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Verkehrspolitik in Rhein-Main : Herbst der Entscheidungen

Auf die Schiene: Der Ausbau des Verkehrsnetzes in Rhein-Main schreitet, wenn auch gemächlich, voran. Bild: dpa

Das Fahrrad hat in Sachen Verkehrswende einen unbestreitbaren Status erlangt. Dabei ist der Ausbau des Schienennetzes in Rhein-Main mindestens genauso wichtig. Noch in diesem Herbst stehen zwei wichtige Entscheidungen an.

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          Bei der Diskussion um ein Umsteuern in der Verkehrspolitik ist viel vom Fahrradverkehr die Rede, aber viel wichtiger ist es, ob der Ausbau des Schienennetzes in der Region vorankommt. Eisen-, U- und Straßenbahnen sind bei jedem Wetter leistungsfähig, befördern die Bevölkerung jeglichen Alters und auch über Entfernungen, bei denen selbst trainierten Radfahrern die Puste ausgeht. Leider erweist sich der Bau von Schienenstrecken als weitaus komplizierter als das Ziehen einiger Striche am Straßenrand für einen Fahrradweg.

          Noch in diesem Herbst aber stehen zwei wichtige Entscheidungen an. Fünf Industrie- und Handelskammern mahnen, dass die Festlegung auf eine Trasse für die seit Jahren geplante Schnellfahrstrecke von Frankfurt nach Mannheim doch endlich erfolgen soll.

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          Nichts anderes hat die Deutsche Bahn angekündigt, aber inzwischen ist schon Oktober, und noch ist nichts geschehen. Es hatte auch schon einmal geheißen, die Festlegung werde im Jahr 2019 erfolgen. Es ist eine heikle Entscheidung, sicher, namentlich die Anbindung Darmstadts an die Neubaustrecke, die fern der Universitätsstadt entlang der Autobahnen verlaufen soll, ist knifflig. Aber eine grundsätzliche Einigung über den genauen Verlauf der Schienen ist die Voraussetzung, um überhaupt in die detailliertere Planung einzusteigen.

          Eine Jahrhundertchance

          Nicht weniger wichtig ist, wie sich die Wiesbadener am 1. November zur Einführung der Straßenbahn stellen. Auch hier hat sich die örtliche Kammer kürzlich nach langem Zögern zu dem Vorhaben bekannt. Es ist eine Jahrhundertchance für die Landeshauptstadt, den Stadtverkehr auf zukunftsfähige Grundlagen zu stellen. Die Zusammenarbeit mit dem Mainzer Straßenbahnbetrieb garantiert, dass sich die Kosten in Grenzen halten, die Trassierung ist so gewählt, dass Fahrgastpotentiale erschlossen werden, die Erfahrung aus anderen Städten weltweit lehrt, dass komfortable Schienenverkehrsmittel besser angenommen werden als Omnibusse.

          In Frankreich sind deshalb Dutzende Städte zur Straßenbahn zurückgekehrt, in Großbritannien einige, in Deutschland freut man sich, dass die Tram noch in so vielen Orten fährt, und zwar mit Erfolg. Wer wirklich möchte, dass weniger Pendler mit dem Auto fahren, wird am Ausbau der Schienennetze in der Region nicht vorbeikommen – weder in Wiesbaden noch zwischen Frankfurt und Mannheim.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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