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Ungewöhnlich preiswertes Anwesen : Vorwürfe gegen Hanaus Rathauschef nach Hauskauf

Der Kauf von einem von drei Offiziershäusern in Hanau-Wolfgang durch Oberbürgermeister Kaminsky (SPD) sorgt für Gesprächsstoff in Hanau. Bild: Rainer Wohlfahrt

Hanaus Oberbürgermeister Kaminsky (SPD) sorgt wenige Tage vor der Kommunalwahl für Gesprächsstoff: Er hat ein ungewöhnlich preiswertes Haus erworben. Die CDU fragt nach den Hintergründen.

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          Der Kauf von einem von drei Offiziershäusern auf dem Gelände der New Argonner Kaserne in Hanau-Wolfgang durch Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sorgt wenige Tage vor der Kommunalwahl für Gesprächsstoff in Hanau. Aufgebracht hatte das Thema das aktuelle Programm einer Hanauer Kabarettgruppe, in dem der Erwerb des Gebäudes kritisch aufs Korn genommen worden war. Um „Aufklärung“ bat nun der Vorsitzende der Jungen Union Hanau, Bastian Zander.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Er fragte den Oberbürgermeister öffentlich, ob die drei Offiziershäuser sowie 36 Doppelhaushälften „zu äußerst günstigen Konditionen überwiegend an einen kleinen Kreis von Interessenten veräußert wurden, die maßgeblich mit der Entwicklung der Konversionsflächen in Beziehung stehen“. Die Häuser im Argonner Park seien zwar von einem privaten Investor auf den Markt gebracht worden, allerdings in Verbindung mit umfassenden städtischen Planungsentscheidungen.

          Die Häuser entlang des Naturschutzgebietes Campo Pond, laut Zander mit einer Grundstücksfläche zwischen 600 bis 1400 Quadratmetern und 130 bis 170 Quadratmetern Wohnfläche, Vorgarten, Keller, Terrasse, Balkon und Garage oder Carport, seien für Preise um 150.000 Euro verkauft worden, die Doppelhaushälften noch günstiger. Für die Modernisierungskosten bestünden auch bei Eigennutzung interessante Abschreibungsmöglichkeiten. Dagegen müsse zum Beispiel in den direkt benachbarten Wohngebieten Waldwiese oder Waldsiedlung allein für ein Grundstück in vergleichbarer Größenordnung fast das Doppelte gezahlt werden. Hinzu kämen die Baukosten.

          Claus Kaminky bei der neuerlichen Amtseinführung nach seiner Wiederwahl im Herbst 2009

          „Das attraktivste Haus auf dem Konversionsgelände“

          Der Oberbürgermeister, sagte Zander, solle transparent machen, auf welche Weise die Vermarktung der Häuser stattgefunden habe und wie der Kreis der Käufer ausgewählt worden sei. Viele Bürger stellten sich die Frage, wie ausgerechnet der Oberbürgermeister das attraktivste Haus auf dem Konversionsgelände zu äußerst günstigen Konditionen habe erwerben können, wo es sicher in Hanau noch zahlreiche weitere Interessenten für das Anwesen gegeben habe. Diese, glaubt Zander, hätten keine Chance gehabt, sich um die attraktiven Häuser zu bewerben, deren Kauf nur einem geschlossenen Interessentenkreis ermöglicht worden sei. Dieser Darstellung widersprach Karl Wolf, Geschäftsführer der Wolf Liegenschaften GbR in Heusenstamm, die gemeinsam mit dem Hanauer Investor Albrecht Krebs das 36 Hektar große ehemalige Militärareal entwickelt. Mit Krebs arbeitete die Stadt zuvor unter anderem bei der Entwicklung der Françoisgärten, der Hessen-Homburg-Kaserne zu einem Schulzentrum und zum Technischen Rathaus sowie bei der Umwandlung der Eberhardschule in ein Altenzentrum zusammen.

          Für den Argonner Park gründeten Krebs und Wolf die K.W. Projektsteuerung GmbH & Bauträger New Argonner KG. Die Investoren erwarben das Areal Mitte Dezember 2009 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Das Investitionsvolumen für Kauf, Sanierung der Wohnblocks aus den fünfziger Jahren und Neubauten auf dem Areal werden auf rund 40 Millionen Euro beziffert. Neben den Wohnblocks gehörten zum Gebäudebestand die 36 Doppelhaushälften und die drei frei stehenden Offiziershäuser. Dass diese zum Verkauf stünden, habe man in einer Pressekonferenz gleich nach dem Erwerb der New Argonner Kaserne mitgeteilt.

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