https://www.faz.net/-gzg-a7n11
Carsten Knop

Vor Beratungen zur Corona-Lage : Das Büro ist nicht das größte Problem

  • -Aktualisiert am

Das Büro zu Hause: Viele Arbeitnehmer haben in den vergangenen Monaten in den eigenen vier Wänden gearbeitet. Bild: dpa

Vor der Einführung einer Homeoffice-Pflicht sei gewarnt. Denn ein Ort des „Superspreadings“ ist das Büro nicht. Vielmehr gilt es, auf die Eigenverantwortung der Arbeitnehmer zu setzen.

          2 Min.

          Was die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder am Dienstag zur weiteren Bekämpfung der Corona-Pandemie beschließen werden, ist offen. FFP-2 Masken werden sich danach auch in Hessen gewiss steigender Nachfrage erfreuen. Aber eine Prognose rund um das Homeoffice fällt schwer. Sollte in Erwägung gezogen werden, dafür einen wie auch immer gearteten Zwang einzuführen, sei davor gewarnt. Dabei sind gar nicht so sehr arbeitsrechtliche Gründe gemeint. Denn das, worum es hier wirklich geht, ist in den meisten Fällen nicht etwa das, was juristisch tatsächlich ein voll eingerichtetes Homeoffice wäre. Gemeint ist die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten mit einem Laptop auf dem Küchentisch. Das aber ist in der aktuellen Situation eher eine Spitzfindigkeit.

          Tatsächlich sollten die Beteiligten der Krisenrunde aus grundsätzlichen Überlegungen heraus Besonnenheit walten lassen. In einer amerikanischen Studie, die sich auf Zahlen aus dem Frühjahr bezieht, wurden in zehn Großstädten zu den Hauptübertragungsorten folgende Umgebungen als Ausgangspunkt für das sogenannte „Superspreading“ identifiziert: In der Reihenfolge waren es Restaurants mit normaler Bestuhlung und Service, Fitness-Center, Cafés und Snackbars, Hotels, kleinere Gaststätten, Kirchen, Arztpraxen, Kaufhäuser und Tankstellen. Büros sucht man in dieser Liste vergeblich. Unter den Neuinfektionen, bei denen dem Robert-Koch-Institut Informationen über das Infektionsumfeld vorliegen, haben in den Wochen vor Weihnachten nur fünf Prozent der Infektionen am Arbeitsplatz stattgefunden.

          Eine erhebliche Selbstkontrolle

          Das heißt, dass von den Betrieben, auch in der Rhein-Main-Region, schon seit Monaten darauf geachtet wird, dass sich die Mitarbeiter dort, wo sie überhaupt noch am Arbeitsplatz erscheinen, Bedingungen vorfinden, mit denen sie sich wohlfühlen. Auch findet in den einzelnen Teams eine erhebliche Selbstkontrolle statt: Auf in der Regel unbeabsichtigtes Fehlverhalten macht man sich freundlich aufmerksam. Chefs kommen mit einer Verweigerungshaltung schon lange nicht mehr durch. Auf diese funktionierende Selbstkontrolle sollte die Politik mit Blick auf das mobile Arbeiten weiterhin setzen.

          Käme ein Zwang, stellten sich viele Fragen: Wer kontrolliert, wer entscheidet objektiv, wo es denn nun wirklich nicht anders möglich ist? Umgekehrt gilt allerdings auch: Die Straßen und manche Bahnen und Busse in Frankfurt, Darmstadt, Mainz und Wiesbaden sind mit Berufspendlern reichlich voll. Hier liegt das (Ansteckungs-)Problem. Jeder Angestellte sollte sich fragen: Muss ich wirklich ins Büro? Individuelle Freiheit zu bewahren gelingt nur demjenigen, der individuelle Verantwortung übernimmt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zielen auf den eigenen Kommandeur: KSK-Soldaten, die den Verlust von „Stolz und Ehre“ beklagen

          KSK-Kommandeur Kreitmayr : Der General im Feuer

          Markus Kreitmayr kommandiert und reformiert das KSK der Bundeswehr. Manche loben ihn, andere äußern anonym ihre Wut über den Brigadegeneral.
          Eine Niqab-Trägerin auf dem Jungfraujoch im Berner Oberland

          Erste Hochrechnung in Schweiz : Knappe Mehrheit will Verhüllungsverbot

          Laut einer ersten Hochrechnung haben sich 51 Prozent der Schweizer für ein landesweites Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum ausgesprochen. Gegner warfen dem Verein, der die Volksabstimmung durchgesetzt hat, vor, er fördere antiislamischen Rassismus.

          Meghan und Harry bei Oprah : Sie zünden die Bombe

          Meghan Markle und Prinz Harry setzen ihre Trennung vom britischen Königshaus groß in Szene. Das Interview mit Oprah Winfrey ist der Gipfel. Ein Royals-Experte befürchtet schon einen „Atomschlag“ gegen die Windsors.
          Carrie Symonds mit Großbritanniens Premierminister Boris Johnson im vergangenen November

          Carrie Symonds : Die Strippenzieherin

          Carrie Symonds will mehr sein als die Frau von Boris Johnson. Ihr Einfluss auf den Premier fängt bei dessen Frisur an und mag bis zu seinem Beraterstab gehen. Das passt vielen nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.