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In aller Ruhe in der Natur : Waldbaden als Therapie

In aller Ruhe in der Natur: Waldbaden Bild: Felix Schmitt

Man braucht keine Badehose und kein Handtuch. Festes Schuhwerk und passende Wanderkleidung reichen. Wie Waldbaden geht.

          1 Min.

          Der Physiker und Naturphilosoph Klaus Michael Meyer-Abich hat in einem seiner Bücher auf die nordamerikanischen Navajo-Indianer hingewiesen, die einen besonderen Gottesdienst zur Heilung einer merkwürdigen Krankheit zelebrieren – des Verlusts der Fähigkeit zur Wahrnehmung von Schönheit. Der Blick für die Schönheit der Natur war für sie also keine Petitesse. Das körperliche und geistige Wohlbefinden des Stammes hing davon ab. Das Buch Meyer-Abichs „Was es bedeutet, gesund zu sein“ ist 600 Seiten stark. Man muss es aber nicht lesen, um die Bedeutung der Natur für das seelische und körperliche Gleichgewicht zu verstehen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Es reicht dazu auch die Teilnahme an einem Kurs in „Waldbaden“. Die werden im Rhein-Main-Gebiet fast überall angeboten, wo es genügend Bäume gibt, zum Beispiel im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Dort kann man Shinrin Yoku praktizieren, wie die Japaner die Methode nennen.

          Wie Tropfen fallende Blätter

          Zunächst: Waldbaden ist praktisch. Man braucht keine Badehose und kein Handtuch. Festes Schuhwerk und passende Wanderkleidung reichen. Wasser ist auch nicht unbedingt notwendig. Man badet im Herbst unter den wie Tropfen fallenden Blättern der Bäume. Die Gruppe geht gemessenen Schrittes durch den Wald und versucht, alle Sinne zu öffnen. Wie riecht das Laub, wie fühlt sich der bemooste Stein an? Was raschelt oben im Geäst? Was geschieht mit mir, wenn ich wie ein Baum still stehe? Wie fühlt sich der Wind an?

          Wenn der „Waldbade-Meister“ während solcher Momente des Innehaltens noch Waldlyrik von Hesse, Heine oder Eichendorff vorträgt, verdichtet sich der Eindruck, dass das Gespür für die Macht, Kraft und Schönheit eines gesunden Waldes eine ursprüngliche universelle menschliche Erfahrung ist. Zwei Stunden reichen, um zu wissen: Waldbaden wirkt als Therapeutikum unmittelbar. Preiswert ist es obendrein.

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