https://www.faz.net/-gzg-qe31

Verkehr : Die Furcht vor den Krachmachern

Im Großen zählen der Bund und das Land Hessen an etwa 50 Dauerzählstellen zwischen Karlshafen im Norden und Lampertheim im Süden. Erst im Herbst, so sagt der Präsident des Hessischen Landesamtes für Straßen und Verkehrswesen, Jürg Sparmann, könne man mit verläßlichen Daten aufwarten. Dann lägen die Zahlen von einem Dreivierteljahr vor, die man mit früheren Zahlen, erhoben während der langen Zeit des Mautdesasters, seriös vergleichen könne.

Test lohnender Umwege

Daß es in einem gewissen Umfang zu einer Mautflucht gekommen ist, will Sparmann nicht ausschließen. Im Gegenteil: Er geht davon aus, daß einige Spediteure und Lastwagenfahrer austesteten, ob ein Umweg und welcher sich lohne. Sparmann nennt das „Einschwingzeit“.

Auch Spediteurs-Chef Herzig meint, daß einige Lastwagen wider die ökonomische Vernunft auf Bundes- oder Landesstraßen abfahren würden. Er hat vor allem osteuropäische Spediteure im Verdacht, deren Fahrer mit „uralten Kutschen“ unterwegs sind und mit Dumpinglöhnen abgespeist werden. Solche Billigunternehmen bekämen oft jene Aufträge, die nicht „just in time“ abgewickelt werden müßten.

Nichts Genaues weiß man nicht

Dies alles sind indes Spekulationen - oder in der Volkssprache ausgedrückt: Nichts Genaues weiß man nicht. Deshalb lehnt die hessische Landesregierung es auch ab, auf der Stelle Maßnahmen zu ergreifen. Man will das Ergebnis der Zählung im Herbst abwarten und dann sehen, was das Bundesverkehrsministerium gegen die Mautflucht unternehmen will, so es sie denn in größerem Ausmaße gibt.

Was könnte man tun? Im äußersten Notfall kann der Bund auch besonders belastete Bundesstraßen zu Mautstraßen erklären. Rechtlich wäre dies schon derzeit möglich, doch fehlen die technischen Einrichtungen, um auch auf Nebenstrecken die Maut zu berechnen. Erst Anfang 2006 wird laut Vertrag mit „Toll Collect“ eine Software für die On-Board-Units in den Lastwagen zur Verfügung stehen, die mautpflichtige Bundesstraßen erfassen können.

Ärger über Berlin

Doch auch jetzt schon stehen Städten und Kreisen Möglichkeiten zur Verfügung, Mautflüchtlingen die Fahrten auf Nebenstraßen schwerzumachen. Man kann Strecken für den Schwerlast- und Transitverkehr sperren, wie dies in Rheinland-Pfalz auf der B9 zwischen Mainz und Worms geschehen ist. Oder es wird ein Nachtfahrverbot für Lastwagen verhängt. Auch Geschwindigkeitsbeschränkungen können eine Strecke für Lastwagen unattraktiv machen.

All diese Maßnahmen, an die betroffene Bürgermeister jetzt denken, hätte das Bundesverkehrsministerium längst in einem Maßnahmenkatalog zusammenfassen können, ärgert sich Bürgermeister Herrmann über die Verantwortlichen in Berlin. Schließlich gelte das Verursacherprinzip: Wer bestellt, bezahlt. Es sei aber der Bund gewesen, der die Maut auf Autobahnen „bestellt“ habe, jetzt müsse er auch dafür sorgen, daß ungewollte Auswüchse beseitigt würden.

Freilich sind nicht alle begeistert, wenn die Brummis wieder verdrängt werden. Der Betreiber einer Tankstelle in Bickenbach an der A3 hat wegen einer neuen Ortsumgehung viele Lastwagenkunden verloren. Er würden gerne ein paar Mautflüchtlingen Asyl geben.

Weitere Themen

Messe wegen Coronavirus verschoben

Light and Building : Messe wegen Coronavirus verschoben

Das Coronavirus hat bereits wirtschaftliche Folgen für Deutschland: Frankfurt hat nun eine der wichtigsten und größten Messen abgesagt – die „Light and Building“.

Topmeldungen

Coronakrise : Kein „Tschernobyl-Moment“

Chinas Führung kämpft gegen unliebsame Informationen über das Coronavirus. Jetzt hat Staatschef Xi gesprochen. Das zeigt, dass die Lage ernst ist. Problem: Wenn Xi im Spiel ist, muss alles besser werden – zumindest offiziell.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.