird man mit Informationen zu Bedeutung und Aufbau des Limes versorgt. Die Tafeln sind Teil eines 30 Kilometer langen „Erlebnispfades“ durch den Hochtaunus, dessen Einrichtung gleichfalls auf die Anerkennung als Unesco-Welterbe zurückgeht.

          Das gehobene Wohnviertel jenseits der Gleise wird lediglich am Rande berührt, wenn es mit dem stilisierten Limesturm (schwarz) – und weiterer Zeichen – eine Straße hinaufgeht. Gleich dahinter beginnt der Wald, wo der noch erstaunlich mächtige Grenzwall wie eine Leitplanke die Richtung vorgibt. Die meisten Markierungen biegen bald über den Wall ab; wir verbleiben beim Türmchen links davon. Erst nachdem etwa zwei Kilometer später eine dunklere Fichten- und Niederwaldpartie durchschritten und ein Sträßchen erreicht wurde, ändert sich das.

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