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Der Wandertipp : Auf dem Weg zum Urwald

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Als eines der ersten Refugien Bayerns wurde die zehn Hektar große Parzelle Rohrberg 1928 unter Naturschutz gestellt. Bild: Thomas Klein

Seit mehr als 90 Jahren bleibt das Schutzgebiet Rohrberg unangetastet. Die mächtigen Eichen und Buchen gehen auf das frühere Jagdwesen im Spessart zurück, woran Rekonstruktionen und ein Infoweg erinnern.

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          Der Spessart als Deutschlands größtes Laubwaldgebiet lässt noch erahnen, wie es vor den großen Rodungen in weiten Teilen Mitteleuropas aussah. Dieser vermeintliche Urzustand wäre freilich nie ohne menschliche Eingriffe kultiviert und erhalten worden. Auch dem Spessart wäre es an die Stämme gegangen, hätte nicht sein bedeutendster Eigner, das Kurfürstentum Mainz, über Jahrhunderte ein Rodungs- und Siedlungsverbot durchgehalten, das weniger dem Bewahren der Schöpfung als einer doppelten Verwertung diente: Einerseits merkantilen Interessen wie der holzintensiven Glasherstellung, andererseits – dem hohen Reichsrang gemäß – Erfordernissen der Jagd.

          Weil Eicheln bestes Wildfutter sind, wurde vor allem die Eiche gefördert. Ursprünglich entfernte man deshalb die rascher emportreibende Buche, später blieb sie zunächst stehen, damit der Stamm und nicht die Äste wuchsen. So entstanden die 20 bis 30 Meter hohen, spessarttypischen Eichen. Heute dominiert die anpassungsfähige Rotbuche das Bild, selbst in Arealen mehrhundertjähriger Eichen, etwa den 1928 als eine der ersten Refugien Bayerns unter Naturschutz gestellten Parzellen Metzger und Rohrberg. Motorsägen heulen hier nur noch bei Gefährdung der Wege auf.

          Jetzt im Winter sind die Verfallsstadien weitaus besser als zur Vegetationszeit einzusehen – die fahlen Astgerippe und mürben Stämme, halb abgebrochen und durch tellergroße Baumpilze erobert. Umgestürzt, von Kleinstlebewesen zu Humus zersetzt, zeigen sich erste Ansätze zu einem Urwald. Nur wird für die selbsttätige Umwandlung des Spessarts im Verbund mit ausgedehnten Naturwaldreservaten noch viel Geduld gefragt sein, noch rund 200 bis 200 Jahre.

          Eine herrschaftliche Entourage

          Doch nicht überall. Als Wirtschaftsfaktor besitzt der endlose Forst weiterhin große Bedeutung, wie etwa das vertraute Bild hallenartiger Buchen westlich Bischbrunns zeigt. Auch sie zeugen von gezielten Maßnahmen, hier durch die bayerischen Könige und zunächst aus anderen Motiven. Als Erben der Mainzer Kurfürsten sorgten sie im 19. Jahrhundert dank großräumiger Wiederaufforstung für eine Erholung der Wälder, um ähnlich ihrer Vorgänger das Waidwesen zu pflegen.

          Das Wild trieb man in riesigen Gattern zusammen, hatte sich die herrschaftliche Entourage aus dem fernen München angesagt. Prinzregent Luitpold kam, bevorzugt im Winter, nicht weniger als fünfzig Mal, zuletzt 1911 mit 90 Jahren. Schon etwas wacklig, musste ihn sein Leibjäger stützen, wenn Wildschweine dem bequem im Anstand Sitzenden vor die Flinte gelenkt wurden.

          Dank Rekonstruktionen und einem der informativen Spessart-Kulturwege kann das frühere Jagd- und Forstwesen gut nachverfolgt werden. Da fehlt es nicht an einer der Mast dienenden Wildscheuer oder dem Sammelplatz der Jagdgesellschaft (Königsrondell) und auch nicht an einem Stück der Gatterumzäunung am Inneren Rainstor. Sie besaß Stufen, über die Hirsche und Rehe zwar hinein-, aber nicht hinausspringen konnten. Berührt wird auch das Torhaus Aurora. Gelegen an einer der wenigen Straßen durch den Hochspessart, war dort Geleitzoll zu entrichten.

          Wegbeschreibung

          Zum Parken eignet sich der Streifen vor den Sportplätzen am oberen Rand von Bischbrunn, wo mehrere Zeichen bereitstehen: schwarzes H, das blaugelbe Signet des Spessart-Kulturwegs sowie der Hasenstabpfad, ein stilisierter Spessarträuber (grün). Zunächst bedarf es beim leichten Hinan über die Kreuzhöhe keiner Hilfestellung. Schnurgerade zielt der Waldweg auf das Torhaus Aurora neben der heutigen Staatsstraße.

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