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TU Darmstadt : Präsident Prömel setzt auf wissenschaftlichen Nachwuchs

TUD-Präsident Hans Jürgen Prömel Bild: dpa

Hans Jürgen Prömel will in den nächsten fünf Jahren die Technische Universität Darmstadt auf Augenhöhe mit den drei besten Technischen Universitäten Deutschlands bringen. Dabei setzt der neue TU-Präsident vor allem auf den wissenschaftlichen Nachwuchs.

          3 Min.

          Hans Jürgen Prömel will in den nächsten fünf Jahren die Technische Universität Darmstadt (TU) auf Augenhöhe mit den drei besten Technischen Universitäten Deutschlands bringen. Dabei setzt der neue TU-Präsident vor allem auf den wissenschaftlichen Nachwuchs. Nur wenn es der Universität gelinge, sich noch stärker als „erste Adresse“ für junge talentierte Nachwuchswissenschaftler zu positionieren, könne sie zu den Universitäten in Aachen, Karlsruhe und München aufschließen, sagte Prömel bei der Vorstellung seines „Zukunftskurses“, den er zusammen mit dem neugewählten Präsidium 100 Tage nach seinem Amtsantritt skizzierte.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Zu den Leitlinien seiner Präsidentschaft gehören für den Nachfolger von Johann-Dietrich Wörner nicht nur die Beschleunigung von Berufungsverfahren mit besonderer Rücksicht auf junge Wissenschaftler, eine „Doktorandenausbildung mit Markencharakter“ und ein Ausbau der Förderung von Postdoktoranden, um die „Abstimmung mit den Füßen“ unter dem Nachwuchs zu gewinnen. Prömel hofft auch auf Hilfe der Landesregierung: „Ohne eine deutliche Erhöhung der Grundfinanzierung wird es nicht möglich sein, zu den Besten aufzuschließen.“ Ein Zuwachs der derzeitigen Landesfinanzierung um etwa 30 Prozent sei nötig.

          Kanzler-Stelle noch unbesetzt

          Die 100-Tages-Bilanz des Präsidenten gab erstmals den im Dezember gewählten Vizepräsidenten Petra Gehring, Reiner Anderl und Alexander Martin Gelegenheit, sich und ihre Ressorts der Öffentlichkeit vorzustellen. Während Anderl, der dem Präsidium schon zu Wörners Zeiten angehörte, für „Wissenstransfer und Internationalität“ zuständig ist, zählt „wissenschaftliche Infrastruktur und Interdisziplinarität“ zu den Aufgaben von Gehring. Martin ist verantwortlich für das Ressort „Studenten und wissenschaftlicher Nachwuchs“. Noch unbesetzt nach dem Ausscheiden von Hanns Seidler ist die Stelle des Kanzlers. Prömel hofft, den universitären Gremien bis März einen Personalvorschlag unterbreiten zu können.

          Wie Martin erläuterte, soll an der TU nicht nur ein gut strukturiertes Postdoktorandenprogramm eingeführt werden, um junge Wissenschaftler in der Nachpromotionsphase in Darmstadt zu halten, sondern Forschungskomponenten sollen auch schon ins Bachelorstudium Einzug halten. Außerdem strebe er eine engere Kooperation mit weiterführenden Schulen an. Wichtig seien attraktive Übergängen in allen Phasen der Ausbildung – von der Schule auf die Universität, vom Bachelor zum Master bis zur Promotion, dem Post-Doc und der Juniorprofessur.

          Einen weiteren Schritt, den Forschungsanteil an der TU zu stärken, sieht Prömel in einer stärkeren Präsenz von Forschungsverbünden wie Helmholtz- oder Max-Planck-Gesellschaft. Um dieses große Potential zu erschließen, müsse die TU ihr Forschungsprofil „zuspitzen“. Künftig solle es nicht mehr als fünf bis sechs „profilbildende Zentren“ geben. Begleitend dazu sollten sich fächerübergreifende „Zukunftslabore“ auch unkonventionellen Themen zuwenden. Kooperationen mit der Wirtschaft wolle das Präsidium ausbauen. Die bisher begründeten „Cooperativ Labs“ mit Merck, SAP oder Henkel seien dafür wegweisend. Anderl strebt als Nächstes eine wissenschaftlich-wirtschaftliche Plattform für das „Energy Center“ der TU an. Außerdem sei eine Technologie GmbH der TU in Gründung, um Innovationen besser zu vermarkten.

          Mehrere große Bauvorhaben

          Das Motto von Vizepräsidentin Gehring lautet: „Transparenz ist die beste Form der Kommunikation.“ Sie will die Informations- und Kommunikationstechnologien ausbauen und eine Art gläserne Alma Mater schaffen, deren Lehrmaterialien im Internet stehen, die digitale Skripts und Videodokumentationen anbietet, Lehrveranstaltungen über Live-Webcams überträgt und überhaupt Forschungsergebnisse so weit als möglich digital verfügbar macht. Bis 2010 strebt die erste Vizepräsidentin der TU an, rund 300 Lehrveranstaltungen auf diese Weise zu öffnen. „Wir wollen die Universität als regionales und überregionales Forum und als diskutierende Institution.“

          Prömel, der 2007 als Vizepräsident von der Humboldt-Universität in Berlin nach Darmstadt gewechselt ist, möchte die Strukturreformen mit Qualitätskontrollen begleiten. Zielvereinbarungen und deren Evaluation seien nötig, das gelte sowohl für Forschung wie Lehre und Verwaltung. Perspektivisch könnten die Ergebnisse dieser Überprüfungen nicht nur Auswirkungen auf die Mittelvergabe der Fachbereiche haben, sondern auch auf die Gehälter. Zu den großen Bauvorhaben der TU zählt der Präsident neben der neuen Universitäts- und Landesbibliothek die Sanierung des Fachbereichs Chemie sowie den Bau eines weiteren Hörsaales und eines neuen Forschungsgebäudes auf der Lichtwiese.

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