https://www.faz.net/-gzg-vx1e

Verkehr : Rhiel: Straßensperrungen für Laster bewähren sich

  • Aktualisiert am

Seit einem Jahr sind 400 Kilometer Bundesstraße für Transit-Lastwagen mit einem Gewicht ab zwölf Tonnen tabu. Bild: dpa

„Gut durchschlafen können Anwohner immer noch nicht“, sagt Alois Rhiel. Doch haben sich die Sperrungen von Bundesstraßen für mautpflichtige Laster aus Sicht des hessischen Verkehrsministers bewährt. Spediteure rügen dagegen das Verbot.

          2 Min.

          Das Fahrverbot für mautpflichtige Lastwagen auf mehreren Bundesstraßen in Nord- und Mittelhessen hat sich nach Auffassung von Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) bewährt. „Das ganztägige Durchfahrtsverbot für Lastwagen ab einem Gewicht von zwölf Tonnen hat eine deutliche Verkehrsentlastung gebracht“, sagte Rhiel am Donnerstag in Cölbe bei Marburg. Für Anwohner habe sich die Belastung durch Lärm, Erschütterungen und Abgase verringert. Das bestätigte auch Carola Carius, Ortsvorsteherin von Cölbe-Schönstadt: „Die Situation hat sich erheblich verbessert, auch wenn der Zustand nachts noch nicht optimal ist.“ Spediteure äußerten Kritik an den Sperrungen.

          Mit den Fahrverboten will die Landesregierung den Lastwagen-Transitverkehr auf die Autobahnen verlagern. Nach Angaben des hessischen Verkehrsministeriums gibt es bundesweit keine vergleichbar weiträumige Sperrung von Bundesstraßen.

          „Durchschlafen können Anwohner immer noch nicht“

          Seit vergangenem Herbst sind sechs Bundesstraßen auf einer Strecke von rund 400 Kilometern für Transit-Lastwagen mit einem Gewicht ab zwölf Tonnen tabu. Das sind die Bundesstraße 3 zwischen Borken und der Kreuzung mit der B 62 bei Cölbe (46 Kilometer), die B 252 von der selben Kreuzung bis zum Autobahnanschluss Diemelstadt (90 Kilometer) und die B 254 vom Anschluss Felsberg bis zum Anschluss Fulda-Süd (100 Kilometer). Fahrverbote gibt es auf 118 Kilometern auch auf der B 27 (Fulda-Göttingen) und auf 40 Kilometern auf der B 7 (Kassel- Eisenach). Die Sperrungen betreffen die sieben Landkreise Waldeck- Frankenberg, Werra-Meißner, Schwalm-Eder, Fulda, Hersfeld-Rothenburg, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg.

          Wegen positiver Ergebnisse sollten die Maßnahmen auch in der Zukunft fortgesetzt werden, sagte Rhiel. An der B 252 und der B 3 seien tagsüber 35 bis 40 Prozent weniger Lastwagen gezählt worden. An der B 254 sei eine Entlastung von 17 Prozent registriert worden.

          Einen Grund zum Jubeln gebe es aber nicht, sagte Rhiel. Nachts führen immer noch zu viele Lastwagen mit einem Gewicht zwischen 3,5 und zwölf Tonnen durch die Orte. „Gut durchschlafen können Anwohner immer noch nicht“, sagte der Minister.

          Mit der Sperrung der Bundesstraßen für die mautpflichtigen Laster hatte das bisher geltende Nachtfahrverbot seine Gültigkeit verloren. Seither ist Lastwagen mit einem Gewicht zwischen 3,5 und zwölf Tonnen die Fahrt über die Bundesstraßen nachts erlaubt.

          Spediteure beklagen mangelnde Alternative

          Deswegen sei ein rascher Weiterbau der Autobahn 49 von Kassel Richtung Süden notwendig, um Spediteuren eine Alternative bieten zu können. Für einen ersten Abschnitt der A 49 bestehe seit kurzem Baurecht. Der 11,8 Kilometer lange Abschnitt von Neuental nach Schwalmstadt soll in fünf Jahren fertig sein. Die Fahrverbote auf den Bundestraßen stellten einen Kompromiss zwischen den Anliegen der Anwohner und den Spediteuren dar, sagte Rhiel.

          Doch die Spediteure sehen das anders. Bei allem Verständnis für betroffene Anwohner: Es sei ein Unding Bundesstraßen zu sperren, ohne Alternativen anzubieten, sagte der Geschäftsführer des Speditions- und Logistikverbands Hessen/Rheinland-Pfalz, Thorsten Hölser. „Wir können nicht Straßen sperren und gleichzeitig keine Autobahnen bauen - und das bei einem steigenden Verkehrzuwachs.“ Die Lastwagenfahrer wollten gar nicht der Maut ausweichen, aber die Bundesstraßen seien bislang oft die kürzeren Strecken gewesen. „Und Zeit ist Geld“, sagte Hölser. Die Sperrungen der Bundesstraßen gingen ganz klar zu finanziellen Lasten der Wirtschaft.

          Weitere Themen

          Weinverkostung vor den Kameras

          FAZ Plus Artikel: „Wine Guys“ : Weinverkostung vor den Kameras

          Karl Gladeck und Marco Zanetti sind als „Wine Guys“ neben ihrem Onlineshop auch auf Youtube präsent. In den Filmen wird viel Wein getrunken und besprochen, aber auch gekocht und das passende Getränk empfohlen.

          Topmeldungen

          Ausmaß der Zerstörung: eine Straßenkreuzung in Cholon, Israel

          Gewalt in Nahost : Hamas feuert 130 Raketen auf Tel Aviv

          Militante aus dem Gazastreifen feuern am Abend mehr als hundert Raketen auf Zentralisrael. Im Großraum Tel Aviv kommt es immer wieder zu schweren Explosionen. Mindestens ein Mensch stirbt.
          Ende einer Quälerei: In wenigen Tagen werden Präsident Keller und Generalsekretär Curtius (links) den Deutschen Fußball-Bund verlassen.

          Keller, Curtius und Koch : Befreiungsschlag beim DFB

          Präsident Fritz Keller zieht sich zurück, Friedrich Curtius gibt auf, Rainer Koch verzichtet auf eine Wiederwahl: Fast die gesamte Führung des DFB macht den Weg frei für einen Neuanfang.
          Die Intensivstation der Universitätsklinik Frankfurt mit Coronapatienten im April 2020

          Anhaltend hohe Todeszahlen : Wer jetzt noch an Corona stirbt

          Noch verzeichnet Deutschland jede Woche mehr als tausend Covid-Todesfälle. Viele sterben weder im Altenheim noch auf der Intensivstation. Doch wo dann? Die Suche nach der Antwort ist kompliziert.
          Die EZB erwartet eine steigende Inflation. Allerdings meint sie, der Anstieg sei nur vorübergehend.

          Steigende Preise : Was Sparer zur Inflation wissen müssen

          Alles rund ums Bauen wird teurer, aber auch viele Lebensmittel und vor allem Heizöl und Benzin. Steigt mit dem Abklingen der Pandemie die Inflation? Und wie können sich Sparer rüsten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.