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Energiepark auf Äckern : Solarmodul statt Weizen

  • -Aktualisiert am

Solarpaneele bedecken eine nicht vermehrbare Ressource: den Boden (Symbolbild) Bild: dpa

In Idstein wird über die Umnutzung eines Stück Ackerlands für einen Solarpark heiß diskutiert. Hierbei muss unter anderem die Bedeutung der Landwirtschaft stärker in den Blickpunkt genommen werden.

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          Eine Fläche von etwa acht großen Fußballfeldern ist notwendig, um durch die Aufstellung von Solarmodulen genügend Strom für etwas mehr als 2000 Haushalte zu erzeugen. Rein rechnerisch natürlich, denn wenn die Idsteiner im Winterhalbjahr nach Hause kommen und das Licht und den Fernseher einschalten, dann scheint die Sonne schon längst nicht mehr. Das großtechnische Speichern von Wind- und Solarstrom steckt noch immer in den Kinderschuhen. Gut, dass der Strom dann aus der Steckdose kommt. Ganz unabhängig vom jahreszeitlichen Lauf der Sonne und den Launen des Windes.

          Der Konflikt, der jetzt in Idstein um ein eher mäßig ertragsstarkes Stück Ackerland ausgefochten wird, steht beispielhaft für die Frage, wie wir es mit einer auf diesem Planeten nicht vermehrbaren Ressource halten: dem Boden. Welche Nutzung ist für ein Stück Land die jeweils angemessene? Darauf bezahlbare Wohnungen bauen und gleichzeitig noch mehr Flächen versiegeln? Gewerbe ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen? Ein Refugium für bedrohte Arten ausweisen? Solarmodule oder Windräder für einen kleinen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel aufstellen? Oder doch besser Nahrungsmittel anbauen und die bäuerliche Landwirtschaft stärken? Eine allgemeingültige Antwort kann es nicht geben. Weder in Idstein noch anderorts. In einem ohnehin dichtbesiedelten Land muss diese Antwort im Einzelfall sorgsam abgewogen werden. Daher ist es gut, wenn Idstein nicht im Schnellverfahren entscheidet, ob das lokale Klimaschutzkonzept so bedeutsam ist, dass drei Bauern der Region wichtige Pachtflächen weggenommen werden. Dass die Solarpark-Äcker in vielleicht zwei Jahrzehnten tatsächlich wieder bewirtschaftet werden können, weil die Energiewende dann geschafft ist, das ist ein ungedeckter Wechsel auf die Zukunft.

          Die Landwirte sind in dieser Hinsicht gebrannte Kinder. Allein in Idstein verloren sie binnen vier Jahrzehnten dauerhaft 160 Hektar Ackerfläche, unter anderem für Infrastrukturprojekte wie ICE-Trasse, Autobahnerweiterung, Golfplatz und Bau- und Gewerbegebiete. Auch wenn es bei fast jedem Vorhaben nur um vergleichsweise geringe Flächen ging, so ergab sich in der Summe ein beachtlicher Flächenverlust. Es stellt sich zudem die Frage nach der Bedeutung der Landwirtschaft und der regionalen Lebensmittelversorgung in unserer Gesellschaft. Dass es die Landwirte überdies hinnehmen müssen, dass für den naturschutzrechtlichen Ausgleich eines vielleicht sinnvollen Eingriffs in die Landschaft noch mehr Äcker und Felder herhalten müssen, kann so nicht bleiben. Da muss sich der Gesetzgeber bessere Lösungen einfallen lassen. Und Idstein muss den Stellenwert der Landwirtschaft diskutieren.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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