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Venustransit : Schaumgeborene am Himmel

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„Nur so ein kleiner schwarzer Punkt” Bild: AP

Die beiden 13 Jahre alten Jungen sind Zeugen eines seltenen Schauspiels: 122Jahre ist es her, daß Menschen das letzte Mal beobachten konnten, wie sich die Venus vor die Sonne schiebt. Um diese besondere Planetenkonstellation beobachten zu können, haben sich die beiden mit der 7.

          Die beiden 13Jahre alten Jungen sind Zeugen eines seltenen Schauspiels: 122Jahre ist es her, daß Menschen das letzte Mal beobachten konnten, wie sich die Venus vor die Sonne schiebt. Um diese besondere Planetenkonstellation beobachten zu können, haben sich die beiden mit der 7. Klasse der Gesamtschule am Gluckenstein in Bad Homburg am Dienstag schon früh auf den Weg zur Volkssternwarte an der Frankfurter Universität gemacht. Von 7.19Uhr an können sie von dort am Himmel über Frankfurt beobachten, wie die Venus vor die Sonnenscheibe tritt.

          Sechs Stunden dauert der Durchgang. Daß die Venus auch durch das Teleskop nur als kleiner schwarzer Punkt auf der grauen Scheibe der Sonne zu sehen ist, enttäuschte die Schüler nicht. "Etwas größer habe ich mir die Venus schon vorgestellt, aber interessant war es trotzdem", meint einer der Dreizehnjährigen. Sein Freund sieht die Sache eher praktisch: "2012 findet wieder ein Transit statt, aber ich will mir ja kein Ticket kaufen, um nach Asien zu fliegen, damit ich das verfolgen kann."

          Vor dem Hauptgebäude der Goethe-Universität hat der Physikalische Verein Frankfurt vier Teleskope aufgestellt, vor denen sich Interessierte versammeln. Viele sind Studenten, die die Zeit zwischen zwei Vorlesungen nutzen, um einen Blick auf den winzigen Punkt in der Sonne zu werfen. Aber auch eine Frau, deren grün-weiß gestreifter Kittel sie als Angestellte der Verpflegungsbetriebe der Universität ausweist, wartet, um durch eines der Teleskope zu sehen.

          Die Gruppe Physikstudenten aus dem ersten Semester ist nicht nur für einen schnellen Blick auf die Sonne gekommen. Fachsimpelnd beobachten sie die Projektion des Transits auf einem weißen Blatt, das unterhalb des Fernrohrs angebracht ist. In einer Veranstaltung des Fachbereichs Physik haben sie die Bahn der Venus um die Sonne am Computer genau berechnet. "Nein, neue Erkenntnisse für unsere Berechnungen können wir durch die Beobachtung jetzt nicht gewinnen", meint eine junge Physikstudentin , "aber es ist schön zu sehen, wie das, was wir theoretisch durchgenommen haben, in der Wirklichkeit abläuft."

          Unterdessen herrscht auf der Plattform der Volkssternwarte reger Betrieb. Wer durch das Spezialfernrohr auch Eruptionen auf der Sonnenoberfläche sehen will, muß lange auf der Treppe, die in die Kuppel des Turms führt, anstehen. Aber das Warten lohnt sich: Alle, die durch das Teleskop mit dem speziellen Filter geschaut haben, sind hinterher begeistert. "Es war beeindruckend", sagt eine Mitarbeiterin der Universität.

          Wer Fragen hat, kann sich an Alois Juli wenden, der ehrenamtlich für die Sternwarte arbeitet. Der Hobby-Astronom hat sich für das Ereignis extra freigenommen und schwärmt davon, wie schön die Venus vor der Sonne zu sehen ist. "Toll, daß das Wetter diesmal mitgespielt hat."(jugi.)

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