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Verbot in Hessen : Die kurze Blütezeit der Plastikvisiere

Wandel: Plastikvisiere sind nur noch zusammen mit einer Maske gerne gesehen. Unser Foto entstand im April, da war die Lage noch anders Bild: Diana Cabrera Rojas

Obwohl sie schon länger im Abseits sind, hat das Land Hessen nun die transparenten Alternativen zum Mund-Nasen-Schutz verboten. Damit fällt ein wichtiges Geschäftsfeld für Vertreter der Sicherheits- und Verpackungsbranche weg.

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          Sie galten im Frühjahr als Alternative zum üblichen Mund-Nasen-Schutz: Scheiben aus Plastik, die, an einem Kopfband befestigt, vor dem Gesicht schweben, um so ansteckende Tröpfchen beim Niesen und Husten abzufangen. Vor allem in Handel und Gastronomie erhoffte man sich dadurch Erleichterung für die Beschäftigten, lässt es sich unter dem Visier doch freier atmen. Zudem bleibt das Gesicht komplett sichtbar – ein nicht ganz unwichtiger Aspekt im Kundenkontakt.

          Petra Kirchhoff
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Reihenweise statteten Unternehmen ihre Mitarbeiter mit diesen Visieren aus. Gleichzeitig entstand für Vertreter der Sicherheits- und Verpackungsbranche ein neues Geschäftsfeld. In Hessen stellten etwa die Unternehmen Seufert, Arno Arnold, Kegelmann Technik und die Norma Group im Frühjahr ihre Produktion auf Visiere um.

          Doch damit dürfte jetzt Schluss sein. Das Land Hessen, das die Genehmigung erst auf Druck der Wirtschaft – und später als andere Landesregierungen – erteilt hatte, hat den Visieren jetzt die Erlaubnis wieder entzogen und sie für nicht zulässige Mund-Nasen-Abdeckungen erklärt. Geeignet, um die Ausbreitung von Tröpfchen und Aerosolen beim Husten, Niesen und Sprechen zu verhindern, seien nur Bedeckungen, die eng am Gesicht anlägen, heißt es in der Verordnung des Landes.

          Beim Endverbraucher ohnehin nie angekommen

          In den meisten anderen Bundesländern sind Visiere in der Öffentlichkeit schon länger nicht mehr erlaubt. Damit reagiert die Politik auf Warnungen aus der Wissenschaft. Virologen messen Aerosolen inzwischen mehr Bedeutung bei der Ansteckung mit dem Coronavirus zu, als das in der ersten Zeit der Fall war. Das Robert-Koch-Institut war von Anfang an skeptisch und verweist nun im Internet auf aktuelle Studien. Danach ist „die Rückhaltewirkung von Visieren auf ausgestoßene respiratorische Flüssigkeitspartikel deutlich schlechter“ als die übliche Mund-Nasen-Bedeckung.

          Die Entscheidung erwischt niemanden kalt. Die Visiere sind schon länger im Abseits. Bei den Endverbrauchern sind sie ohnehin nie angekommen. Auf der Frankfurter Zeil und in der U-Bahn waren Visierträger die Ausnahme. Die meisten Verbraucher hatten sich schnell an Stoff- und OP-Masken gewöhnt. Im Vergleich zu den Visieren haben diese Masken den Vorteil, dass sie zusammengefaltet und die Tasche gesteckt werden können. Mit Plastikvisieren geht das nicht.

          Thomas Pfaff bedauert die Entscheidung. Der Geschäftsführer des Unternehmens Seufert, das Klarsichtverpackungen herstellt, hatte die Visierproduktion schon im Sommer eingestellt. Vier Millionen seiner sogenannten Face-Shields waren bei ihm bis dahin vom Band gelaufen. „Wir sind froh, dass wir das gemacht haben“, sagt er. Als Kunststoffspezialist sei er weiterhin von den Vorteilen überzeugt.

          Das ist auch Simone Weinmann-Mang, Geschäftsführerin von Arno Arnold, einem Hersteller von Schutzabdeckungen im Werkzeugbau, der sich in der Corona-Zeit auf hochwertige Schutzschilder für Krankenhäuser und Arztpraxen spezialisierte und diese auch an Endkunden verkaufte. Die Unternehmerin führt wie ihr Kollege Pfaff ins Feld, dass Stoffmasken oft nur sehr dünn seien oder falsch unter der Nase getragen würden. So will denn Pfaff auch nicht nachlassen beim Kunststoff-Experimentieren: „Wir arbeiten weiter an neuen Alternativen“, sagt er.

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