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Wie Hochschulen kommunizieren : Vorsicht vor der „Weltsensation“

Mausmodell: Was im Tierversuch gelingt, muss beim Menschen noch lange nicht klappen Bild: Picture-Alliance

Der Skandal um den Heidelberger Brustkrebstest wirft die Frage auf, wie glaubwürdig Pressemeldungen aus Universitäten sind. Wie kommen solche Mitteilungen überhaupt zustande?

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          Im Kampf gegen den Krebs entfalten Forscher höchste Kreativität, auch in den Laboren der Rhein-Main-Region. In Mainz etwa entwickelt der Mediziner Ugur Sahin Impfungen gegen Tumore, während in Frankfurt der Biochemiker Ivan Dikic zusammen mit Kollegen ein neues „Cancer Institute“ aufbaut. Regelmäßig sind auf dieser Seite Meldungen über wissenschaftliche Arbeiten zu lesen, die zu Fortschritten in der Krebsbehandlung führen könnten. Ohne Konjunktiv kommt man bei diesem Thema allerdings nicht aus: Mancher interessante Ansatz erweist sich bei näherer Prüfung doch als untauglich, und selbst wenn eine Strategie Erfolg verspricht, vergehen meist viele Jahre bis zur klinischen Anwendungsreife.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Heidelberger Uniklinikum wurde Anfang dieses Jahres auf den Gebrauch der Möglichkeitsform nicht allzu viel Wert gelegt: Über die „Bild“-Zeitung ließen Ärzte der Frauenklinik die „Weltsensation“ verkünden, es sei ein „marktfähiger“ Bluttest für Brustkrebs entwickelt worden – obwohl es keine hinreichenden Beweise gab, dass die Methode funktionierte. Nicht einmal eine abgeschlossene, in einer medizinischen Fachzeitschrift publizierte Studie lag vor. Ein Skandal, der dazu verleitet, auch die Glaubwürdigkeit anderer Erfolgsmeldungen aus den Pressestellen der Hochschulen in Frage zu stellen. Entsprechend befremdet schaut man in den Kommunikationsabteilungen der hiesigen Unis auf die Meldungen aus Heidelberg – und beteuert auf Nachfrage, dass im eigenen Haus alles getan werde, um ein solches Desaster zu verhindern.

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