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Tyrannischen Nachbarn umgebracht : Tödliche Stiche aus Angst

  • Aktualisiert am

Vier Jahre Haft: In Offenbach hat ein Vietnamese einen Russenlanddeutschen mit 24 Messerstichen getötet. Das Opfer hatte den Mann zuvor gedemütigt, bedroht und geschlagen.

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          Weil er seinen tyrannischen Nachbarn aus Angst vor weiteren Drangsalierungen erstochen hat, muss ein 43 Jahre alter Mann ins Gefängnis. Das Landgericht Darmstadt verurteilte den Vietnamesen wegen Totschlags im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit zu vier Jahren Haft. Der Angeklagte gestand, seinen 53 Jahre alten Nachbarn im August 2007 in einem Wohnblock in Offenbach getötet zu haben.

          Er wollte den Russlanddeutschen wegen früherer Angriffe und Beleidigungen zur Rede stellen. Dabei kam es zwischen den betrunkenen Männern zum Streit, und der Angeklagte stach zu. Das Opfer erlitt 24 Schnitt- und Stichverletzungen und verblutete. Danach klingelte der Asiat bei Nachbarn und bat, die Polizei und den Notarzt zu rufen. Er wurde kurz darauf festgenommen.

          „Rumkommandiert wie einen Sklaven“

          Richter Volker Wagner begründete das nach eigenen Worten „verhältnismäßig milde Urteil“ mit dem Alkohol- und Medikamentenkonsum des Täters sowie mit dem Charakter des Opfers. Der Alkoholiker hatte den Vietnamesen nach Aussagen mehrerer Zeugen permanent belästigt, bedroht und auch verprügelt. Eine Nachbarin sagte über den Russlanddeutschen: „Wenn er bei Bier blieb, war er ein guter Mensch. Aber wenn er mehr Alkohol trank, war er eine Bestie.“

          Der Vietnamese sagte, der Russlanddeutsche habe ihn „rumkommandiert wie einen Sklaven“. Wenn er nicht gehorchte, wurde er beschimpft und bespuckt. Immer wieder klopfte und klingelte der Russlanddeutsche zu jeder Tages- und Nachtzeit an der Wohnungstür des Angeklagten und verlangte Schnaps, den beide gemeinsam trinken sollten. Der psychiatrische Sachverständige sagte über den Fall: „Das ist ein Paradebeispiel für Kriminalität aus Schwäche. Der Angeklagte konnte sich nicht mehr anders wehren.“ Der arbeitslose Vietnamese lebte in ständiger Angst, nahm Psychopharmaka und wandte sich an Sozialarbeiter, Nachbarn und die Hausverwaltung. Auch bei der Polizei wurde er mehrmals vorstellig.

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