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Tierplastiker August Gaul : Aus Liebe zu Löwen und Bären

Vor der Reise: Die Löwin, die in der Ausstellung zum 150. Geburtstag Gauls zu sehen war, ist derzeit in Bern. Bild: Cornelia Sick

Vor hundert Jahren starb der Tierplastiker August Gaul. Nicht nur in seiner Heimatstadt wird seiner gedacht, auch in Bern gibt es eine große Ausstellung, an der sich das Museum Großauheim mit Leihgaben beteiligt.

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          Der Bildhauer August Gaul gilt als der bedeutendste Tierplastiker der Moderne. Ihrem berühmten Sohn widmet die Stadt eine Abteilung im Museum des Stadtteils Großauheim, in dem Gaul im Jahr 1869 geboren wurde. Das Museum, das neben Relikten der Industrie- und Agrargeschichte Hanaus auch auf einer Etage Werke von Gaul zeigt, ist ein wenig abgelegen und hat begrenzte Öffnungszeiten, obwohl dort wahre Schätze des Meisters zu sehen sind. Nun bekommen zumindest vier bedeutende Werke von Gaul vorübergehend eine große Bühne, denn die Städtischen Museen Hanau überlassen dem Kunstmuseum Bern die Bronzeplastiken „Große stehende Löwin“, „Zwei sitzende junge Bären“, „Trompetender Elefant“ sowie ein Gipsmodell der Plastik „Ausschlagender Esel“ als Leihgabe.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Alle vier wurden Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffen und gehören zum Bestand des Großauheimer Museums. Nach Bern gehen zudem Grafiken und Skizzenbücher des Künstlers. Die Stadt sei damit wichtiger Leihgeber einer der größten international beachteten Ausstellungen nach der Pandemiepause in Europa, stellen die Städtischen Museen fest. Mit der Ausstellung „August Gaul. Moderne Tiere“ vom 4. Juni bis 24. Oktober wolle das Berner Kunstmuseum, das neben Hanau und Leipzig eine der größten und wichtigsten Sammlungen des Tierplastikers besitzt, das Werk Gauls in seinem hundertsten Todesjahr unter einer kulturhistorischen Perspektive beleuchten und zudem das Verhältnis zwischen Mensch und Tier thematisieren.

          Hanau sei stolz auf die Anfrage aus Bern. Mit den Leihgaben werde die internationale Bedeutung der Hanauer Sammlung deutlich, so dass neue Besucher ihren Weg in den Geburtsort Gauls finden könnten, sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD).

          Ehrenplatz für die Bronzelöwin

          Das größte Objekt, die lebensgroße Löwin aus Bronze, zählt nicht nur künstlerisch zu den eindrucksvollsten Arbeiten Gauls in Hanau, sie besitzt für viele Großauheimer auch eine emotionale Komponente. Für eine Ausstellung zum hundertsten Geburtstag Gauls in der Sparkasse wurde die Löwin von der damaligen Stadt Großauheim mit Unterstützung des Landes Hessen und einer viel beachteten Spendenaktion von Bürgern aus dem Besitz der Berliner Industriellenfamilie Arnhold erworben. Zunächst stand die Skulptur auf dem Rochusplatz in Großauheim und danach im Parkgelände des Alten Friedhofs in direkter Nachbarschaft zum Museum.

          Junge Bären (1903/04), Skulptur von August Gaul
          Junge Bären (1903/04), Skulptur von August Gaul : Bild: Michael Kretzer

          Seit dem großen Museumsumbau im Jahr 2010 besitzt sie einen Ehrenplatz in der Gaul-Abteilung. Mit der großen Löwin gelang Gaul dem Museum zufolge der künstlerische Durchbruch bei der dritten Ausstellung der Berliner Sezession im Jahr 1901, deren Mitbegründer Gaul war. Sie sei damals „eine unerhörte Variante auf das Motiv des machtsymbolisch-imperial aufgeladenen männlichen Löwen“ gewesen, so die Städtischen Museen. Mit der Skulptur habe Gaul überdies eines der bedeutendsten plastischen Werke zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffen und wegweisend auf die Bildhauerei der Moderne eingewirkt. In der Folge erhielt Gaul den Auftrag für einen monumentalen Steinlöwen in doppelter Lebensgröße, den er für den Verleger Rudolf Mosse anfertigte. Die Städtischen Museen Hanau stellen dazu dem Kunstmuseum Bern eine wandfüllende Abbildung zur Verfügung.

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