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: Tyson und Gebetsfahnen als Zeichen Offenbachs

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Die Großstadt als Kaleidoskop von Lebensstilen und Leidenschaften: 24 Künstler aus Offenbach und der Region haben sich der "Wunderbaren Welt der Großstadt" angenommen. Studienobjekt war Offenbach. Die ...

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          Die Großstadt als Kaleidoskop von Lebensstilen und Leidenschaften: 24 Künstler aus Offenbach und der Region haben sich der "Wunderbaren Welt der Großstadt" angenommen. Studienobjekt war Offenbach. Die Ergebnisse ihrer künstlerischen Erkundung können Besucher des Stadtmuseums im "Haus der Stadtgeschichte" in einer vom Bund Offenbacher Künstler (BOK) arrangierten Ausstellung besichtigen. Anlaß der Schau ist das fünfzigjährige Bestehen Offenbachs als Großstadt, das in diesem Jahr gefeiert wurde.

          Zwei Arbeiten markieren bei Eintritt in die "Historische Industriehalle" die thematischen Pole der Ausstellung: die von Michaela Haas geschaffene Installation unter dem Titel "Engel einschwebend über Offenbach" und Ilse Stockmanns Mosaik "Where are you from?". An dem quer durch den Raum gespannten Seil hängen über den Köpfen der Besucher elf von Haas gefertigte Figuren. Mal scheinen die gesichtslosen Gestalten die Arme zornig emporzurecken, mal hilfesuchend anzuheben oder erschöpft fallen zu lassen. Die Künstlerin versteht ihre Arbeit als ironisches Spiel mit dem Thema "Einflugschneise". Für Haas gleichen die Flugzeuge am Abendhimmel über Offenbach, das unter zwei Einflugschneisen liegt und befürchtet, eine dritte hinzuzubekommen, "erleuchteten Engeln"; dann wiederum erblickt sie in den Maschinen nichts weiter als lärmende Technik.

          Dieser Installation gegenüber hat Stockmann, die BOK-Vorsitzende ist, auf einem zwei mal zwei Meter großen, schwarzverhüllten Podest ein Tableau aus 100 stoffbezogenen Holzquadraten entfaltet. Jedes der kissenartigen Objekte zeigt ein Ornament, das typisch sein soll für eine der Nationen, die in Offenbachs Stadtgesellschaft vertreten ist. Von Afghanistan bis Weißrußland reicht bisher das Bild der Vielvölkerstadt. Es findet sich das mit einem Tattoo verzierte Gesicht des Boxers Mike Tyson ebenso wie eine Gebetsfahne aus Tibet oder eine Frucht aus Chile. Im Zentrum des Tableaus prangt auf einem der Quadrate ein selbstbewußtes "Ja". Für Stockmann ist es das Zeichen, daß in Offenbach die Welt zu Hause ist und zugleich der Name Offenbachs in die Welt hinausgetragen wird. Künstlerkollegen und Freunde haben von ihren Reisen Fundstücke für Stockmann mitgebracht. In einem in der Ausstellung aufliegenden Album erzählt Stockmann die Geschichte der einzelnen Objekte. Noch ist das Tableau nicht vollendet. Die Künstlerin will es in den nächsten Monaten um die Ornamente der noch fehlenden Nationen ergänzen. Insgesamt leben in Offenbach Menschen aus mehr als 100 Nationen.

          Fundstücke eigener Art zeigen Thomas Dahmen und Petra Mühl. Die Künstlerin hat sich der Straßenbäume angenommen. Sie stellt in einer Vitrine Baumrinde und Eicheln aus, konfrontiert diese mit Bildern von Häuserfronten. Dahmen legt die Dokumente einer Zeugenschaft vor, für die er Ohr und Auge gebraucht. Aussprüche von Leuten auf der Straße oder im Einkaufsmarkt hat er mit fotografischen Momentaufnahmen zusammengefügt, die Groteske und Tristesse des Großstadtlebens vorführen. Anja Hantelmann macht zwölf Vertreter des Jahrgangs 1954 zu Akteuren ihrer gemalten Porträtserie. Auf Sesseln der Nierentischzeit hat sie bekannte und weniger bekannte Offenbacher plaziert, darunter Oberbürgermeister Gerhard Grandke und den früheren Bürgermeiser Stephan Wildhirt (beide SPD).

          Ursula Zepter legte um ihre bekannte Collage von der sich verändernden Großstadt einen verrosteten Fensterrahmen, der Vergangenheit und Gegenwart in Offenbachs Stadtbild zu vereinen scheint. Caroline Friedrike Bachmann hat zu der Ausstellung Familienporträts in Form von Vasengruppen beigesteuert. Sie fand die Vasen auf dem Sperrmüll und hat sie farbig bemalt. Das Mit- und Gegeneinander von Mensch und Architektur in Offenbach stellt Monika Goll in einem Ensemble farbig bedruckter Folien dar. Die weiteren Werke in der BOK-Ausstellung stammen von Ralph Zoller, Johannes Kriesche, Karl Heinz Steib, Jürgen Eckert, Ingrid Schubert, Doris Preußner, Katja Schneider, Claudia Weber, Mirta Merja Herzog-Hellsten, Mirta Domacinovic, Renate Kletzka, Zygmunt Blazejewski, Gerd Vollmer, Karin Nedela und John Peter Pahlow.

          Zum Gedenken an Hans-Georg Schulze zeigt der BOK in der Ausstellung drei seiner Arbeiten, darunter das Ölgemälde "Ostbahnhof". Schulze, der 1914 geboren wurde und im vorigen Jahr starb, war von 1947 bis 1949 Vorsitzender des BOK. ajw.

          Die Ausstellung "Wunderbare Welt der Großstadt" ist im "Haus der Stadtgeschichte/Stadtmuseum", Herrnstraße 61, bis zum 14. Januar 2005 zu sehen.

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