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Terror in Madrid : Spuren aus Madrid führen nach Darmstadt

  • Aktualisiert am

In diesem Darmstädter Haus ermittelte die Polizei Bild: dpa/dpaweb

Wegen der Anschläge von Madrid wird auch gegen einen in Darmstadt gemeldeten Marokkaner ermittelt. Das bestätigt Generalbundesanwalt Kay Nehm. Der 11. März sei aber nicht in Deutschland geplant worden.

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          Im Zusammenhang mit den Bombenanschläge in Spanien ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen einen in Deutschland gemeldeten Marokkaner wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Das teilte Generalbundesanwalt Kay Nehm am Freitag in Karlsruhe mit.

          Aufgrund der bisherigen Ermittlungen könne aber er nicht bestätigen, daß die Anschläge in der spanischen Hauptstadt in Deutschland vorbereitet worden seien. Der Marokkaner sei 28 Jahre alt und seit Oktober 2003 polizeilich in Darmstadt gemeldet. Er habe sich im Herbst 2003 allerdings nur für einige Tage in Deutschland aufgehalten.

          Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios handelt es sich um einen der nach den Anschlägen in Spanien festgenommenen Marokkaner, der sich nur eine Woche in Deutschland aufgehalten und sich an der TU Darmstadt für ein Studium der Elektrotechnik interessiert haben. Andere Quellen sprachen zuvor davon, der Marokkaner habe jahrelang in Deutschland gelebt. Unter Berufung auf Kreise des Bundesnachrichtendienstes (BND) und des Bundeskriminalamts (BKA) wurde von zwei oder drei Verdächtigen berichtet.

          Ermittlungen bestätigt

          Die Bundesanwaltschaft hat auch Durchsuchungen in Darmstadt am Donnerstag abend in Zusammenhang mit den Madrider Anschlägen bestätigt. Anwohner berichteten, gegen kurz nach 22 Uhr sei die Wohnungstür einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Innenstadt von Darmstadt aufgesprengt worden. Bis tief in die Nacht hätten etwa zehn Beamte die Wohnung durchsucht. Bei dem Mietter soll es sich um einen Bekannten des Tatverdächtigen gehandelt haben. Dabei seien aber keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gefunden worden, hieß es bei der ARD. Spuren aus Spanien sollen auch in andere deutsche Bundesländer geführt haben.

          Weitere Verhaftungen

          Bei den Bombenanschläge auf vier Vorortzüge in Madrid waren 189 Menschen getötet worden, mehr als 1.500 wurden verletzt. In der spanischen Hauptstadt hatte das Innenministerium am Donnerstag die Festnahme weiterer fünf Verdächtiger der Anschläge vom 11. März bestätigt. Nach den neuen Festnahmen befinden sich 18 Verdächtige in Polizeigewahrsam, darunter sollen 13 Marokkaner, zwei Inder und auch Syrer sein.

          Marokkanische Terrorexperten nehmen an, daß der Befehl zu den Anschlägen von dem Jordanier Abu Musab Zarqawi ausgegangen sein könnte. Der Gefolgsmann des Führer der Al-Qaida, Usama bin Ladin, soll sich zurzeit im Irak an bewaffneten Aktionen gegen die Besatzungstruppen beteiligen.

          Als Mittelsmann zwischen Zarqawi und dem Terrorkommando in Madrid könnte der auch Abdelkarim Mejjati fungiert haben. Der 36j Jahre alte Marokkaner soll an den Anschlägen im Mai 2003 in Casablanca mit 45 Toten beteiligt gewesen und anschließend untergetaucht sein.Der „afghanische“ Marokkaner

          Zeitung: Spaniens Geheimdienste mißachteten Warnungen

          Eine marokkanische Zeitung berichtet, marokkanische Behörden hätten der spanischen Seite nach den Selbstmordattentaten von Casablanca im Mai 2003 eine Liste von 16 in Spanien lebenden Marrokanern aus dem Umfeld des Al-Qaida-Netzwerks zukommen lassen. Nach Angaben des „Aujourd'hui le Maroc“ am Freitag wurden daraufhin nicht überwacht.

          Wegen der Spannungen in den bilateralen Beziehungen habe die Regierung von José María Aznar keine Zusammenarbeit zwischen Madrid und Rabat im Sicherheitsbereich gewünscht, hieß es in dem Bericht. Sie habe die spanischen Dienste stattdessen eher zur „Spionage gegen Marokko“ ausgerichtet. Auch vor Monaten eingegangenen Hinweise auf den nach den Madrider Bombenattentaten in Spanien festgenommenen Marokkaner Jamal Zougam seien ignoriert worden. Das gelte auch für den unter anderem von der amerikanischen Bundespolizei FBI gesuchten Marokkaner Karim Mejatti.

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