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Usingen : Lieber Tennis als einen Kuss von Justin Bieber

  • -Aktualisiert am

Schlagkräftig: Mara Guth hat schon mehrere Meisterschaften gewonnen und spielt in der Tennisnationalmannschaft. Bild: Cornelia Sick

Die 13 Jahre alte Mara Guth gilt als großes Talent. Sie träumt von einer Karriere wie Angelique Kerber. Doch der Weg ist weit – und für eine normale Familie sehr teuer.

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          Mara mag es, mit Abby im Wohnzimmer herumzutollen, doch dafür hat sie nur höchst selten Zeit. Auch an diesem Nachmittag wäre sie normalerweise beim Training, und Abby, der junge Bearded Collie, müsste sich mit der jüngeren Schwester vergnügen. Doch ein Bänderriss nötigt Mara zu einer Auszeit. Bald aber soll er verheilt sein, und dann wird für das Mädchen wieder der eng getaktete Tagesplan gelten: Schule, Essen, Training, Physiotherapie, Turniere an den Wochenenden, in den Ferien und manchmal auch während der Schulzeit. Hausaufgaben muss sie unter der Woche machen, manchmal holt sie den Unterrichtsstoff im Flugzeug nach oder arbeitet vor.

          Wenn Freundinnen fragen, ob sie spontan Zeit habe, muss sie abwinken und kennt die genervten Reaktionen schon: „Ach ja, du hast ja immer Training.“ Die Freundinnen findet so viel Sport uncool, sie aber nicht. Ihre Ziele sind einfach andere. Im Dezember in Miami im Orange Bowl beim bedeutendsten Jugendturnier der Welt mitzuspielen beispielsweise, wie bereits im vergangenen Jahr. Deutsche Meisterin war sie, Deutsche Vizemeisterin in diesem Sommer trotz Verletzung, mehrfache Hessenmeisterin, auch bei den deutlich Älteren. Sie ist in die deutsche Nationalmannschaft – eine Art Fed-Cup-Team der Jugend – berufen worden, und als sie das erste Mal in deren Trainingsanzug schlüpfte, hat ihr das mehr bedeutet als Gleichaltrigen ein Kuss von Justin Bieber.

          Nach dem Training warten die Hausaufgaben

          In ihrem Zimmer hängen keine Popstar-Poster. Der Pokalschrank ist übervoll, Wimpel der Länderspieleinsätze mit Unterschriften zieren die Wand. Beim Toben mit Abby ist sie die ganz normale Jugendliche: Haare superlang, Jeans hauteng, Schminkutensilien erobern das Bad. „Neuerdings ist das so“, sagt der Vater, Michael Guth.

          Mara besucht die siebte Klasse der Christian-Wirth-Schule in Usingen, acht Wochen war sie im vergangenen Schuljahr vom Unterricht des Gymnasiums beurlaubt. Manche Mitschüler seien da schon neidisch, sagt sie. Dass sie in dieser Zeit Spitzenleistung bringt und von Städten wie Miami nichts sieht als Flughafen, Hotel und Tennisplätze, muss sie immer wieder in Erinnerung bringen. „Schulleitung und Lehrer haben viel Verständnis“, sagt der Vater dankbar.

          Er arbeitet als Amtsleiter im Usinger Rathaus, das neben der Schule liegt. Deshalb isst Mara manchmal schnell etwas mit ihm, bevor ihre Mutter um halb drei von der Arbeit kommt und sie ins Offenbacher Landesleistungszentrum zum Training fährt. Wenn sie gegen 21 Uhr erschöpft heimkommt, warten die Hausaufgaben.

          Die Verbandstrainer haben nach ihren Worten noch kein so junges Mädchen erlebt, das so in sich ruht wie Mara. Sie gebe auf dem Tennisplatz keinen Millimeter nach, setze schnell in die Tat um, was die Trainer verlangten, wolle immer gewinnen und Gegnerinnen dominieren. Auch wenn sie nicht so große Lust habe, müde sei und schon jeder Muskel schmerze. Der Weg nach Offenbach passt nicht immer in den Zeitplan der berufstätigen Eltern, aber es gibt „zum großen Glück“ noch den Usinger Heimtrainer, den früheren Weltranglistenspieler Carlos Tarantino. Er hat Maras Talent früh erkannt und fördert sie noch immer.

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