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Aktivisten : Chance für einen Neuanfang

Am Freitag: Die Anhänger von Fridays for Future wollen wieder überall im Land demonstrieren. Luisa Neubauer hatte die Klimastreiks angekündigt. Bild: Imago

Nach der Flutkatastrophe will Fridays for Future im ganzen Land demonstrieren. Kritiker werfen ihnen vor, die Krise zu instrumentalisieren. Diese Kritik aber ist aus mehreren Gründen unberechtigt.

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          Am Freitag wollen die Anhänger von Fridays for Future wieder überall im Land demonstrieren, auch in der Mainzer Innenstadt treffen sie sich. Luisa Neubauer, Kopf der Klimaschutzbewegung in Deutschland, hatte die Klimastreiks angekündigt: Die Flutkatastrophen hätten wieder auf brutale Weise deutlich gemacht, dass die Zeit drängt, endlich mehr für die Klimarettung zu unternehmen.

          So begründen Neubauer und ihre meist jungen Mitstreiter die neuen Protestaufrufe. Dafür werden sie nun teils harsch kritisiert: Fridays for Future instrumentalisiere die Krise und nutze das gegenwärtige Leid aus, um Politik zu betreiben, heißt es in den sozialen Medien. Statt mit bunten Plakaten protestierend durch die Städte zu ziehen, sollten die Aktivisten in den Krisenregionen lieber mit anpacken und besser denen helfen, die Hab und Gut und vielleicht sogar Verwandte und Freunde verloren haben.

          Diese Kritik aber ist aus mehreren Gründen falsch. Erstens haben die professionellen Retter in den vergangenen Tagen häufig genug darauf hingewiesen, dass es wenig hilfreich und sogar gefährlich ist, wenn hilfswillige Bürger nun in die Krisenregionen ziehen.

          Aktivisten warnen schon seit Jahren

          Zweitens kann man den Aktivisten fehlende Empathie für die Betroffenen nicht vorwerfen: Vielfach haben sie in den vergangenen Tagen dazu aufgerufen, für die Notleidenden zu spenden. Verquer ist aber vor allem der Vorwurf, Fridays for Future schlachte das in Flutwellen über das Land gekommene Unglück für die eigene Agenda aus. Denn vor solchen Katastrophen, wie sie sich nun ereignet haben, warnen die Aktivisten seit Jahren. Mit ihrem Protest springen sie daher auch auf keinen plötzlich auftauchenden Zug auf. Im Gegenteil: Unermüdlichkeit und damit ein langer Atem zeichnen die jungen Klimaschützer aus.

          Zuletzt war es dennoch stiller um die Bewegung geworden. Das lag an Corona, aber auch daran, dass die Aktivisten ihre Kernkompetenz vernachlässigt haben. Statt sich auf die Klimafrage zu fokussieren, rückten bei den Demos andere Ungerechtigkeiten in den Mittelpunkt: Rassismus zum Beispiel, die anhaltende Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen, soziale Problemlagen. Geschadet hat den Klimaschützern auch, dass sie immer häufiger den Schulterschluss zu Linksradikalen suchten, dass sie sich zum Beispiel von gewaltbereiten Waldbesetzern nicht distanzierten. Die Flutkatastrophe, welche die Notwendigkeit, beim Klimaschutz jede Zögerlichkeit zu überwinden, nun so eindringlich vor Augen führt, ist deshalb für Fridays for Future eine Chance für einen Neuanfang. Die Schwierigkeiten, auf die die jungen Menschen hinweisen, werden in den kommenden Jahren nicht kleiner.

          Alexander Jürgs
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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