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Verdi kritisiert : Streit um XL-Märkte von Schlecker

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Im Schlecker XL-Markt sei der Stundenlohn mit etwa 6,50 Euro nur noch XS, kritisiert Verdi. Bild: ddp

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi umgeht die Drogeriekette Schlecker mit einer Tochtergesellschaft die Tarifbindung. In Groß-Bieberau bei Darmstadt eröffnete in der vergangenen Woche ein XL-Markt der Drogeriekette, nachdem zuvor die kleinere Schlecker-Filiale geschlossen worden war.

          Die Drogeriekette Schlecker umgeht nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mit einer Tochtergesellschaft die Tarifbindung. In Groß-Bieberau bei Darmstadt eröffnete in der vergangenen Woche ein XL-Markt der Drogeriekette, nachdem zuvor die kleinere Schlecker-Filiale geschlossen worden war, wie Bernhard Schiederig, Fachbereichsleiter Handel bei Verdi Hessen, berichtete. Die vier Mitarbeiter seien nicht übernommen worden. Während die Verkäuferinnen in den kleinen Schlecker-Filialen einen tariflich garantierten Stundenlohn von 12,93 Euro erhielten, sei die neugegründete Gesellschaft nicht an den Tarifvertrag gebunden. In der neuen Filiale würden nur noch 6,50 Euro die Stunde gezahlt.

          Bei Schlecker hieß es hingegen, das Unternehmen zahle in den XL-Märkten Stundenlöhne zwischen 6,78 Euro und 13 Euro. Während bei Verdi die Vermutung geäußert wurde, den höheren Betrag erhielten nur Abteilungsleiter, erläuterte ein Schlecker-Sprecher, die Spannweite beziehe sich auf das gesamte Personal. Weiter hieß es bei Verdi, Mitarbeiter müssten in den XL-Filialen eine Verkürzung der Urlaubstage von 36 auf 24 im Jahr hinnehmen. „Zudem hat man Ruhe vor Betriebsräten.“ Verdi fordert, die Angestellten in den XL-Filialen zu den gleichen Konditionen zu beschäftigen wie in den anderen Ladenlokalen.

          Kündigungsschutzklage eingereicht

          Die weitere Befürchtung der Gewerkschaft, die Einführung der neuen Märkte kaschiere einen Stellenabbau, dementierte der Sprecher von Schlecker. Die großen Märkte sollten die kleinen Filialen nicht ersetzen, sondern ergänzen. „Wenn man Stellenabbau und Neueinstellungen gegenrechnen würde, käme man noch auf einen positiven Arbeitsplatzsaldo“, sagte der Sprecher, der die Vorwürfe der Gewerkschaft als teilweise „frei erfunden“ bezeichnete.

          Erika Preuß, als Gewerkschaftssekretärin bei Verdi zuständig für den Handel in Nordhessen, berichtete, in Kassel werde eine herkömmliche Filiale im Oktober geschlossen und eine Woche später nebenan ein XL-Markt eröffnet. Beide Mitarbeiterinnen, jeweils acht und zehn Jahre im Betrieb, hätten bereits ihre Kündigung erhalten. Der Sprecher der Drogeriekette wiederum bezeichnete dies als Einzelfall. Verdi hat in dieser Angelegenheit Kündigungsschutzklage eingereicht.

          Mehr Verkaufsfläche

          Wie es um die Märkte in Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach bestellt ist, steht nach den Worten von Schiederig noch nicht fest. Im Rhein-Main-Gebiet unterhält Schlecker mehr als 200 Filialen. Für Frankfurt sei ein XL-Markt in Planung, so Schiederig. Die Gewerkschaft beklagt die schlechte Informationspolitik der Drogeriekette. „Selbst die Betriebsräte erfahren von den Plänen meist aus der Zeitung“, so Gewerkschaftssekretärin Preuß.

          Die Gewerkschaftler schätzen, dass bundesweit 10.000 Arbeitnehmer und 3.000 Filialen von den Strukturveränderungen bei Schlecker betroffen sein könnten. Bundesweit sollen bis Ende 2010 1.000 XL-Märkte eingerichtet werden. Sie verfügen mit bis zu 1.000 Quadratmetern über deutlich mehr Verkaufsfläche. Zudem ist das Warenangebot größer, es umfasst 12.000 Artikel.

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