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Besseres Trinkwasser : Nicht mehr so sauer und ohne Chlordioxid

Trinnkwasser - was ist drin? Bild: dpa

Wegen der Trockenheit fließt zu wenig Wasser aus Brunnen im Hochtaunus. Daran kann auch die neue Aufbereitungstechnik nichts ändern, die für „Top-Wasser“ sorgen soll.

          Auch wenn die ganz große Hitzewelle vorbei ist und die Temperaturen am Wochenende deutlich sinken sollen: Der nicht nur von Meteorologen und Landwirten seit Monaten als vermisst gemeldete anhaltende Landregen ist auch weiterhin nicht in Sicht. Als Dieter Gredig daher kürzlich von einer Entspannung der Lage sprach, meinte der Technische Leiter der Stadtwerke Oberursel nicht den Wassernachschub. Sondern den wieder auf ein fast normales Maß zurückgegangenen Verbrauch.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Geben die Stadtwerke an einem Sommertag normalerweise 6500 Kubikmeter Trinkwasser ab, waren es nach Worten von Geschäftsführer Jürgen Funke in den vergangenen Wochen zeitweise 10 000 Kubikmeter täglich. Nach den offenbar erfolgreichen Appellen zum Wassersparen sei die Menge auf 6800 bis 7500 Kubikmeter zurückgegangen.

          Auch wenn die Versorgung mit Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen nicht gefährdet ist, sollten das flächendeckende Wässern von Rasen oder das Autowaschen weiter unterbleiben. „Es gibt noch keinen Grund zur Entwarnung“, schränkte der für die Stadtwerke zuständige Stadtrat Thorsten Schorr (CDU) ein. „Wir wollen auf jeden Fall einen Trinkwassernotstand vermeiden.“ Es werde Wochen und Monate dauern, bis sich bei ergiebigem Regen das Grundwasser wieder neu bilde.

          Hochwertiges „Top-Wasser“

          Die Stadtwerke haben derzeit ihre Förderung reduziert. Zur Abdeckung der Verbrauchsspitzen mussten sie den Zukauf von Hessenwasser deutlich erhöhen, auf teilweise fast die zehnfache der vertraglich festgelegten Menge. „Und das machen eben alle“, sagte Funke als Erklärung dafür, warum Hessenwasser Mühe hat, diese Mengen durch das Leitungssystem zu pumpen.

          Tonnenschweres Flugobjekt: Der mehr als vier Meter hohe Filterbehälter wird in den Anbau der Oberurseler Stadtwerke gehievt.

          Normalerweise beziehen die Oberurseler Stadtwerke nur fünf Prozent des benötigten Wassers extern über den Wasserbeschaffungsverband. 15 Prozent schöpfen sie aus den Brunnen der Riedwiese am südlichen Stadtrand, während 80 Prozent und damit der allergrößte Teil aus dem Taunus oberhalb der Stadt kommt. Funke sprach von einem „Top-Wasser“, da es als sehr hochwertig gilt. Aber nichts ist so gut, dass man es nicht noch besser könnte.

          Denn die Taunusquellen liefern besonders weiches, vor allem aber saures Wasser. Dies würde die Rohr- und Betonoberflächen angreifen, auf denen sich üblicherweise eine Schutzschicht bildet. Die Stadtwerke betreiben deshalb an der Hohemark eine Entsäuerungsanlage, die mit der Europäischen Weltraumagentur die Abkürzung Esa teilt. „Sie ist das Herzstück der Trinkwasseraufbereitung in Oberursel“, wie der Technische Leiter Gredig meinte, und wird gerade für drei Millionen Euro erweitert. Geschäftsführer Funke sprach von einer der größten Investitionen der vergangenen Jahre.

          Die Kapazität steigt

          Bisher stehen dort vier Filterbehälter, in denen ein Filterbett aus Kalkstein den pH-Wert des Rohwassers senkt, um dieses in ein sogenanntes Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht zu bringen. Für den nun angeschafften fünften Behälter wurde eigens ein Anbau errichtet. Kürzlich setzte ein Kran den elf Tonnen schweren Koloss, der ohne Füße eine Höhe von mehr als vier Metern hat, durch das noch offene Dach an seinen endgültigen Standort.

          Durch die Erweiterung auf fünf Filter könnten die Wassermengen besser verteilt werden, erläuterte Gredig. Das verbessere die Entsäuerungsleistung und sorge dafür, dass die Filter seltener rückgespült werden müssten. Dabei werden sie gereinigt, indem aufbereitetes Wasser gegen die übliche Fließrichtung hindurchgedrückt wird.

          In der Esa Hohemark werden nach Worten des Technischen Leiters 2,1 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr aufbereitet. Die Kapazität steige durch die Erweiterung auf bis zu 465 Kubikmeter in der Stunde. Mit den jetzigen Arbeiten bekommt die Anlage aber noch eine weitere Ergänzung.

          Chlordioxid nicht mehr nötig

          Künftig wird das Wasser durch eine neue Ultrafiltrationsanlage geleitet, in der eine fast 7000 Quadratmeter große Filterfläche auf 84 rohrförmige Module verteilt ist. Sie werden demnächst in drei Reihen in dem Anbau aufgestellt. Die in jedem Modul steckenden Filterröhrchen haben Membranen mit einer Maschenweite von nur 0,00001 Millimeter.

          Weil man sich eine so kleine Öffnung nicht vorstellen kann, ist die Beschreibung der Wirkung aufschlussreicher. Nicht einmal Bakterien oder Viren passen durch diese Membran hindurch. Sie finden sich aber in Wasser, das aus oberflächennahen Schürfungen stammt und nach einem starken Regen schon einmal trüb wird.

          Um Mikroorganismen unschädlich zu machen, wurde das Wasser bisher sicherheitshalber mit Chlordioxid versetzt. Darauf können die Stadtwerke nun verzichten. Insofern ist die nüchtern-technische Erweiterung der Entsäuerungsanlage Hohemark auch eine Investition, die den Oberurselern schmecken dürfte.

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