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Verkehr : (K)ein Stau aus dem Nichts

Auf der A 5 gen Frankfurt staut sich oft der Verkehr - aber selten wegen Unfällen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Fast jeden Morgen das gleiche: Hinter der Auffahrt Butzbach flackert es rot auf. Autofahrer treten kräftig auf die Bremse: Es geht kaum voran im Berufsverkehr auf der Autobahn 5 gen Frankfurt. Nur warum, wenn ein Unfall nicht die Ursache ist?

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          Frankfurt. Fast jeden Morgen das gleiche: Hinter der Auffahrt Butzbach flackert es rot auf und blinkt gelb. Autofahrer treten kräftig auf die Bremse und schalten die Warnblinkanlage ein: Es geht kaum voran im Berufsverkehr auf der Autobahn 5 gen Frankfurt. Stoßweise müssen sich Auto- und Lastwagenfahrer der Raststätte Wetterau nähern. Eine passende Unfallmeldung im Radio? Meist Fehlanzeige. „Zwischen dem Gambacher Kreuz und Friedberg stockender Verkehr“, lautet vielmehr die Standarddurchsage. Und wenn erst die Kuppe hinter der Raststätte passiert ist, nehmen die Fahrzeuge rasch wieder Fahrt auf. Denn auf Sicht stockt nichts mehr. Also wieder einmal ein Stau ohne Anlaß vor und auf der Auffahrt zur Raststätte?

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Matthias Burger schüttelt den Kopf. „Es gibt keinen Stau aus dem Nichts“, sagt der Mitarbeiter der Verkehrszentrale Hessen, die die auf Frankfurt zulaufenden und die Stadt passierenden Autobahnen mit Kameras überwacht. „Jeder Stau hat seine Ursache, auch wenn diese für den einzelnen Verkehrsteilnehmer nicht sichtbar ist, weil sie vielleicht ein paar Minuten zurückliegt.“ Ursache und Wirkung seien weder orts- noch zeitgleich, erläutert Burger.

          Wenn vorne gebremst wird, staut sich hinten der Verkehr

          Oder anders: Wenn auf der Bergstrecke jemand plötzlich ausschert, weitere Spurwechsel provoziert und Nachfolgende zum Bremsen zwingt, wird die gesamte Kolonne binnen kürzester Zeit immer langsamer - bis ein paar Kilometer weiter hinten Stillstand herrscht. „Dies gilt gerade dann, wenn die Kapazitätsgrenze einer Straße erreicht ist“, sagt Burger. Zwar ist es nach seinen Worten nicht genau zu bestimmen, wie viele Fahrzeuge der Streckenabschnitt der A5 in der Wetterau verträgt. Daß es aber im Berufsverkehr im Wortsinn dort besonders eng zugeht, wissen Pendler aus eigener Erfahrung zu berichten.

          Zwischen den Anschlußstellen Gambacher Kreuz und Nad Nauheim sind täglich zwischen 70.000 und 90.000 Fahrzeuge unterwegs, zwischen Ober-Mörlen und Friedberg sogar bis zu 109.000. Dabei sei die Zahl der Fahrzeuge allein aber nicht entscheidend, meint Wolfgang Herda vom ADAC Hessen-Thüringen, der morgens regelmäßig selbst auf der A5 gen Frankfurt unterwegs ist. Das Problem sind aus seiner Sicht vor allem Fahrfehler, begangen etwa von „notorischen Spurwechslern“, die in Lücken zwischen zwei Fahrzeugen hüpfen und auf diese Weise den Verkehrsfluß durcheinanderbringen. „Wenn in solchen Fällen das Verkehrsaufkommen hoch bleibt oder sogar noch steigt, dann bleibt es für einige Zeit beim Stau“, sagt Herda. So komme es, daß von Butzbach aus bisweilen anderthalb bis zwei Stunden nach Frankfurt benötigt würden, obwohl die Strecke gemeinhin in 30 Minuten zu schaffen sei.

          Weitere Verkehrsbeeinflussungsanlagen geplant

          In einem zeigt er sich einig mit Burger: Mit dem Überholverbot für Lastwagen zwischen Ober-Mörlen und der Raststätte Wetterau können die Stockungen in Grenzen gehalten werden. Allerdings müsse dieses Verbot auch kontrolliert werden, fordert er. Andernfalls werde es von so manchem Fernfahrer nicht eingehalten, wie er aus Erfahrung weiß.

          Derweil versucht die Verkehrszentrale auf den näher an Frankfurt gelegenen Abschnitten der A5 der Stauanfälligkeit technisch zu begegnen: mit Hinweisen auf den „Verkehrsbeeinflussungsanlagen“, wie die Schilderbrücken mit Geschwindigkeitsanzeige amtlich heißen. Vor drei Jahren auf der A5 nacheinander montiert, haben sie in der Tat den Berufsverkehr entzerrt. Dies gilt nicht zuletzt für den Köpperner Berg, wo zudem die Standspur zu Stoßzeiten freigegeben wird. „Wir verringern die Wahrscheinlichkeit, daß der Verkehr bei bestimmten Fahrzeugmengen zusammenbricht“, beschreibt Burger diese Arbeit der Verkehrszentrale, die ihren Sitz in Frankfurt hat.

          Solche Schilderbrücken sollen in der Zukunft auch zwischen dem Gambacher Kreuz und der Raststätte Wetterau eingesetzt werden. Wann genau, ist allerdings offen.

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