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Umweltschutz : Mit Ampelstopps, Tempolimits und Fahrverboten gegen Feinstaubgefahr

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Die vielbefahrene Friedberger Landstraße ist in puncto Feinstaubbelastung Frankfurts Sorgenkind. Sie dürfte indes nicht das einzige bleiben.

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          Die vielbefahrene Friedberger Landstraße ist in puncto Feinstaubbelastung Frankfurts Sorgenkind. Sie dürfte indes nicht das einzige bleiben. Auch an anderen Straßen wie etwa der Höhenstraße oder der Bleichstraße könnte, so vermuten die Frankfurter Straßenverkehrsbehörde und das Umweltministerium in Wiesbaden übereinstimmend, bei austauscharmen Wetterlagen im Winter die 35-Tage-Grenze überschritten werden. In diesem Fall müßte der gesetzlich vorgeschriebene Aktionsplan, der jetzt für die Friedberger Landstraße erstellt wird, so gut es geht auch auf andere zu hoch belastete Straßen angewandt werden.

          Fachleute des Frankfurter Umweltdezernats, des Planungsdezernats und der Straßenverkehrsbehörde haben jetzt dem Umweltministerium in Wiesbaden ein Dreistufenkonzept für die Friedberger Landstraße vorgelegt. Auch die Stadt Darmstadt hat Vorschläge für einen Aktionsplan gemacht, sie aber noch nicht dem Ministerium, das die Aktionspläne erstellen muß, vorgetragen. Städte mit hoher Feinstaubbelastung sind außerdem Kassel und Wetzlar, für sie werden derzeit Luftreinhaltepläne entwickelt. Ein solcher Plan liegt für den Ballungsraum Rhein-Main schon vor und tritt Ende April in Kraft.

          Tätig werden wollen die Frankfurter nicht erst, wenn an mehr als 35 Tagen im Jahr die kritische Grenze von 50 Mikrogramm Feinstaub überschritten wird. Die erste Stufe des Aktionsplanes soll nach Angaben von Ulrich Schöttler, Leiter der Straßenverkehrsbehörde, schon in Kraft treten, wenn die Staubbelastung an 30 Tagen zu hoch war. Durch eine andere Schaltung der Pförtnerampeln an der Friedberger Warte und am Nibelungenplatz sollen etwa zehn Prozent weniger Autos in der Stunde in die Stadt gelangen. Der Verkehr, so die Überlegung, würde dadurch unterhalb des Alleenrings flüssiger, der Schadstoffausstoß insgesamt geringer. Um Stauungen zu reduzieren, wird den Auto- und Lastwagenfahrern unter Umständen die Möglichkeit genommen, am Friedberger Platz wie bisher nach links abzubiegen.

          Werden damit keine nennenswerten Effekte erzielt, soll in Stufe zwei die Friedberger Landstraße zwischen Nibelungenplatz und Anlagenring für schwerere Diesellastwagen gesperrt werden. Dazu kommt ein Tempolimit von 80 Kilometern in der Stunde auf den Stadtautobahnen. Auf diese Weise, so hoffen die Frankfurter Fachleute, läßt sich der Reifenabrieb, der wie die Dieselabgase auch zu einer Feinstaubbelastung führt, vermindern. Zugleich will man in Stufe zwei eine Öffentlichkeitskampagne in Gang setzen, mit der an die Autofahrer appelliert wird, Busse und Bahnen zu benutzen.

          Zeigen auch diese Maßnahmen nicht die erwünschte Wirkung, soll in Stufe drei die Friedberger Landstraße auch für Kleinlastwagen ohne Partikelfilter gesperrt werden. In diesem Fall darf auf den Stadtautobahnen außerdem nicht schneller als 60 Kilometer in der Stunde gefahren werden. Sperrungen für Lastwagen ohne Rußfilter sind allerdings derzeit nicht möglich, weil zum einen die Ordnungshüter nicht erkennen können, welches Fahrzeug mit einem Filter ausgerüstet ist. Zum anderen gibt es keine amtlich zugelassenen Verkehrsschilder, die eine Sperrung für filterlose Fahrzeuge ankündigen. Eine von Berlin im Bundesrat eingebrachte und vom Land Hessen unterstützte Resolution zur Einführung eines solchen Schildes hat bisher keine Mehrheit gefunden. Auch die Einführung von Filterplaketten, die gut sichtbar an Lastwagen angebracht werden müßten, muß vom Bund oder vom Land angeordnet werden.

          Weit fortgeschritten ist in Frankfurt mittlerweile die Ausrüstung von städtischen Bussen mit Partikelfiltern. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt hat nach eigenen Angaben 118 ihrer 168 Busse mit solchen Filtern ausgestattet. Ende des Jahres werden 23 filterlose Fahrzeuge durch moderne Busse ersetzt, so daß dann nur noch 27 "Dreckschleudern" im Einsatz sind. Auch private Verkehrsdienstleister, die künftig in Frankfurt im Auftrag der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq Buslinien betreiben, müssen Filterfahrzeuge einsetzen. Bei der Ausschreibung des die Linien im Osten umfassenden Bündels D war dies ebenso als Bedingung angegeben, wie es jetzt bei der Ausschreibung des Bündels A im Frankfurter Norden der Fall ist.

          Das größte Problem stellen nach Angaben des Umweltministeriums die Kleintransporter dar. Sie machten das Gros der Lastwagen aus, die in die Innenstädte führen. Kaum einer von ihnen sei mit einem Partikelfilter ausgerüstet. Und da diese Fahrzeuge eine hohe Lebensdauer hätten, würden sie noch lange herumfahren. (rieb.)

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