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Verbrechen : Handabdruck führt auf die Spur des Mörders

  • -Aktualisiert am

Sein Handflächenabdruck identifizierte nach 22 Jahren den Mörder einer Frau aus Wiesbaden Bild: ddp

Nach 22 Jahren hat die Polizei den Mord an einer Wiesbadenerin aufgeklärt. Moderne Kriminaltechnik machte die Ergreifung des Täters möglich.

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          22 Jahre nach der Ermordung der Wiesbadener Rentnerin Trude Pagenstecher können die Ermittlungsbehörden jetzt offenbar den Täter überführen. Wie das Hessische Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Wiesbaden mitteilen, konnte ein seinerzeit in der Wohnung der 67 Jahre alten Frau gesicherter „tatrelevanter“ Handflächenabdruck nachträglich einem Mann aus Breinum, einem Ortsteil von Bad Salzdetfurth in Niedersachsen, zugeordnet werden.

          Noch kein umfassendes Geständnis

          Dem Vernehmen nach handelt es sich um einen 50 Jahre alten Bau- und Möbelschreiner, der zuletzt in Bad Hersfeld gewohnt hat und derzeit in Fulda eine achtmonatige Haftstrafe wegen Betrugs verbüßt. In dem Zusammenhang war er im Februar „erkennungsdienstlich behandelt“ worden. Das Amtsgericht Wiesbaden hat gestern gegen ihn Haftbefehl erlassen; er lautet auf Mord beziehungsweise Raub mit Todesfolge.

          Wie der Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft, Hartmut Ferse, auf Anfrage sagte, hat er die Tat vor dem Haftrichter gestanden. Von einem „umfassenden Geständnis“ kann aber offenbar noch keine Rede sein. Laut LKA-Sprecher Udo Bühler ist beispielsweise nach wie vor unklar, was der Täter der Wiesbadenerin geraubt habe. Niemand aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis der alleinstehenden Frau habe im Ermittlungsverfahren Angaben dazu machen können, was sie an Schmuck oder Bargeld besessen habe.

          Trude Pagenstecher lebte in einem Bungalow im Wiesbadener Nerotal. Den Ermittlungen zufolge hatte sie sich in der Nacht vom 27. auf den 28. November 1986 vermutlich bereits schlafen gelegt, als ein Unbekannter in ihr Haus eindrang, um sie zu berauben. Der Täter hat die nur mit einem Nachthemd bekleidete Frau geknebelt und an einen Stuhl gefesselt. Als Todesursache wurde seinerzeit festgestellt, dass die Rentnerin an dem Knebel erstickt sein muss. Laut Staatsanwalt Ferse wurden bei der Obduktion der Leiche auch massive Gewalteinwirkungen festgestellt; der Täter müsse sein Opfer auch geschlagen und getreten haben.

          Automatisierter Handflächenvergleich wurde Täter zum Verhängnis

          Der Beschuldigte verbüßt derzeit in der Haftanstalt Fulda eine Haftstrafe von acht Monaten wegen „Einmietebetrügereien“. Wie der Leiter der dortigen Staatsanwaltschaft, Klaus Honeker, sagte, weist sein Vorstrafenregister eine „Riesenlatte“ von Vorstrafen aus. Und auch wenn es dabei ausschließlich um Betrugsdelikte und Kleinkriminalität gehe, sei eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung wohl nicht mehr in Frage gekommen.

          Des Mordes an Trude Pagenstecher konnte der Mann laut Bühler nach so langer Zeit nur überführt werden, weil im Automatisierten Fingerabdruckidentifizierungssystem (AFIS) seit 2003 auch Handflächenspuren gespeichert werden. Nachdem der Beschuldigte im Februar wegen eines neuerlichen Betrugsdelikts erkennungsdienstlich behandelt worden sei, habe man ihm deshalb die seinerzeit gesicherte Tatortspur zuordnen können.

          AFIS wurde in Deutschland im Jahr 1993 für die Sicherung von Fingerabdrücken in Betrieb genommen; mit dem System ist auch ein automatisierter Handflächenvergleich möglich. Mit Hilfe des AFIS-Systems haben die Fachleute beim LKA im vorigen Jahr insgesamt 7728 Fingerspuren und 1288 Handflächenspuren auf Übereinstimmungen hin untersucht. 323 Personen konnten auf diese Weise identifiziert werden.

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