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Der Wandertipp : Auf dem Weg zum Urwald

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Erst knapp davor laufen die Markierungen auseinander. Fortan ist der Kulturweg gefragt, möchte man sich bei stark verkürzter Runde auf dessen thematische Vorgabe beschränken. Dann mit ihm links abwärts zur Köhlerplatte und vielleicht noch Abstecher zu Wildscheuer oder Königsrondell angehängt, bevor es links retour geht.

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Die anderen Zeichen kreuzen die Straße und halten sich drüben knapp am Waldrand bis zum Wanderparkplatz. Bald treten auch sie auseinander. Den Spessarträuber lassen wir ziehen, kommen aber später auf ihn zurück, zugunsten des nach links maßgeblichen H. Die Großrichtung bereitet weiterhin keine Probleme, dagegen verlangt das Bodenprofil erhöhte Aufmerksamkeit.

In dem als Naturwaldreservat ausgewiesenen Gebiet sind die nicht befestigt oder gekiest. Nach längerem Geradeaus wird der mehrfach angezeigte Richtungspfosten „Höhe nahe Breitsol“ erreicht. Was sich dahinter verbirgt, ist etwas unterhalb des dortigen Linksabzweigs zu sehen – eine kleine Siedlung namens Breitsol, die allerdings seit der abnehmenden Funktion der beiden Sendemasten an und auf der höchsten Spessartkuppe, dem 586 Meter hohen Geiersberg, fast verwaiste.

Davor heißt es weiter leicht abwärts, wobei das Naturparkzeichen schwarzer Eber hinzutritt. Mit dem H biegt es kurz vor der Staatsstraße rechts ein, um sich nach 300 Metern links ab wieder zu lösen. Wir folgen der Fährte des Ebers, dem es vorbehalten ist, durch das zehn Hektar große Naturschutzgebiet Rohrberg zu führen. Der Zugang liegt – links, rechts – jenseits der Straße. Die als Rundweg angelegte Markierung knickt dann rechts ab. Man kann ihrem Bogen nachgehen oder auch geradeaus verbleiben. Die mächtigen Buchen und Eichen über dem Gewirr von Altholz sind an dieser Seite vielleicht noch beeindruckender.

Nachbildung einer „Wildscheuer“ zur Fütterung des, für die jagdfreudigen Regenten Bayerns, gehaltenen Rot- und Schwarzwildes im 19. Jahrhundert
Nachbildung einer „Wildscheuer“ zur Fütterung des, für die jagdfreudigen Regenten Bayerns, gehaltenen Rot- und Schwarzwildes im 19. Jahrhundert : Bild: Thomas Klein

Ausgangs empfängt uns der rote Strich. Mit ihm geht es bergab bis in die Senke am Haselbrunnen. Dort wechselt man halblinks zum Spessarträuber und gewinnt zwischen luftigen Buchen wieder an Höhe. Der Lärm der nahen Autobahn liegt bald hinter und das vegetationsfreie Königsrondell vor uns.

Nicht fern, und wir stoßen zum Spessartweg. Mit ihm können wir einen Schlenker links über die Wildscheuer einlegen oder unverändert mit dem Hasenstabpfad geradeaus. An der Köhlerplatte, wo drei große Meiler standen, finden die Zeichen wieder zusammen und weisen leicht abwärts – vorbei am rekonstruierten Wildzaun – zurück nach Bischbrunn.

Sehenswert

Wie andere Spessartorte besitzt Bischbrunn keine nennenswerten Bauwerke, dafür aber endlose Natur mit Ankerpunkten zu ihrem Schutz und der früheren Nutzung Unterhalb der höchsten Spessartkuppe, dem 586 Meter hohen Geiersberg, liegt mit dem zehn Hektar großen NSG Rohrberg von 1928 eines der ältesten Schutzgebiete Bayerns. Seither ist in dem mehrhundertjährigen Eichen- und Buchenforst die Bewirtschaftung eingestellt, was erste Ansätze eines Urwalds zeitigt.

Zugerichtet und von Besiedlung freigehalten wurden die Wälder durch die Mainzer Kurfürsten für ihre Jagd- und Merkantilinteressen. Nur über wenige, von Zollstationen kontrollierte Fernwege war der Hochspessart passierbar. Mit dem Torbau Aurora an der Staatsstraße (vormals B8) blieb ein Gebäude aus dem späten 18. Jahrhundert bewahrt.

Als Erbe der Mainzer Erzbischöfe setzten die bayerischen Könige nach 1815 das Jagdwesen fort. Wie das Wild gehalten und erlegt wurde, vermitteln Rekonstruktionen und Informationstafeln eines Spessart-Kulturwegs.

Daten

Länge: 14 (7) km
Höhenmeter: 410
Karte: Marktheidenfeld (Blatt 4), Maßstab 1:25.000, Verlag Main Echo

Anfahrt

Über die A3, Ausfahrt Rohrbrunn in Richtung Dammbach, an der Einmündung aber links gen Marktheidenfeld bis Straßlücke und rechts nach Bischbrunn zum angezeigten Sportplatz. Die Gemeinde ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

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