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Ein Feuer und seine Folgen. Der verheerende Brand, der vor 165 Jahren das ehemalige Kloster Neustadt zerstörte, eröffnete die Möglichkeit, die Abteikirche „romanisch“ wieder herzustellen. Für soziale Einrichtungen wurden die Gebäude in den sechziger Jahren erneuert, stehen heute aber leer. Bild: Thomas Klein

Der Wandertipp : Vom Kloster zum Jagdrevier

  • -Aktualisiert am

Flammen vernichteten das einstige Benediktinerkloster in Neustadt am Main vor 165 Jahren. Es wurde in verschiedenen Epochen wieder hergestellt. Auf seinem Grund geht es tief in den Spessart.

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          Ein Blitzstrahl fiel bei nicht sehr heftigem Gewitter herab, teilte sich oberhalb der Türme und sandte in jeden derselben den Donnerkeil.“ So dramatisch schilderte Pfarrer Georg Link, wie am 26. Mai 1857 ein Blitz in die Kirche des Benediktinerklosters Neustadt im östlichen Spessart einschlug und ein Großfeuer entfachte. Wegen „zu kurzer Spritzen“ mussten die Menschen hilflos miterleben, dass die „dunkelrot im Main“ gespiegelten Flammen faktisch die gesamte Anlage vernichteten. Dabei hätte es noch schlimmer kommen können. Die Konventgebäude, die ebenfalls ausbrannten, standen schon seit Aufhebung der Abtei 1803 leer. Sie beließ man beim Wiederaufbau ruinös, dagegen scheute man keine Kosten und Mühe, für die unterdessen der Pfarrgemeinde dienende Kirche nicht die nachgotische Fassung, sondern die Basilika aus dem 12. Jahrhundert zu erneuern.

          Der Klausurteil wurde erst nach Übernahme durch Missions-Dominikanerinnen 1907 ein wenig instand gesetzt und schließlich für soziale und therapeutische Einrichtungen seit den Sechzigerjahren neu aufgebaut. Doch auch diese Nutzung ist schon wieder Geschichte. Für die großen Gebäude fand sich keine andere Verwendung, sie sind von den wenigen Schwestern kaum noch zu unterhalten.

          Selbstbewusste Äbte mit Eigenleben

          Parallel wurden die Kirche überholt und ihr Vorgänger St. Peter und Paul in Grundzügen rekonstruiert. Ein in der auf­gemauerten Vierung ausgestelltes Mo­dell zeigt die frühmittelalterliche An­lage, deren beachtliche Größe die Aufgabe als geistlicher und territorialer Vorposten seit der Gründung durch den Würzburger Bischof Megingoz anno 769 erahnen lässt. Die Abtei sollte den Spessart erschließen und das weitere Ausgreifen von Kurmainz verhindern.

          Gleichwohl entwickelten selbstbewusste Äbte ein Eigenleben, über dessen Rechtmäßigkeit Bistum und Konvent jahr­hundertelang stritten. Unter der Hand ging es vor allem um die Einkünfte. Sowohl auf der fruchtbaren Hochebene links des Mains als auch rechts bis tief in den Spessart – markiert vom Neustädter Tor – besaß die Abtei ausgedehnte Ländereien. Mit dem ins 12. Jahrhundert reichenden Margarethenhof blieb einer der Wirtschaftshöfe samt Kapellchen auf ei­ner Rodungsinsel bewahrt.

          Selbst das nahe Forsthaus Aurora steht hierzu in mittelbarer Verbindung. Durch die Säkularisation 1803 bekamen die Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg als Kompensation für linksrheinische Verluste Kloster und Waldungen zugesprochen. Vereint mit ehemals mainzischem Forst, entstand ein riesiges, bis 1894 von einem 34 Kilometer langen Zaun umfriedetes Jagdrevier. Den Aufsicht führenden Förstern wurden feste Wohnplätze wie Aurora zugewiesen. Dort sitzt in 500 Metern Höhe noch heute ein Forstmann – mit erweiterter Tätigkeit. Sonntags hält er eine Brotzeit in der zünftigen Gaststube bereit.

          Wegbeschreibung

          Die Örtlichkeiten Neustadts sind überschaubar. Von der Bushaltestelle oder den Parkplätzen vor und hinter dem (ausrangierten) Bahndamm erreicht man in wenigen Schritten das frei zugängliche Klosterareal. Die rekonstruierte Vierung mit dem Vorgängermodell steht etwas verdeckt hinter dem arkadenartigen Kreuzgang an der Westseite.

          Zum Wanderauftakt orientiert man sich am Zeichen blaues M. Gemeinsam mit einem Zeichen für den Spessart-Kulturweg leitet das Symbol für den Mainfernweg kurz durch die Spessartstraße, ehe es rechts auf den Stationsweg biegt. Der Name deutet es an – Kreuzwegstationen begleiten den Wanderer beim steilen Anstieg hinaus und weiter über früher als Terrassen-Weinberge genutzte Streuobstwiesen.

          Nahe der barocken Kreuzigungsgruppe biegt der Weg nach halb rechts ab. Bald danach treten die Zeichen zunächst auseinander. Der Kulturweg bietet via ausholende Serpentinen eine weniger fordernde Option, während das Zeichen M die Direttissima bis in den Wald beibehält. Dort finden beide wieder zusammen und setzen moderat den Weg bis zum Margarethenhof fort.

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