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Unternehmen : Hochtechnologie für Reifen aus Hanau

Profil eines Standortes: Dunlop wird in Hanau in die Reifenproduktion investieren Bild: ddp

Hohe Millioneninvestitionen sind am Dunlop-Standort in Hanau geplant. 43 Millionen Euro will das Unternehmen ausgeben und eine vierte automatische Fertigungsstraße bauen.

          Eine Nachricht wird den im Urlaub weilenden Kämmerer der Stadt Hanau vor einigen Tagen vielleicht erreicht und dann sehr gefreut haben: In ihr Hanauer Reifenwerk wird die Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH in den nächsten Jahren 43 Millionen Euro investieren, wie das Unternehmen meldete. Nicht dass der Bestand des Standorts des Reifenherstellers in irgendeiner Form bedroht gewesen wäre. Schließlich hat das Unternehmen schon zwischen 2003 und 2007 rund 77 Millionen Euro in den Ausbau sowie die Modernisierung der Produktionstechnologie in Hanau investiert.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Die so bekundete Standorttreue eines weltweit agierenden Konzerns dürfte aber durchaus als Wohltat empfunden werden. Auch weisen die hohen Investitionen darauf hin, dass der seit 1998 bestehende Standortsicherungspakt mit den sieben deutschen Niederlassungen des Unternehmens in Hanau über das vereinbarte Jahr 2011 aller Voraussicht nach Bestand haben wird. Die Hanauer Investitionen sind Teil eines Gesamtinvestitionsplans, der Finanzspritzen von rund 200 Millionen Euro in den Ausbau sämtlicher Produktionskapazitäten von Goodyear Dunlop in Deutschland vorsieht.

          80 Kilometer trotz Reifenpanne

          „Wir hier in Hanau tun alles, damit der Sicherungspakt für Hanau verlängert wird“, äußerte Werksleiter Thomas Zinn beim Rundgang durch die weitläufigen Produktionsanlagen, die sich in der Nähe des Hauptbahnhofs am südlichen Rand der Kernstadt über eine Fläche von mehr als 420.000 Quadratmetern erstrecken. Beschäftigt sind hier rund 2.200 Menschen, mehr als die Hälfte davon als gewerbliche Mitarbeiter, die anderen sind Angestellte, fünf Prozent befinden sich in der Ausbildung.

          Mehr als 7,4 Millionen Reifen wurden im vergangenen Jahr bei Dunlop Hanau produziert, in rund 560 verschiedenen Ausführungen allein für Personenwagen.

          Ein Kernstück der Produktionsanlagen ist die von Dunlop aufgebaute Technologie des „Flexible Manufacturing Systems“, eine computer- und robotergesteuerte Fertigungsstraße zur Herstellung des von Dunlop entwickelten „RunOnFlat-Reifens“. Mit „RunOnFlat“ beschreitet Goodyear Dunlop neue Technologien in der Fahrzeugsicherheit. Es handelt sich um einen selbsttragenden Reifen, der dank eines besonderen Stützelements in der Seitenwand, seiner Konstruktionsweise und seines Materials aus einer hoch belastbaren Kautschukmischung im Notfall auch ohne Luft in Form bleibt und bei einem Abfall des Luftdrucks dafür sorgt, dass die Felge den Reifen nicht beschädigt. Auch ein Abspringen des Reifens von der Felge wird ausgeschlossen. Bis zu 80 Kilometer weit kann ein Autofahrer bei einer Reifenpanne die Fahrt bedenkenlos fortsetzen.

          Mehrere Hersteller ziehen den Sicherheitsreifen bereits bei vielen ihrer Neuwagen auf. Auch nachträglich kann er verwendet werden, weil er nach den Worten von Rainer Landwehr, seit April dieses Jahres Vorsitzender der Geschäftsführung der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH, mit Standardfelgen benutzt werden kann. Dies ist nach Landwehrs Worten ein absolutes Novum bei Sicherheitsreifen.

          Drei Produktionsstraßen für die Run-OnFlat-Reifen gibt es schon in Hanau, die erste wurde 2004 in Betrieb genommen. Derzeit wird eine Halle darauf vorbereitet, eine weitere aufzunehmen. Alles in allem wird ihr Aufbau rund 17 Millionen Euro kosten, weiteres Geld soll in den Brandschutz, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie den Ausbau des Umweltschutzes fließen.

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