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Darmstädter Ortsteil Eberstadt : Zu Dünen und Mühlen

  • -Aktualisiert am

Von außen nicht zu erkennen: Das intakte Mühlrad an der Modau Bild: Thomas Klein

Sand und Wasser sind die prägenden Elemente des Stadtteils Eberstadt in Darmstadt. Die kräftig strömende Modau wurde einst als Energiequelle genutzt. Der Wandertipp.

          5 Min.

          Auf Sand gebaut, das Wasser gestaut – so lassen sich Ursprung und Werdegang des Darmstädter Ortsteils Eberstadt bis in die jüngere Vergangenheit umschreiben. Die seit anno 782 nachweisbare Gemeinde entstand auf eiszeitlichen Flugsanddünen in verkehrsgünstiger Lage zwischen Odenwald und Rhein-Ebene an der kräftig strömenden Modau. Zu den besten Zeiten Mitte des 19. Jahrhunderts nutzten gut 70 Mühlen deren 44 Kilometer langen Lauf, davon elf in Eberstadt. Geblieben ist davon innerörtlich nichts. Statt Mühlräder säumt fast durchgehend eine Grünanlage den Fluss. Nur außerhalb und an Nebengewässern verraten noch Gebäude die Standorte von Hammer-, Walk-, Pulver-, Schleif-, Papier- und Sägemühlen.

          Mit Klischees romantisch verträumter Fachwerkgebäude im Wiesengrund hatten die hochspezialisierten Betriebe nichts gemein. Sie waren Schrittmacher der Industrialisierung, bevor sie ihr selbst zum Opfer fielen, so sie nicht größere Unternehmen wurden wie die 1836 gegründete Illig’sche Papiermühle (heute „Cordier“) bei Nieder-Ramstadt. Ihr Erfolgsrezept: Spezialisiert auf hochwertige Schleifpapiere, verarbeitet man wie einst Baumwolle statt weniger haltbarer Zellulose.

          Traditionsreiche Sorten sollen erhalten bleiben

          Es ist kein Zufall, dass sich der technische Betriebsleiter Friedrich Hechler auch privat dem Mühlenwesen verschrieb. Nach Ankauf der benachbarten, 1852 explodierten Pulvermühle – später eine Mahlmühle – restaurierte er in siebenmonatiger Arbeit das fast sechs Meter hohe Wasserrad. Via Generator versorgt es das Anwesen mit Gastronomie mit Strom.

          Der Leitspruch “Nutzen, um zu bewahren“ leitet nicht zuletzt den Freundeskreis Eberstädter Streuobstwiesen. Ursprünglich 1995 gegründet, um die Bestände am Eichwäldchen der Bebauung zu entziehen, entwickelten die Ehrenamtlichen ein breitgefächertes, prämiertes Vermittlungs- und Schutzprogramm. Über Baumschnitt und Landschaftspflege mittels ortsfester Schafherde hinaus verschrieb man sich dem Erhalt traditionsreicher Sorten. Rund 1500 Nachpflanzungen verwandelten das Eichwäldchen in ein Paradiesgärtlein bedrohter Apfel- und Birnenarten.

          Auch auf dem sandigen Boden gedeihen sie gut. Wie dessen Floristik eigentlich aussähe, selbst dafür gibt es in Eberstadt einen letzten Zeugen. Mit dem seit 1938 geschützten Ulvenberg hat eine rund 10.000 Jahre alte Großdüne überdauert. Abgesehen von einigen botanischen Raritäten, ist die Vegetation natürlich nicht tundrenartig, aber Kiefern und dichtstehende, mit Efeu umsponnene Gehölze schützen den Sand vor dem Verwehen.

          Wegbeschreibung

          Bei Anfahrt mit der Straßenbahn entsteigt man an der Haltestelle „Kirche“ in Eberstadt, sofern zum Auftakt eine Schleife zu Dreifaltigkeitskirche und Düne stehen soll. Sie lässt sich auch verkürzen: Lässt man die Kirche weg, fährt man eine Station weiter bis „Friedhof“ und geht nach links durch die Ringstraße zur Nussbaumallee. Oder, ohne Düne und Kirche, eine Haltestelle früher aussteigen („Modaubrücke“) und mit der Markierung grüner Punkt auf dem flussbegleitenden Weg laufen. Am Friedhof gibt es auch Parkplätze ebenso wie innerorts an der Kreuzung Heinrich-Delp- und Oberstraße.

          An der Dreifaltigkeitskirche steigt man die Treppe hinauf und vor dem Turm rampenartig wieder hinab. Durch die Straße Am Kirchberg erreicht man auch hier die Nussbaumallee. Der dortige Bronze-Eber wurde 2007 zur 1225-Jahr-Feier Eberstadts auf den Sandsteinsockel gehoben. Schon nach 150 Metern biegt man rechts in die Sackgasse An der Sanddüne, die über das Sträßchen hinaus auf den Ulvenberg weist. Dort herrscht Sand vor, ansonsten dominiert beim Gang links über die Höhe urwaldartige Vegetation. (1)

          Am anderen Ende wird unten eine Grillhütte umgangen und weiter neben dem Straßendamm der Modau entgegengelaufen. Per Holzbrückchen kommt man hinüber und gleich rechts mit dem Zeichen grüner Punkt in die Anlage. Trotz mehrmaligem Uferwechsel lotst er sicher durch den Ort. Nach dem letzten Übertritt führt ein ausholender Linksbogen an Offenland entlang. Auch jetzt bewegt man sich in geschützter Natur, besonders augenfällig sind mächtige Eichen an einem hohlwegartigen Einschnitt fast bis zur B 426. Sie wird überquert. Drüben geht es leicht versetzt 200 Meter geradeaus, ehe das Zeichen unvermittelt nach links auf einen Pfad abbiegt. Er folgt mit Rechtskurve dem Hang und steigt zu der Sozialeinrichtungen beherbergenden Waldmühle ab.

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