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Corona-Loch in der Kasse : Tiefschlag für den Nahverkehr

  • -Aktualisiert am

Krisen-Verlierer: Der öffentliche Verkehr büßt Fahrgäste ein und Abermillionen Euro, so auch der RMV Bild: dpa

Wegen der Pandemie liegen die RMV-Einnahmen um 250 Millionen Euro unter den ursprünglichen Erwartungen. Der RMV-Chef hebt aber hervor: „Der ÖPNV ist kein Corona-Hotspot.“

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          Die Corona-Krise hat den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) schwer getroffen. Die Auslastung von Bussen und Bahnen beträgt nach Angaben von RMV-Geschäftsführer Knut Ringat derzeit nur noch 40 Prozent des Wertes vor der Pandemie. Die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf lagen seinen Worten zufolge im vergangenen Jahr mit 750 Millionen Euro um 250 Millionen unter der angestrebten Summe. Er rechne damit, dass Fahrgastzahlen und Einnahmen in diesem Jahr sogar lediglich 70 Prozent der Werte von 2019 erreichen würden; für die beiden folgenden Jahre – 2021 und 2023 – erwarte er dann 80 beziehungsweise 90 Prozent. Das seien betont vorsichtige Schätzungen, hob Ringat hervor, aber mit einer schnellen Erholung sei nach derzeitigem Stand kaum zu rechnen.

          Ralf Euler
          (ler.), Rhein-Main-Zeitung

          Mit dem ersten Lockdown im März vergangen Jahres war die Auslastung der Busse und Bahnen sogar auf 30 Prozent der üblichen Zahlen gefallen. Nach einem zwischenzeitlichen Wiederanstieg auf 62 Prozent im September folgte mit dem zweiten Lockdown im Dezember ein abermaliger Einbruch. Dank der Finanzhilfen von Bund und Land habe der Einnahmerückgang beim RMV im vergangenen Jahr vollständig ausgeglichen werden können, sagte Ringat. Auch für 2021 erwarte er ausreichende Kompensationszahlungen, schließlich werde der öffentliche Nahverkehr als systemrelevant eingestuft.

          Weg von Auto und Flugzeug

          Corona werde die Welt verändern, sagte Ringat, aber nicht den Bedarf an öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Pandemie sei kein Grund, die angestrebte Verkehrswende – weg von Auto und Flugzeug, hin zu Bus und Bahn – zu verzögern oder gar ganz aufzugeben, stellte Ringat klar. Durch die Corona-Einschnitte habe sich die Stickstoffdioxidbelastung in hessischen Städten im Schnitt um 35 Prozent verringert. Eine dauerhafte Reduzierung lasse sich aber nur durch den Ausbau des Bus- und Bahnangebots erreichen. „An einem starken ÖPNV führt auch nach der Pandemie kein Weg vorbei.“

          Dass von Samstag an in Bus und Bahn medizinische Masken getragen werden müssen, hält der RMV-Geschäftsführer für einen „absolut richtigen Schritt“. Um die Einhaltung der neuen Vorgabe zu erleichtern, würden mobile Teams des RMV von Montag an – zunächst in Frankfurt, dann möglichst bald auch in anderen Städten und Gemeinden – mit dem Verteilen Tausender unentgeltlicher OP-Masken und FFP2-Masken beginnen. Nach einer Übergangszeit sollen die Masken in den RMV-Vertriebsstellen dann zum Selbstkostenpreis abgegeben werden.

          Schweigepflicht im Nahverkehr?

          Über die Einführung einer Schweigepflicht im Nahverkehr, um die Verbreitung von Corona zu begrenzen, werde hinter den Kulissen diskutiert, sagte Ringat. Zumindest vorerst bleibe es jedoch bei dem Appell, in Bussen und Bahnen aus Rücksicht auf andere lieber zu schweigen und nichts zu essen oder zu trinken. Mit der Einhaltung der Maskenpflicht habe der RMV gute Erfahrungen gemacht. Seit Ausbruch der Corona-Krise seien fast eine Million Fahrgäste kontrolliert worden, 99 Prozent hätten dabei wie vorgeschrieben einen Mund-Nasen-Schutz getragen. Die Infektionszahlen bei Bus- und Bahnfahrern und Kontrolleuren lägen unter dem Durchschnitt der Bevölkerung. „Der ÖPNV ist kein Corona-Hotspot.“

          Trotz weiter verschärfter Corona-Regeln und zurückgehender Fahrgastzahlen will der RMV sein Angebot im üblichen Umfang aufrechterhalten. Ein positiver Effekt der nachlassenden Nutzerzahlen sei eine erhöhte Pünktlichkeit der Busse und Bahnen, konstatierte Ringat. „Das zeigt, welche Zuverlässigkeit erreichbar ist, wenn Auslastung und Infrastruktur besser zusammenpassen.“ Um die Nutzer auch nach Ende der Corona-Krise auf Dauer zufriedenzustellen, seien daher anhaltend hohe Investitionen in Verkehrswege und Fahrzeuge erforderlich.

          Für Mitte des Jahres kündigte der Geschäftsführer eine Neuauflage der RMV-App an, die den Ticketkauf erleichtere und dem Nutzer Informationen über die Auslastung von Zügen biete. Auf längere Sicht sollten über die App nicht nur Tickets für Bus oder Bahn, sondern auch Taxi, Mietauto oder Leihfahrrad für die Weiterfahrt bis vor die Haustür gebucht werden können. Zudem will der RMV den Einsatz führerloser Shuttle-Busse vorantreiben. Solche autonomen Fahrzeuge sollen demnächst – ohne einen Operator, der im Notfall eingreifen könnte – auf einem Betriebsgelände der Verkehrsgesellschaft Frankfurt getestet werden. In Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis sollen autonome Fahrzeuge vom Frühjahr an zudem erstmals im öffentlichen Verkehr zum Einsatz kommen. Noch in diesem Jahr will der RMV Machbarkeitsstudien für die Regionaltangenten Ost und Süd in Auftrag geben, die Teil eines Schienenrings um Frankfurt werden sollen.

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