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Verlage und E-Books : Abwarten, aufrüsten, abwinken

Buch auf dem Bildschirm: Ein Pendler liest im Berufsverkehr ein E-Book auf seinem Lesegerät. Bild: Reuters

Das E-Book bleibt ein Rätsel. Wieder und wieder ist ihm in den vergangenen Jahren der in Bälde bevorstehende endgültige Durchbruch vorausgesagt worden, immer wieder aber ist dieser Durchbruch ausgeblieben. Dennoch: Die Verlage reagieren.

          Das E-Book bleibt ein Rätsel. Wieder und wieder ist ihm in den vergangenen Jahren der in Bälde bevorstehende endgültige Durchbruch vorausgesagt worden, immer wieder aber ist dieser Durchbruch ausgeblieben. Eine in diesem Frühjahr in Frankfurt vorgestellte Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels kam abermals zu dem Schluss, dass das elektronische Buch auf dem deutschen Markt bis Ende des Jahres entscheidende Fortschritte erzielen werde. Gleichzeitig ergab sie, dass im vergangenen Jahr lediglich zwei Millionen E-Books von 540 000 deutschen Käufern aus dem Internet heruntergeladen worden seien. Ihren Verlegern brachte das zwar einen Umsatz von 21 Millionen Euro, trotzdem handelt es sich bei dieser Summe nur um 0,5 Prozent des Umsatzes aus sämtlichen in Deutschland getätigten Buchkäufen.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es sieht nicht danach aus, als werde sich die Voraussage des Börsenvereins noch in diesem Jahr bewahrheiten. 78 Prozent der für die Studie Befragten gaben an, Bücher auch weiterhin nicht auf ihren E-Readern, Computern, Tabletcomputern oder Smartphones lesen zu wollen. Darüber hinaus hatten bis Ende vorigen Jahres nur 35 Prozent aller deutschen Verlage E-Books im Angebot, während 91 Prozent der Buchhändler das mangelnde Interesse ihrer Kunden als Haupthindernis für das Geschäft mit dem E-Book ansehen. Trotz dieser Daten erwarten Buchhändler und Verlage in den nächsten Jahren eine Verdreifachung des Umsatzes mit elektronischen Büchern. Die Branche scheint entschlossen zu sein, das Angebot der Nachfrage vorauseilen zu lassen. Buchhandel und Verlagswesen rüsten sich daher auch in Frankfurt und Umgebung für den von ihnen erwarteten Kundenschwenk zum elektronischen Buch.

          Zahlreiche Warteschleifen bis zur negativen Auskunft

          Das Interesse der Käufer lässt jedoch weiterhin meist noch zu wünschen übrig. In der „Berger Bücherstube“ von Monika Steinkopf stand vor zwei Wochen der erste Kunde, der ein E-Book kaufen wollte: ein Apotheker, der die Giftstoffliste bestellte. Steinkopfs Geschäft ist eine jener auf dem deutschen Markt noch immer gut vertretenen inhabergeführten Buchhandlungen, die vom E-Book trotz eines großen Kundenstamms schwer getroffen werden könnten. Da Steinkopf davon ausgeht, dass elektronische Bücher in den nächsten Jahren tatsächlich eine immer größere Rolle spielen werden, hat sie sich von ihren Lieferanten im Großhandel eigens eine neue Bestellsoftware auf die Computer spielen lassen. „Wir mussten neue Computer anschaffen, so viel haben die draufgeladen.“

          Die gewissenhafte Vorbereitung konnte das Scheitern des Geschäfts mit dem am E-Book interessierten Apotheker trotzdem nicht verhindern. Als Steinkopf den elektronischen Titel wie gewünscht bei ihrem Großhändler orderte, konnte dieser ihn nicht liefern. Ein Anruf bei Koch, Neff & Volckmar, einem der großen deutschen Buchgrossisten, ergab nach zahlreichen Warteschleifen, der Kauf der Datei sei noch nicht möglich. Steinkopf ist enttäuscht. „Solange ich mir nicht sicher sein kann, dass der E-Book-Vertrieb klappt, kann ich auch nicht damit werben, ihn anzubieten.“

          „Ich glaube nicht, dass die Läden reihenweise zumachen, aber man muss sehr darauf achten, was passiert“

          In der Buchhandlung „Carolus“ in der Frankfurter Innenstadt steht man dem E-Book-Geschäft aus anderen Gründen zurückhaltend gegenüber. Die Nachfrage sei noch nicht groß, sagt Carmen Czaja, Leiterin der Literaturabteilung. Es werde eine Weile dauern, bis der Drang zum E-Book bei den Verbrauchern wirklich angekommen sei. Bei einzelnen Nachfragen von Kunden habe sie festgestellt, dass vielen der Unterschied zwischen E-Books und E-Readern, also elektronischen Büchern und Lesegeräten, noch nicht klar sei. Trotzdem werde die Buchhandlung, die auf ihrer Internetseite Software, Spiele und DVDs anbietet, sich in Zukunft auch am E-Book-Handel beteiligen.

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