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Tipps für den Familienausflug : Eine kleine Tour de France entlang der Nidda

  • -Aktualisiert am

Die Fahrradstrecke folgt der Nidda – und macht die Beine der Nachwuchsradler schon ein wenig müde. Bild: Alex Westhoff

Eine Radtour entlang der Nidda ist nicht unbedingt ein Kinderspiel – mit dem lockenden Versprechen auf ein großes Eis aber auch für die Kleinen machbar. Ein Familien-Tipp für Ferien daheim in der Rhein-Main-Region.

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          Pause! Mittagessen! Jetzt! Die Signale der Nachwuchsrennfahrer sind eindeutig, irgendwo zwischen Florstadt und Niddatal. Die Mimik: genervt mit Anflügen von Verzweiflung. Die Körpersprache: betont schlaff. Das geht keine zwei Kilometer mehr gut. Schwäche aufgrund von Hungerast? Wie heißt es seit den besten Tagen des einstigen Rad-Heroen Jan Ullrich schon so bittersüß: Ist der Hunger erst mal da, ist es schon fast zu spät. Zu spät für alle Hoffnungen auf einen gelingenden Tag im Sattel? Alles zu spät für den väterlichen Plan, die Route so geschickt zu wählen, dass die Söhne pedalierend gar nicht merken, wie viele Dutzend Kilometer sie in Wahrheit schaffen können?

          Was es braucht für eine glückende Radtour als generationenübergreifendes Gemeinschaftswerk: eine überwiegend flache, aber dennoch abwechslungsreiche Strecke; ein verbal und real leuchtend illuminiertes Ziel; ein Peloton, das intrinsisch motivierte, radelnde Kinder gebiert. Warum also nicht eine Radtour entlang der Nidda mit Frankfurt als Ziel? Wir sind zwei Väter, die Kumpels sind, und zwei achtjährige Söhne, die Kumpels sind. Wir glauben, dass wir gut präpariert sind.

          Immer dem Fluss nach, rufen wir, als wir die vier Fahrräder die Stufen hochgewuchtet haben im Bahnhof des Städtchens Nidda. Wer wissen will, wie grün und ackerfarben Hessen wirklich ist, der sollte mit dem Zug von Frankfurt nach Nidda fahren.

          Ein wenig Tour-de-France-Gefühl

          Los geht’s, die Nidda ist unser Leitfaden, quasi unser Stern über Bethlehem, dem wir gewissenhaft folgen wollen. Direkt am Bahnhof empfängt uns das erste Schild der „Niddaroute“, deren Symbol, ein roter Pfeil, uns ein ständiger Begleiter sein wird. Nur empfängt uns in Nidda kein hübscher Radweg am Wasser, sondern als Begrüßungsgeschenk erst mal ein knackiger Anstieg. Davon sei aber keine Rede gewesen, sagen die Kids noch scherzhaft, und eigentlich finden sie es ja ganz cool, die Gangschaltung ihrer Mountainbikes – was anderes will diese Generation eh nicht fahren – mal ganz auszunutzen. Die etwa 30 Kilometer weiter nordöstlich im Vogelsberg entsprungene Nidda ist hier immer noch jung und zart. Und so führt die Route über Feld und Flur, an Höfen und Hecken vorbei. Der Behang der Apfelbäume zeugt von einem guten Apfeljahr 2020. Genüsslich ist die Fahrt durch die vogelreiche Auenlandschaft zwischen Ranstadt und Florstadt. Dort ist der Weißstorch längst keine Seltenheit mehr, und unsere Zählung in voller Fahrt ergibt allein auf diesem Teilstück 17 Tiere. Die entweder durch die feuchten Wiesen staksen oder auch gerne in der frischen Spur des Mähdreschers auf den Feldern einen reich gedeckten Tisch vorfinden.

          Der Fluss bietet an manchen Stellen Flora und Fauna wieder eine artenreiche Heimat.
          Der Fluss bietet an manchen Stellen Flora und Fauna wieder eine artenreiche Heimat. : Bild: Frank Rumpenhorst

          Sonnenblumenfelder, die dicht an den Radweg heranwachsen, lassen ein wenig Tour-de-France-Gefühl aufkommen. Zumal wir an diesem sonnigen Feriensamstag häufig kurz anhalten, damit die Väter die Wasserflaschen aus den Rucksäcken klauben können. Denn wir wissen ja nicht nur wegen der Rennfahrer-Mütter („Bitte regelmäßiges Trinken nicht vergessen“), sondern auch wegen der alten Jan-Ullrich-Leitsätze, dass Durst und Hunger auf Tour gar nicht erst aufkommen sollen. Nur haben die väterlichen Planungen unterschätzt, wie schnell Kohlenhydrate in den radelnden Söhnen offensichtlich verdampfen und wie schnell die mitgebrachten Snacks in Brotdosen aufgebraucht sind.

          Und so kommt es zur eingangs beschriebenen Szene. Die Bereitstellung von Mittagessen wird nicht nur eine Frage des Genusses, sondern eine, die über Wohl und Wehe des gesamten Ritts entscheidet.

          Für Zweirad-Philosophie ist keine Zeit mehr

          Eben noch haben sich die Väter daran erfreut, dass die Route keinerlei Navigation erfordert, der Asphalt widerstandsarmes Rollen ermöglicht und die Söhne eifrig bei der pedalierenden Sache sind. Sie haben in Erinnerungen geschwelgt, wann sie von ihren Vätern einst zu Radtouren mitgenommen worden sind. Wann diese gelangen und wann und warum sie manchmal scheiterten. An Überforderung natürlich. Die Väter wissen noch aus eigener kindlicher Erfahrung, dass eine kurze Phase der Schwäche, gepaart mit einer kleinen, sich vor dem Kinderlenker auftürmenden Steigung, das Aus bedeuten kann. Dass ein gut(gemeint)er Plan rasant erodieren kann, bis davon nur noch eine gescheiterte Expedition irgendwo in der Provinz übrig ist. Die Väter sind sich natürlich bewusst, dass sie die bislang eher auf urbane Kurzstrecken getrimmten Großstadtkinder auf neues Terrain schicken. Rund 60 Kilometer sind es entlang des Flüsschens von Nidda bis Frankfurt; allerdings mit einigen „Notausgängen“ in Form von Bahnhöfen nahe der Niddaroute. Die Gretchenfrage einer Radtour mit Kindern lautet: Wie weit können wir gehen beziehungsweise fahren?

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