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Terror in Hanau : Angehörige von Opfern entsetzt über Filmprojekt

  • Aktualisiert am

Die Namen der Opfer von Hanau, gezeigt vom Kino International in Berlin. Bild: AFP

Vor gut einem Jahr erschoss der Deutsche Tobias R. neun Menschen aus rassistischen Motiven in Hanau. Die Tat, die bundesweit Entsetzen auslöste, wird jetzt verfilmt. Stadt und Opfer-Familien sind fassungslos.

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          Die Stadt Hanau und die Opfer-Familien haben mit Empörung auf ein Filmprojekt des Regisseurs Uwe Boll zu dem rassistisch motivierten Anschlag mit neun Toten vor gut einem Jahr reagiert. „Wir alle – die Familien der Opfer, der Magistrat sowie die Stadtverordnetenvorsteherin und die Fraktionen – fordern Sie mit Nachdruck auf, die Vorbereitungen sofort einzustellen und auf die Dreharbeiten zur Realisierung dieses Films zu verzichten“, hieß es in einem offenen Brief an Boll, den die Stadt Hanau am Freitag veröffentlichte. Unterzeichnet wurde er neben den Opferfamilien unter anderem von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über das Filmprojekt berichtet.

          Boll verteidigte das Vorhaben am Freitagabend. Er stehe damit auf der Seite der Opfer und wolle zu der geforderten Aufklärung der Ereignisse beitragen, sagte der Regisseur der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es sei nachvollziehbar, wenn das Thema emotional belastend sei. Er sei auch der Auffassung, „dass der Film nicht unbedingt von den Familien der Opfer angesehen werden sollte“, so Boll. Der Anschlag habe aber wieder verdeutlicht, welche Gefahren der wachsende Rechtsextremismus und zunehmende Verschwörungstheorien bergen, deshalb sei es wichtig, das Thema aufzugreifen. Der Film sei bereits gedreht und dürfte in einigen Monaten fertiggestellt sein.

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