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Busse und Bahnen in Hessen : Verkehrswende braucht einen langen Atem

  • -Aktualisiert am

Standhaft: RMV-Chef Knut Ringat macht keine Abstriche am Angebot Bild: dpa

Keine längeren Taktzeiten, keine kürzeren Züge: Im Gebiet des RMV fahren Busse und Bahnen wie immer. Die öffentliche Hand gleicht das Corona-Loch in der Kasse aus. Kein Grund zur Sorge? Von wegen.

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          Lockdown hin, Lockdown her: Beim Rhein-Main-Verkehrsverbund heißt die Devise „Business as usual“. Busse und Bahnen verkehren wie vor der Corona-Krise – keine längeren Taktzeiten, keine kürzeren Züge. Die Einnahmelücke von 250 Millionen Euro, die beim RMV im vergangenen Jahr wegen des zurückgegangenen Verkaufs von Fahrkarten entstanden ist, wird von Bund und Land ausgeglichen. Und auch in den nächsten Jahren können die Verkehrsbetriebe wohl wieder mit umfangreichen Krisenhilfen aus Berlin und Wiesbaden rechnen. Schließlich darf der öffentliche Personennahverkehr nicht dauerhaft in Misskredit geraten, darf die von der Politik angekündigte Verkehrswende nicht in Frage gestellt werden.

          Kein Grund zur Sorge also bei den Verkehrsgesellschaften? Von wegen. Schon bald werden Bund und Länder mit ihren finanziellen Hilfsmöglichkeiten an Grenzen stoßen. Mit ziemlicher Sicherheit wird zwar auch dann an den bestehenden Angeboten im Bahn- und Busverkehr in Deutschland nicht gerüttelt. So mancher in Geldnot befindliche Finanzminister könnte aber durchaus auf den Gedanken kommen, die eine oder andere anstehende Millioneninvestition in den Ausbau der Schieneninfrastruktur aus Kostengründen auf die lange Bank zu schieben.

          Stehvermögen und Durchsetzungskraft

          Sollte es so weit kommen, werden sich den Sparfüchsen hoffentlich Verkehrs- und Umweltpolitiker mit Stehvermögen und Durchsetzungskraft entgegenstellen. Bei der Verkehrswende sind klare Linien und ein langer Atem gefragt. Wer Klima und Umwelt schützen möchte, darf auch bei starkem Gegenwind nicht den Kopf einziehen. Ohne den konsequenten Ausbau des Nahverkehrs ist eine Verbesserung der Luftqualität in den Städten nicht zu erreichen.

          Der Rhein-Main-Verkehrsverbund ist der beste Beleg für die Richtigkeit dieser These. Bis zur Corona-Krise waren die Fahrgastzahlen kontinuierlich gestiegen – von 530 Millionen im Jahr 1996 auf mehr als 800 Millionen im Jahr 2019. Doch der Boom brachte den RMV an die Grenzen der Belastbarkeit. Am Ausbau des Streckennetzes, an zusätzlichen Zügen und der Modernisierung der Technik führt daher kein Weg vorbei. Corona ist nur eine vorübergehende Bedrohung. Gegen die Klimakrise aber hilft kein Impfstoff.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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