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Versöhnung im Wald : Ein Stück Startbahnmauer steht wieder

  • -Aktualisiert am

Nach 38 Jahren: Das Denkmal weckt bei Startbahngegnern Erinnerung an die achtziger Jahre. Bild: Michael Kretzer

Der Bau der Startbahn 18 West am Frankfurter Flughafen war in den achtziger Jahren heftig umstritten. Nun bringt ausgerechnet die ehemalige Schutzmauer des Bauprojekts FraportAG und ehemalige Flughafenausbaugegner zusammen.

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          Es ist wohl eine Ironie der Geschichte, dass zwei einst Verfeindete – FraportAG und Flughafenausbaugegner – im Wald neben der Startbahn 18 West gemeinsam ein Denkmal aufstellen: Zwei Teile der Mauer, die den Bau der Anfang der achtziger Jahre heftig umstrittenen, vier Kilometer langen Piste schützte. Nun steht das sechs Meter lange und 2,50 Meter hohe Mauerteil neben der Hüttenkirche am Vitrolles-Ring. Die aus Beton und Stahl bestehende und mit Nato-Draht gekrönte Startbahnmauer war 2018 nach fast vier Jahrzehnten abgerissen und durch einen Zaun ersetzt worden. Cornelia Rühlig, Leiterin des Stadtmuseums in Mörfelden-Walldorf, wurde darauf aufmerksam und kontaktierte die Fraport AG. „Ich durfte mir die beiden Mauerteile aussuchen“, sagte Rühlig gestern. Sie entschied sich für ein Stück mit der Aufschrift: „Weiterarbeiten am Modell Deutschland.“

          Der Flughafenbetreiber transportierte die beiden Mauerstücke sogar unentgeltlich mit einem Spezialkran auf das Gelände und setzte sie in den Boden. Gestern wurde das Denkmal der Öffentlichkeit vorgestellt. Für Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) aus Mörfelden-Walldorf war es wie ein „großes Familientreffen“, wie er in seiner Rede sagte. Unter den etwa 70 Gästen waren vor allem Startbahn-Gegner der ersten Stunde. Sie erzählten von der Zeit des Protests. Wie anstrengend es gewesen sei, durch den Wald zur Mauer zu kommen, schilderte eine Frau. Eine andere erzählte, wie sie an der 6,4 Kilometer langen Mauer Raubvögel auf der Jagd beobachtet habe. Der Liedermacher Bodo Kolbe sang zusammen mit Ralf Baitinger Lieder von damals.

          Kolbe war bei den Protesten dabei und schrieb Lieder, zu denen auch heute noch viele Gäste mitsingen können. Mit dem Lied „Mir koche vor Wut“ erinnerte er an die Frauen der sogenannten Küchenbrigade („Ohne Mampf, kein Kampf“), die die Bewohner des Hüttendorfs verpflegten. Für Rühlig soll das Mauerstück zum Diskutieren anregen. „Mörfelden-Walldorf war die Hochburg des Widerstands“, sagte sie. Das Denkmal gebe der Gemeinde eine neue Rolle. Es solle verhindern helfen, dass der Protest in Vergessenheit gerate. Vor allem Schüler sollen sich an einer Informationstafel über die Ereignisse Anfang der achtziger Jahre informieren. „Auch wenn der Bau der Startbahn nicht verhindert werden konnte, das Umweltbewusstsein wurde durch die Bürgerbewegungen enorm gestärkt“, steht auf der Infotafel.

          Gestern protestierten Einzelne mit Plakaten gegen Luftverschmutzung und Fluglärm durch den Airport. Kolbe demonstrierte mit einem neuen Lied seinen andauernden Unmut über den Flughafen. Seit dem Ende des Protests habe er kein Lied über die Startbahnmauer mehr geschrieben. In dem Lied wendet er sich jetzt an Fraport: „Danke für euren Schrott, den alten.“

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