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Tourismus im Rheintal : Gartenschau soll Image verbessern

Burgen und Natur: Dafür ist das Mittelrheintal bekannt Bild: Rainer Unkel

Das Rheintal gilt bei Touristen nicht gerade als innovativ. Ein großes Manko ist auch die Belastung durch den Verkehr, wie eine aktuelle Umfrage bestätigt. Mit der 108 Millionen Euro teuren Bundesgartenschau soll nun alles besser werden.

          3 Min.

          Neun Jahre sind eine lange Zeit. Doch die Bundesgartenschau 2029 weckt schon jetzt die große Erwartung, dass der Negativtrend in dem 67 Kilometer langen Mittelrheintal endlich gestoppt und womöglich ins Positive gewendet werden könnte. Das zumindest geht aus einer repräsentativen Umfrage und Analyse hervor, die von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz in Auftrag gegeben worden war. Die Entwicklungsagentur bereitet die Planung der Gartenschau vor, solange die Gartenschau-Gesellschaft noch nicht handlungsfähig ist. Das soll in wenigen Monaten der Fall sein, wenn auch ein Geschäftsführer bestellt ist.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist, dass es bei der Vermarktung des Oberen Mittelrheintals zwischen Rüdesheim und Koblenz als innerdeutsches Urlaubsziel noch großen Nachholbedarf gibt. Obwohl das Mittelrheintal schon 2002 zum Unesco-Welterbe erklärt wurde, es in Bingen und Koblenz seither eine Landes- und eine Bundesgartenschau gab und der „Rheinsteig“ zu den schönsten deutschen Wanderwegen zählt, nimmt der Bekanntheitsgrad des Tals mit der Entfernung rapide ab.

          „Das Image ist teilweise angestaubt“, vermeldet die Entwicklungsagentur als Ergebnis der repräsentativen Befragung im Juli. Zwar gaben insgesamt zwei Drittel der Befragten an, die Region zu kennen, selbst wenn sie noch nicht dort zu Gast waren. Aber der Bekanntheitsgrad fällt mit einer Entfernung von mindestens 45 Fahrminuten mit dem Auto deutlich ab. Das ist für das Tal insofern von Bedeutung, weil die wichtigen Quellmärkte Rhein-Main und Köln-Bonn außerhalb dieses Radius liegen.

          Ein unbekanntes Unesco-Weltkulturerbe

          In weiterer Entfernung kennen 44 Prozent nicht einmal den Namen „Oberes Mittelrheintal“. Über den Status als Unesco-Weltkulturerbe wissen knapp 60 Prozent derjenigen Bescheid, die das Tal kennen. Im näheren Umfeld sind es sogar 70 Prozent. Das Unesco-Prädikat spielt als Reisemotiv aber nur eine untergeordnete Rolle. Für nicht einmal jeden fünften Besucher war es mit ausschlaggebend.

          Zwei Drittel der Befragten, die das Obere Mittelrheintal kennen, haben es schon einmal besucht. Jeder zweite kam als Tagesgast. Die meistbesuchten Ziele waren dabei Koblenz mit Deutschem Eck und Innenstadt (58 Prozent), Rüdesheim mit Niederwald-Denkmal (55 Prozent), die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz (53 Prozent) und Bingen mit seinem Rheinufer (47 Prozent). Dagegen kommt der berühmte Loreleyfels nur auf 39 Prozent, Boppard auf 37 Prozent.

          Rund zwei Drittel der Besucher waren am Ende mit ihrem Erlebnis bei einem Ausflug zufrieden und loben die schöne Landschaft und Natur (34 Prozent), Burgen und Schlösser (zehn Prozent) sowie Wein und Weinberge (sieben Prozent). Negativ aufgefallen sind den Besuchern der Bahnlärm (13 Prozent) sowie die mangelnde Qualität der Gastronomie (elf Prozent). Jedem Siebten war das Gedränge im Tal zu groß.

          Für die Region positiv: Mehr als 90 Prozent derjenigen, die das Mittelrheintal zumindest dem Namen nach kennen, können sich einen Besuch immerhin vorstellen. Dabei steht nicht der Weingenuss mit Tropfen aus dem Rheingau und dem Mittelrheintal an erster Stelle, sondern Erholung und Entspannung vor Burgen und Schlössern. Auch Radfahren und Wandern werden als Motive genannt.

          Einzigartig, romantisch und sympathisch?

          Dass das Image des Mittelrheintals in den zurückliegenden Jahrzehnten gelitten hat, steht außer Frage. Zwar gibt es laut Studie auch positive Verknüpfungen wie „einzigartig“, „romantisch“ und „sympathisch“. Aber vielen Besuchern gilt das Tal als „altmodisch“, „wenig innovativ“ und keinesfalls „jung“. Die Verkehrsbelastung wird häufig als Kritikpunkt genannt: „Diese Faktoren stellen die Zukunftsfähigkeit als Tourismusdestination in Frage“, halten die Autoren der Studie dazu fest.

          Mit der 108 Millionen Euro teuren Bundesgartenschau als Impulsgeber soll alles besser werden: innovative und nachhaltige Mobilitätsangebote zu Wasser und zu Lande, innovative Angebote für Bürger und Gäste, ein besseres touristisches Angebot sowie ein insgesamt positiveres Image der Region werden laut Untersuchung erwartet. Zwei Drittel der Befragten, die die Region schon kennen, erwarten, dass die Bundesgartenschau einen Besuch interessanter machen wird.

          Region soll „nur als Ganzes“ vermarktet werden

          Schon jetzt können sich 72 Prozent der Befragten vorstellen, 2029 der Region einen Besuch abzustatten. Der Ratschlag der Tourismusfachleute lautet, die Region „nur als Ganzes“ zu vermarkten und kleinteilige Tourismus-Strategien zu vermeiden. Diese seien nur hinderlich. Der Schwerpunkt solle auf einer „innovativen, gastfreundlichen und entschleunigenden Kultur- und Naturlandschaft mit zahlreichen Besucherattraktionen“ liegen.

          Zu diesem Ergebnis kommt auch die Enquete-Kommission „Tourismus“ des Mainzer Landtages in ihrem Abschlussbericht.: Die Kommission erwartet, „dass die Kommunen und die Region diese Chance durch eine koordinierte und zielorientierte Zusammenarbeit nutzen“. Kleinteilige Strukturen müssten überwunden werden.

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