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Zwei Mediziner vor Gericht : Tod nach Entlassung aus dem Krankenhaus

Risikoquelle: Der Rentner war auf einem Feldweg gestürzt und mit dem Hals auf den Lenker gefallen – die daraus entstandene Schwellung ließ ihn ersticken (Symbolbild) Bild: dpa

Ein Rentner stürzt mit dem Rad und kommt unglücklich mit dem Hals auf dem Lenker auf. In einer Klinik wird er nach der Untersuchung nach Hause geschickt. Bald darauf erstickt er. Nun stehen zwei Ärzte vor Gericht.

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          Als Renate B. im Warteraum im Krankenhaus saß, bekam sie von einer Ärztin den Satz zu hören, vor dem wohl alle Angehörigen von Patienten am meisten Angst haben: „Wir stellen jetzt die Geräte ab.“ Dabei ging es um den damals 74 Jahre alten Ehemann von Renate B. Angefangen hatte die Tragödie mit einem Fahrradunfall am Tag zuvor, dem 14. August 2018. Der Rentner war auf einem Feldweg gestürzt und mit dem Hals auf den Lenker gefallen. Wegen einer Schwellung am Hals wurde er am Tag nach dem Unfall in zwei Krankenhäusern untersucht und behandelt, zuerst im Krankenhaus in Bad Homburg, später im Klinikum in Frankfurt-Höchst. Die Untersuchung im Krankenhaus in Bad Homburg ist seit Mittwoch ein Fall für das Landgericht Frankfurt.

          Jan Schiefenhövel
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Staatsanwaltschaft sieht bei den Ärzten eine Verantwortung für den Tod des Rentners. Der Fehler bestand der Anklage zufolge darin, dass der Patient nach der Untersuchung nach Hause entlassen wurde. Stattdessen hätte er stationär aufgenommen werden müssen, um seinen Zustand intensivmedizinisch zu überwachen, wie Staatsanwalt Wanja Welke zu Beginn der Hauptverhandlung vorträgt. Damit hätte sein Tod „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ verhindert werden können. Durch die Prellung am Hals sei Blut ins Gewebe gelaufen, und zwar so viel, dass die Luftröhre verschoben worden sei. Die Einengung der Atemwege habe schließlich zum Tod geführt. Das heißt, der Patient ist erstickt. Diese Gefahr haben die Ärzte in Bad Homburg übersehen, wie der Ankläger sagt.

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