https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/uniklinikum-giessen-und-marburg-land-zahlt-nicht-doppelt-18212501.html

Streit mit Rhön AG : Ministerin Dorn: Land zahlt für Uniklinikum nicht doppelt

Außenansicht des Uniklinikums Gießen Bild: dpa

Das privatisierte Uniklinikum Gießen und Marburg braucht dringend Geld. Die Gesellschafter sind sich in grundsätzlichen Fragen uneins. Streiks kommen hinzu.

          2 Min.

          Während die Gespräche des Landes mit dem Mehrheitseigner Rhön-Klinikum AG über staatliche Finanzhilfen für das privatisierte Uniklinikum Gießen und Marburg stocken, muss sich die drittgrößte Einrichtung ihrer Art in Deutschland nicht nur auf weitere Warnstreiks von Dienstag an einstellen. Mit dem Ausstand fordern nicht ärztliche Beschäftigte im laufenden Tarifstreit abermals sichere Arbeitsbedingungen und treten einem möglichen Personalabbau entgegen. Hinzu kommen Vorwürfe der Kassenärztlichen Vereinigung gegen die Long-Covid-Ambulanzen des kurz UKGM genannten Klinikums. Die Vertretung der niedergelassenen Ärzte sieht demnach auch und gerade finanzielle Interessen hinter dem Engagement der Forscher in Mittelhessen an Patienten nach einer Corona-Infektion.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Derweil scheinen sich Land und Mehrheitseigner nicht nur in der Frage uneins zu sein, ob das Land Hessen eine Investitionspflicht gegenüber dem UKGM habe. Die Rhön AG bejaht dies und verweist auf die übliche Krankenhausfinanzierung – das Land sieht das anders. Darüber hinaus geht es nach Informationen der F.A.Z. um die Frage, wie die in Aussicht gestellten Landesfördermittel in Höhe von insgesamt 490 Millionen Euro im Falle eines Verkaufs zu bewerten wären. Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Die Grünen) sagte dazu: „Ich nehme in meinen Gesprächen am Uniklinikum wahr, dass einigen außerhalb des Verhandlungskreises der letzte offene Punkt bekannt ist.“ Und: „Gesetzt den Fall, dies wäre der letzte offene Punkt: Was wir nicht akzeptieren können, ist, dass Investitionsmittel des Landes in einem solchen Fall den Verkaufspreis erhöhen, den Verkauf gar attraktiver machen oder wir als Land doppelt zahlen.“ Das sei eine Selbstverständlichkeit. Das Haushaltsrecht setze dem Ministerium hier klare Grenzen.

          „Dieser Vorwurf entbehrt jedweder Grundlage“

          Wie aus einer vertraulichen Unterlage hervorgeht, die der F.A.Z. vorliegt, hat das Uniklinikum an beiden Standorten seit 2017 mehr als 123 Millionen Euro an Eigenmitteln investiert. Die Übereinkunft mit dem Land sah mehr als 100 Millionen Euro vor. Unklar ist, ob in den 123 Millionen Euro außer vom UKGM erwirtschafteten Geldern und von der Rhön AG dem Klinikum gewährten Krediten Eigenmittel des Konzerns stecken.

          Unterdessen weist das Klinikum den Vorwurf der Kassenärztlichen Vereinigung zurück, an ihren beiden Standorten Patienten mit lang anhaltenden Beschwerden nach einer Covid-19-Infektion nur aus finanziellen Gründen zu behandeln. „Dieser Vorwurf entbehrt jedweder Grundlage“, sagt Bernhard Schieffer, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Marburg.

          Die Post-Covid-Ambulanzen seien an den sogenannten koordinierenden Krankenhäusern der Corona-Versorgungsgebiete in Hessen entstanden. Denn an diesen Kliniken seien seit Beginn der Pandemie die meisten Patienten mit Covid-19 versorgt worden. Das medizinische Personal an den Unikliniken habe dieses komplexe Erkrankungsbild erstmals gesehen und erforsche es. Forschung und Entwicklung von erfolgreichen Behandlungsmethoden und Medikamenten seien originäre Aufgabe der Universitätsmedizin. Das UKGM veröffentliche Studienergebnisse, um bald etwas gegen Post-Covid in der Hand zu haben.

          Weitere Themen

          Mensch und Gans im selben Becken

          Heute in Rhein-Main : Mensch und Gans im selben Becken

          Im Fall Ayleen A. kommen mehr Details ans Tageslicht. Die Nilgänse übernehmen die Stadt. Und das Landesarbeitsgericht hat eine Klage in Sachen Impfflicht abgewiesen. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Meteoritenschauer : „Ich hab’ es Feuer regnen sehen“

          Was John Denver 1973 in seinem Lied „Rocky Mountain High“ besungen hat, ist der Höhepunkt des Meteoritenschauers der Perseiden. Jedes Jahr im August kann man nachts bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde sehen.
          Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki am 31. Mai 2022

          Betroffene im Erzbistum Köln : Von Woelki überrumpelt

          Das Erzbistum Köln bestreitet, dass Kardinal Woelki den Betroffenenbeirat für seine Zwecke instrumentalisiert hat. Recherchen der F.A.Z. stützen diese Darstellung jedoch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.