https://www.faz.net/-gzg-a36ct

36 Jahre in der Suchthilfe : „Keiner kommt süchtig auf die Welt“

  • -Aktualisiert am

Michael Schwind vor dem Verwaltungsgebäude des Therapiedorfs Bild: Marcus Kaufhold

Michael Schwind war ein Kämpfer für ein drogenfreies Leben. Tausende Patienten hat der Leiter der Therapieeinrichtung Villa Lilly im hessischen Bad Schwalbach kommen und gehen sehen. Nun geht er.

          3 Min.

          Michael Schwind hat die Beine übereinandergeschlagen und die Hände verschränkt. Er sitzt in seinem Büro in der Villa Lilly, und um ihn herum stehen halbgepackte Kisten. „Ich bin sehr zufrieden, ich fühle mich gut“, sagt er. Der Vierundsechzigjährige blickt auf 36 Jahre Arbeit mit Menschen zurück, die in der Hölle der Drogensucht gefangen waren. Schwind und sein Team konnten nicht alle befreien, aber von den etwa 7000 Patienten, die seit 1987 Hilfe und Schutz suchten, hat Schwind nach eigener Schätzung etwa 3500 mit einer „guten Sozialprognose“ aus der Bad Schwalbacher Therapieeinrichtung wieder ins Leben zurückgeschickt. Männer und Frauen aus allen Nationen bekamen im Untertaunus ihre zweite Chance.

          Im Oktober wird der Leiter der Villa Lilly, die vom Frankfurter Verein für Jugendberatung und Jugendhilfe getragen wird, in den Ruhestand gehen. Im Gespräch vermittelt er den Eindruck eines Mannes, dem das Leben und das Schicksal seiner Patienten noch immer am Herzen liegen. Schwind wirkt gelassen, aber keinesfalls gleichgültig. Das mag auch daran liegen, dass der gebürtige Wertheimer Menschen und Schicksale erlebte, für die das Adjektiv „ungewöhnlich“ noch zurückhaltend formuliert ist. „Der älteste Patient, den wir hier hatten, war ein 65 Jahre alter Fremdenlegionär“, erinnert sich Schwind. „Aufgrund einer Kriegsverletzung kam er mit Morphium in Kontakt und blieb beim Heroin hängen.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          F.A.Z. PLUS:

            F.A.Z. digital

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Die Intensivstationen in Brasilien sind voll.

          Mutante in Brasilien : Ein Schreckgespenst mit dem Namen P.1

          Die Intensivstationen in Brasilien sind zu mehr als der Hälfte mit Patienten unter 40 Jahren belegt. Der rasche Anstieg der Infektionen könnte mit der Mutante P.1 zusammenhängen – auch zuvor bereits Infizierte sind nicht sicher.
          Schule ganz anders: Ein Lehrer unterrichtet am Laptop.

          Schule in der Pandemie : Lehrer als Blitzableiter

          Bei vielen Eltern liegen die Nerven blank. Der große Frust von Müttern und Vätern richtet sich auch gegen die Lehrer. Was den Männern und Frauen an der Schulfront mehr helfen würde als Kritik.