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Verkehr : „50.000 Lastwagenfahrten jedes Jahr vermeidbar“

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Längst nicht ausgereizt: Güterverkehr auf der Schiene Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Eine Million Tonnen Güter könnten allein im Rhein-Main-Gebiet relativ leicht von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Das belegt eine Studie der Wiesbadener Unternehmensberatung Transcare AG.

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          Eine Million Tonnen Güter könnten allein im Rhein-Main-Gebiet relativ leicht von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Das belegt eine Studie der Wiesbadener Unternehmensberatung Transcare AG. „Somit könnten rund 50.000 Lastwagenfahrten pro Jahr vermieden werden“, hat Hessens Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU), dessen Ministerium zusammen mit dem Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main und der Gesellschaft für Schienenlogistik Log-O-Rail die Untersuchung in Auftrag gegeben hat, daraus gefolgert.

          Die Betonung liegt auf „könnten“. In der Tat könnten mehr Güter mit der Bahn transportiert werden, ja, müßten sogar, soll die Vision der Landesregierung von einem staufreien Hessen im Jahr 2015 Wirklichkeit werden. Denn es sind vor allem die Lastwagen, die die Autobahnen verstopfen - ganz abgesehen von den hohen Gewichtsbelastungen, denen die Fahrbahnen durch die tonnenschweren Brummis ausgesetzt sind, und die zu einem erheblichen Verschleiß führen.

          Darüber hinaus trägt der dichte Lastwagenverkehr gerade rund um Frankfurt erheblich dazu bei, daß die Feinstaubwerte hoch, an manchen Straßen zu hoch liegen. „Gerade im dichtbewohnten Ballungsraum wäre die Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene eine willkommene Verminderung der Feinstaubbelastung“, sagt Jens Scheller, der Erste Beigeordnete des Planungsverbandes, zu den in der Studie postulierten Aussichten.

          Unternehmen zum Teil interessiert

          Laut Studie haben 56 von 180 befragten Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet ein Interesse daran, ihre Güter erstmals oder zusätzlich auf der Schiene befördern zu lassen. Die Mehrzahl dieser Firmen könnte ihren Warenverkehr ausschließlich über die Eisenbahn abwickeln, bei 17 böte sich eine Kombination von Straße und Schiene an, weil am Herkunftsort oder am Zielort keine Gleisanschlüsse vorhanden sind. Doch auch hier taucht das „könnte“ auf.

          Die Realität sieht indes so aus, daß der seit 30 Jahren anhaltende Trend der Verlagerung des Frachtaufkommens auf die Straße ungebrochen ist. Der Anteil der Schiene hat sich in diesen drei Jahrzehnten halbiert, europaweit betrug 2005 der Frachtanteil der Bahn nur noch etwa 14 Prozent. Mit der Maut auf Deutschlands Autobahnen hat der Schienenverkehr allerdings wieder eine Chance bekommen.

          Einigermaßen ordentlich funktioniert der Containerverkehr der Bahn und der Transport von Kohle, Stahl oder Baustoffen in ganzen Zügen. Das Sorgenkind des Bahnverkehrs bleibt der Einzelwaggon, mit dem Güter möglichst nahe an den Empfänger herangefahren werden. Hier ist die Konkurrenz der Straße am schärfsten, denn solche Transporte lassen sich häufig mit dem Lastwagen schneller und billiger erledigen. Für die letzten Kilometer bis zum Ziel müssen die Transporteure ohnehin meistens einen Lkw einsetzen, weil die Empfänger keinen Bahnanschluß besitzen.

          Geringe Investitionen ins Schienennetz

          Im Rhein-Main-Gebiet sind in den letzten Jahren viele Unternehmen geradezu gezwungen gewesen, ihre Logistik auf Lastwagen umzustellen. Denn die DB Cargo AG, wie das Güterunternehmen der Bahn damals noch hieß, hat eine Schrumpfungsstrategie verfolgt, mehrere Güterverkehrsstellen wurden aufgegeben. Wie überall in Deutschland sind auch im Rhein-Main-Gebiet die Gleise zum Teil ramponiert und die Rangierbahnhöfe überaltert.

          Laut einer Untersuchung der „Allianz pro Schiene“ sind die Investitionen in die deutsche Bahninfrastruktur im europäischen Vergleich zu gering. Während die Schweiz 272 Euro pro Einwohner in die Schienenwege investiere oder Italien 112 Euro, komme Deutschland gerade einmal auf 39 Euro und liege damit noch hinter Slowenien mit 41 Euro. „Die Qualität im Netz wird immer schlechter. Das kostet Geld“, klagte vor einiger Zeit der Chef einer Kölner Bahngesellschaft.

          Hessen fördert Schienen-Güterverkehr

          Laut der erwähnten Studie sind in der Region 33 Unternehmen mit einer Kapazität von insgesamt einer Million Tonnen an Gütern besonders prädestiniert, ihre Transporte auf die Schiene zu bringen. Sie sind entweder schon an die Schiene angebunden, oder der Aufwand dafür wäre gering. Gegebenenfalls können sie Unterstützung aus Wiesbaden erwarten. Denn Hessen fördert im Unterschied zu den meisten anderen Bundesländern Infrastrukturprojekte im Schienen-Güterverkehr. Mehr als eine halbe Million Euro stellt die Landesregierung in diesem Jahr dafür bereit. So wird derzeit mit 150.000 Euro Landesmitteln eine Eisenbahnbrücke auf der Strecke zu einer Sektkellerei in Wiesbaden saniert.

          Als ein großes Hemmnis für die Entwicklung des Güterverkehrs auf der Schiene erweisen sich nach Aussagen der Studie Informationsdefizite bei Firmen. Diese wüßten oft nicht, daß es neben „Railion AG“, der Transportgesellschaft der Deutschen Bahn, mittlerweile auch private Eisenbahnverkehrsunternehmen gebe, die an Gütertransporten interessiert seien.

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