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Tierforschung im Opel-Zoo : Leben wie im Fünf-Sterne-Spa

Jennifer Gübert bei der Arbeit: Vieles, was Doktoranden der Zoobiologie über die Tiere im Opel-Zoo lernen, geht auf ausdauernde Beobachtung zurück. Bild: Foto: Archiv Opel-Zoo

Der Opel-Zoo ist nicht nur bei Tierfreunden beliebt, er dient Studenten auch als Lernort. Dabei gewinnen sie manch neue Erkenntnis – etwa über den Schlaf der Giraffen.

          Wenn Jennifer Gübert bei den Erdmännchen Kot aufsammelt oder mit ihrem Tablet stundenlang am Giraffengehege steht, ist dies aus Sicht der Besucher des Opel-Zoos vielleicht ein seltsames Gebaren. Sie können ja auch nicht wissen, dass sie eine der zehn Doktoranden der Zoobiologie im Fachbereich Biologiewissenschaften der Frankfurter Goethe-Universität bei einer europaweit einzigartigen Forschungstätigkeit erleben: Die Studenten erkunden seit fünf Jahren das Verhalten der Zootiere im Vergleich zum Leben in freier Wildbahn.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Die Finanzierung dieser Stiftungsprofessur für weitere fünf Jahre hat der Vorstand der „Opel Hessische Zoostiftung“ jetzt bewilligt. Es sei ein großes Engagement, das eine Million Euro koste, sagte der Vorstandsvorsitzende Gregor von Opel. Von einem Beitrag von fundamentaler Bedeutung für Forschung und Lehre sprach Simone Fulda, Vizepräsidentin für Forschung und akademische Infrastruktur der Goethe-Universität. Die Feldforschung öffne neue Perspektiven und fördere den Nachwuchs, außerdem seien viele der von den 300 jungen Wissenschaftlern zusammengetragenen Erkenntnisse unbekannt gewesen.

          In modernen Zoos lebten die Tiere „wie in einem Fünf-Sterne-Spa“, sagte Zoodirektor Thomas Kauffels. Dennoch müssten die Gehege allesamt gegen ein schlechtes Image in der Öffentlichkeit und fehlgeleitete Tierschützer ankämpfen. Dabei lebe ein 60 Jahre alter Delfin mit jeder Menge Enkeln und Urenkeln in einem Zoo, habe der Zebrahengst im Kronberger Tiergehege viel mehr Platz und weniger Stress als sein Artgenosse in freier Wildbahn.

          Künstliche Intelligenz im Opel-Zoo

          Die Grundlagenforschung und die Untersuchungen der Studenten erbrächten leider erst jetzt die Fakten, die nötig seien, um oft irrational argumentierenden Kritikern fundiert begegnen zu können, sagte Kauffels. Die „Forschung durch Beobachten“ habe im Opel-Zoo eine lange Tradition, berichtete Opel. Schon der frühere Direktor des Frankfurter Zoos, Bernhard Grzimek, habe sich für die Kronberger Tiere interessiert, weil sie direkt aus Afrika gekommen seien. Er habe sie auch für seine Studien in den Blick genommen.

          Auf Beobachtung stützen sich auch die zehn Doktoranden, die sich mit der Zootierhaltung beschäftigen, wie Paul Dierkes, Inhaber des Lehrstuhls für Zootierbiologie, sagte. Das Wohlergehen der Tiere werde durch die Studien nicht beeinträchtigt. Ihr Verhalten werde per Video aufgezeichnet und anschließend computergestützt an der Universität analysiert. Inzwischen sei eine Tablet-gestützte Software entwickelt worden, mit deren Hilfe die Aufzeichnung und Auswertung von Daten vereinfacht werde und die den direkten Vergleich von Datensätzen unterschiedlicher Beobachter erlaube. Zudem könne man Tierlaute mit Hilfe einer speziellen Software analysieren. Sogar künstliche Intelligenz helfe unterdessen, das gefilmte Verhalten der Tiere automatisch in einzelne Verhaltenskategorien einzuteilen, erläuterte der Stiftungsprofessor.

          Allein in diesem Jahr beruhten fünf Arbeiten im Masterstudium auf Forschungen am „Lernort und Freilandlabor“ Kronberg. Die jungen Wissenschaftler untersuchten zum Beispiel den Schlaf von Giraffen anhand von 3000 Stunden Videomaterial, sie sammelten Kot, um die Darmflora von Tieren genetisch zu analysieren. Viele Resultate seien erhellend gewesen, sagte Dierkes. So wisse man nun, dass Giraffen im Opel-Zoo nicht schlechter schliefen als freilebenden Artgenossen in Namibia. Allerdings gibt es Ausnahmen: Ältere Giraffen und Muttertiere haben mehr Probleme mit dem Schlafen – eigentlich ganz so, wie es bei Menschen auch der Fall ist.

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