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Übereinkunft zu Ticona : Kein Pappenstiel für Fraport

Der Handschlag zum Deal: Fraport-Chef Bender und Amtskollege Pohlmann von Celanese Bild: picture-alliance/ dpa

Ganz so positiv wie Fraport-Vorstandschef Bender haben Analysten und die Börse nicht auf den verkündeten Ticona-Deal mit Hauptaktionär Celanese reagiert. Beim Ticona-Deal sehen Analysten und die Börse erst einmal die Kosten.

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          Ganz so positiv wie Fraport Vorstandschef Wilhelm Bender haben Analysten und die Börse nicht auf den verkündeten Ticona-Deal mit Hauptaktionär Celanese reagiert. Das Papier verlor knapp 3,4 Prozent und war der Verlierer des Tages im Mittelwerteindex M-Dax.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Tatsächlich sind 650 Millionen Euro auch für ein gut florierendes Unternehmen wie die Fraport AG keine Petitesse, sondern mehr als ein Drittel dessen, was der gesamte Konzern in diesem Jahr von Januar bis Ende September mit 1,62 Milliarden Euro an Umsatz erwirtschaftet hat. Und es ist deutlich mehr als das Dreifache dessen, was der Flughafenbetreiber in den ersten neun Monaten des Jahres im Ergebnis erzielt hat; das waren gut 200 Millionen Euro. Wobei dieses Ergebnis nur aufgrund von Sondereffekten aus dem Verkauf einer Beteiligung und der Auflösung von Rückstellungen so hoch ausgefallen ist. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2005 verdiente Fraport unter dem Strich lediglich 162 Million Euro.

          Ein „ziemlich dicker Brocken für Fraport“

          Es ist also nicht verwunderlich, wenn manche Analysten nach Bekanntwerden der Vereinbarung zwischen Fraport und Celanese erst einmal den Daumen senkten - ob der hohen Kosten des Ticona-Deals. Ein „ziemlich dicker Brocken für Fraport“ kommentierte etwa Per-Ola Hellgren, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Hellgren hat die Aktie, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, bisher eher als über- denn als unterbewertet eingestuft. Die Deutlichkeit, mit der die Börse nun auf die Kosten für die Ticona-Verlagerung reagierte, verwundert allerdings auch ihn etwas. Denn schließlich ist damit tatsächlich ein ganz erheblicher Risikofaktor für den Ausbau des Flughafens beseitigt - und Planungssicherheit gewonnen.

          Das Ticona-Chemiewerk nahe Kelsterbach

          Fraport habe sich selbst durch die eigene Strategie an die Wand manövriert und Celanese habe die Karten „perfekt ausgespielt“ und das Maximum herausgeholt, meinte ein Analyst. Dafür werde Fraport nun wohl ein wenig abgestraft. Auch die Tatsache, daß erst einmal nur ein Teilbetrag von 20 Millionen Euro in diesem Jahr endgültig gezahlt werden und der restliche Betrag in unterschiedlichen Tranchen erst zwischen 2008 und 2011 fällig wird, konnte die Börsianer gestern nicht recht beruhigen. Aus Analystenkreisen war gestern auch die Vermutung zu hören, Kollegen nutzten die Gelegenheit, um ihre bisherige Einschätzung der Fraport-Aktie, die diesen selbst inzwischen zu optimistisch erscheine, wieder der Realität anzunähern.

          Ein Unsicherheitsfaktur beseitigt

          Ungeachtet der Verhaltensweisen von Analysten ist für Fraport nun tatsächlich wieder etwas verläßlicher abzusehen, wann das Unternehmen wieder mehr am Wachstum des Luftverkehrs so teilhaben kann wie beispielsweise der Münchener Flughafen und andere Konkurrenten. Bender sprach gestern davon, daß die neue Nordwestlandebahn 2011 in Betrieb gehen soll, was nach der Vereinbarung nun tatsächlich klappen könnte.

          Daß der Luftverkehr reichlich Wachstumschancen in sich trägt, hat unter anderem die Deutsche Bank Research in einer Studie vom Mai dieses Jahres dargelegt. Demnach ist in den nächsten 20 Jahren weltweit mit einem Wachstum von rund fünf Prozent zu rechnen. Und dabei, so die Studie weiter, werden gerade die großen Luftdrehkreuze, von denen Frankfurt eines ist, eine entscheidende Rolle spielen.

          Mindestens in den beiden vergangenen Jahren, das zeigte etwa der Mobilitätsbericht der Deutschen Flugsicherung deutlich, hat Frankfurt aufgrund der Kapazitätsengpässe an Boden verloren: 2004 nahm die Zahl der Starts und Landungen in München um acht, in Frankfurt lediglich um drei Prozent zu, im vergangenen Jahr waren es bei den Bayern noch 4,4, in Frankfurt nur mehr 1,6 Prozent. Dabei kann es die Frankfurter zumindest auf Dauer auch nicht trösten, daß sie mit 488 000 Flugbewegungen im Jahr 2005 München um mehr als 100 000 Starts und Landungen überflügelt hatten.

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