„Bei QAnon spielen vermeintliche Fakten überhaupt keine Rolle mehr“
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Reale Bedrohung: QAnon-Anhänger Jake Angeli, der auch am Sturm auf das Washingtoner Kapitol beteiligt war Bild: AP
Pia Lamberty erforscht Verschwörungsideologien und ihre Anhänger. Die Mainzer Sozialpsychologin warnt davor, den Glauben an obskure Mythen als harmlosen Spleen abzutun. Den Hass der Szene bekommt sie selbst zu spüren.
Pia Lamberty, Jahrgang 1984, ist Doktorandin an der Abteilung für Rechts- und Sozialpsychologie an der Gutenberg-Universität in Mainz. Sie forscht zu Verschwörungsideologien. Gemeinsam mit Katharina Nocun hat sie jüngst das Buch „Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“ publiziert.
Wie kommt man dazu, sich als Wissenschaftlerin mit Verschwörungstheorien zu befassen?
Das war eine Entwicklung. Ich habe mich lange schon mit rechten Ideologien und Esoterik auseinandergesetzt. Dazu gab es auch persönliche Bezugspunkte, etwa eine Jugendfreundin von mir, die an Krebs erkrankte und glaubte, ihn mit Edelsteinen heilen zu können. Im Bioladen entdeckte ich esoterische Zeitschriften, in denen für den rechten Kopp Verlag, der Verschwörungsmythen verbreitet, geworben wurde. Mir wurde immer deutlicher, dass das Esoterische ein Einfallstor in menschenfeindliche Ideologien sein kann. Mich interessiert dabei nicht bloß der Blick auf die Radikalen, sondern die Frage, was solche Einstellungen in der Breite der Gesellschaft auslösen. Der Verschwörungsglauben wirkt oft als Kitt, der verschiedene Menschen zusammenbringt und in Feindbildern vereint. Ab 2014 habe ich verstärkt in dem damals noch recht jungen Bereich geforscht. Zu erleben, wie solch eine Disziplin sich entwickelt, ist spannend.
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