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Mordfall Lübcke : Erklärung des Unfassbaren

  • -Aktualisiert am

Mordfall-Lübcke: Die schmerzhafte Aufklärung einer unfassbaren Tat. Bild: dpa

Im Mordfall Lübcke bleiben viele Fragen offen. Es fällt schwer, das Motiv des mutmaßlichen Mörders Stephan E. wirklich zu begreifen. Die Erwartungen an den anstehenden Prozess sind entsprechend hoch.

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          Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist unfassbar geblieben. Selbst wenn sich das Bild davon verfestigt hat, was in der Nacht zum 2. Juni 2019 in Wolfhagen geschah, und man eine Ahnung vom aberwitzigen Motiv bekommt, klafft immer noch eine Lücke zwischen Entsetzen und Begreifen.

          Von dem voraussichtlich in einigen Monaten anstehenden Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder und seine mutmaßlichen Gehilfen vor dem Frankfurter Oberlandesgericht wird daher viel erwartet. Nicht nur, dass er akribisch die Umstände der Tat und ihre Hintergründe aufklären wird. Sondern auch, dass Antworten auf die Frage gefunden werden, ob aus dem Terror des NSU, des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, keine oder die falsche Lehren gezogen worden sind.

          Traumatische Folgen eines Verbrechens

          Jedes Verbrechen ist in seinen traumatischen Folgen für Opfer und Hinterbliebene einmalig. Oftmals scheitert daher der Versuch, Parallelen ziehen zu wollen. Womöglich wurde Walter Lübcke aus stumpfsinniger Verblendung heraus getötet, aus Hass auf jemanden, der sich dafür einsetzte, Flüchtlingen eine Chance zu geben. Vielleicht sah der Täter aber auch für sich keine Perspektive mehr und mordete aus Frust. Oder politischer Irrsinn mischte sich mit pathologischen Neigungen.

          Auch wenn vor Gericht Schuld immer individuell festzustellen ist, so werden die Richter doch im Blick behalten müssen, ob dieses Verbrechen nicht als ein Symptom für eine Gewaltbereitschaft in der rechtsextremen Szene gedeutet werden muss, die noch als deutlich gefährlicher einzustufen ist als ohnehin inzwischen angenommen.

          Zwar wird in der Anklage aller Wahrscheinlichkeit nach der Vorwurf der Bildung einer terroristischen Vereinigung nicht erhoben. Bisher konnte nicht geklärt werden, ob Ernst einem solchen Netzwerk angehörte. Offen ist jedoch, ob sich eine derartige Verbindung nicht im Prozess herausstellt. Sollte der Hauptangeklagte vor einem solchen Hintergrund rechtskräftig verurteilt werden, dann bekäme die Erkenntnis, dass die Sicherheitsbehörden ihn in den Jahren vor dem Anschlag auf Walter Lübcke „nicht mehr auf dem Schirm“ hatten, eine umso erschreckendere Dimension.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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