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Evangelische Kirche fordert : „Weihnachten auf Marktplätzen und Straßen feiern“

  • -Aktualisiert am

Volker Jung, der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (Archivbild) Bild: dpa

Individuelle Ideen statt einheitliche Vorgaben für alle: EKHN-Präsident Volker Jung will, dass sich die Gemeinden auf die Weihnachtsgottesdienste vorbereiten – und schlägt Veranstaltungen im Freien vor.

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          Gut vier Monate vor Weihnachten hat der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, die rund 1100 Gemeinden im Kirchengebiet aufgefordert, Corona-geeignete Formate für die Weihnachtsgottesdienste zu planen. „Die Frage lautet: Wie wollen wir weiter agieren?“, sagte Jung während eines Sommerempfangs in der Evangelischen Akademie in Frankfurt. Die Veranstaltung war wegen der Hygiene- und Abstandsregeln als Mischung aus Präsenz- und Online-Teilnahme der Journalisten angelegt.

          Einheitliche Vorgaben zu den Weihnachtsgottesdiensten durch die Landeskirche lehnt Jung ab. Das sei nicht sinnvoll, weil sich die jeweiligen Gegebenheiten in den Gemeinden unterschieden. „Es lässt sich kein Konzept für alle entwickeln.“ Er halte es aber für wichtig, jetzt schon über Gottesdienste im Freien nachzudenken. Geeignete Flächen könnten Marktplätze, Straßen und Sportplätze sein. Jung nannte überdies eine „Waldweihnacht“ als Option. Auch mehrere kleinere Gottesdienste, verteilt über die drei Tage, seien eine Möglichkeit. „Bitte prüft das vor Ort.“ Jung gab aber auch zu bedenken, dass niemand vorhersagen könne, wie die Pandemie-Lage im Dezember sein werde.

          Am Weihnachtsfest, vor allem an Heiligabend, sind die Kirchen immer sehr voll. Die Gottesdienste in gewohnter Form abzuhalten, wird durch die Mindestabstandsregeln in der Pandemie nicht möglich sein. An Ostern waren alle öffentlichen Gottesdienste ausgefallen. Damals waren auch die Kirchen vom Lockdown überrascht worden.

          „Die Nähe vor Ort muss erhalten bleiben“

          Zum Ökumenischen Kirchentag, der im Mai 2021 mehrere Tage lang in Frankfurt stattfinden soll, kündigte der Kirchenpräsident für Ende September oder Anfang Oktober eine Entscheidung an. Schon jetzt sei angesichts der Infektionsgefahr durch das Coronavirus klar: „Es wird einen anderen Ökumenischen Kirchentag geben.“ Eine Veranstaltung mit 100.000 Teilnehmern werde nicht möglich sein. „Vielleicht wird es dann ein Kirchentag mit 30.000, 40.000 oder 50.000 Leuten.“ Er bleibe zwar optimistisch, es stehe aber „immer auch die Frage im Raum, den Ökumenischen Kirchentag abzusagen“.

          In der Entwicklung der eigenen Landeskirche, die mit sinkenden Mitgliederzahlen und Steuereinnahmen kämpft, nannte Jung drei Schwerpunkte. Erstens gehe es um die Entwicklung in den Regionen. Die Gemeinden müssten „regional vernetzter arbeiten“, um mit weniger Geld und weniger Personal das Angebot zu sichern. „Die Nähe vor Ort muss erhalten bleiben.“ Wichtig sei sowohl die Hinwendung zu den Mitglieder, die „Beziehungsarbeit“, als auch die Hinwendung zum Gemeinwesen, um für die Gesellschaft relevant zu bleiben.

          Der zweite wichtige Punkt ist für Jung die Digitalisierung, die wesentlich bei der Kirchenentwicklung helfen könne. Das habe die Corona-Krise gezeigt, in der die digitalen Angebote viel stärker genutzt würden als zuvor. Als dritten Punkt nannte Jung eine nachhaltige Entwicklung der hessisch-nassauischen Kirche. Das gelte auch für die Gebäude, die er als wichtig für die eigene Erkennbarkeit bezeichnete. „Die Gemeinden sollen bei uns nicht abgeschafft werden.“

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