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628 Neuinfektionen in Hessen : Astra-Zeneca-Termine verfallen oft

Schule mit Maske: Wird es nach den Ferien noch Präsenzuntericht geben? Bild: dpa

Jeder vierte Impftermin in Wiesbaden wird weder genutzt noch abgesagt. Das Corona-Kabinett informiert am Abend vermutlich über die Fortsetzung des Schulunterrichts nach den Ferien. In Baunatal beginnt derweil der Modellversuch.

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          Innerhalb eines Tages ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Hessen um 628 gestiegen. Das geht aus Daten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag hervor. Die landesweite Inzidenz, also die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 7 Tagen, stieg von 138,7 am Vortag auf 141,5.

          Daniel Meuren
          (dme.), Rhein-Main-Zeitung

          Welche Konsequenzen die aktuelle Entwicklung für das Bundesland nach sich zieht, wird sich am Abend weisen: Gegen 18 Uhr will Ministerpräsident Volker Bouffier über die Ergebnisse der Sitzung des Corona-Kabinetts informieren. Da Bouffier von Kultusminister Alexander Lorz begleitet wird, dürfte es auch um Regelungen für den Schulunterricht für die Zeit nach Ende der Ferien in der kommenden Woche gehen.

          Unbeliebtes Astra-Zeneca

          Indes meldet die Stadt Wiesbaden auf Anfrage der dpa, dass jeder vierte Impftermin nicht wahrgenommen werde, wobei fast alle (95 Prozent) nicht vorher abgesagt würden. Bei einer Stornierung werde als Grund meistens genannt, dass für die Impfung das Vakzin von Astra-Zeneca vorgesehen war. Jedoch gebe es mittlerweile eine Notfallliste, damit kein Impfstoff ungenutzt bleibe, erläuterte die Stadtverwaltung. Außerdem werde die Terminplanung täglich nachgesteuert. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg hatte vergangene Woche Ähnliches berichtet. Dort hieß es, 40 bis 50 Prozent der Astra-Zeneca-Impftermine würden nicht wahrgenommen. Auch dort wurde oft nicht abgesagt.

          Der Kreis Gießen hat zur Vermeidung von Impfstoff-Verlusten ein Online-Buchungsportal namens „Impfbrücke“ freigeschaltet. Dort sollen abgesagte Termine schnell und unkompliziert neu vergeben werden. Das Angebot gilt für Personen, die zur ersten oder zweiten Priorisierungsgruppe gehören und sich bereits beim Terminvergabeportal des Landes Hessen registriert haben. Seit Sonntag ist eine Anmeldung möglich. Die Resonanz sei „ausgesprochen gut“, berichtete ein Kreissprecher der dpa. Innerhalb weniger Minuten nach dem Start seien 480 Termine vergeben worden. Verabreicht wird derzeit ausschließlich der Stoff von Astra-Zeneca.

          Ramadan beginnt

          Eine besondere Herausforderung wartet derweil von Dienstag an auf gläubige Muslime: Der Ramadan beginnt. Auch in den Moscheen werden zwar coronabedingt Besucherbeschränkungen gelten, zumindest aber sollen Gebetszeiten nicht vollkommen verhindert werden. In Frankfurt betonte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Wochenende, dass er bei jüngsten Besuchen hoch erfreut gewesen sei über die Umsetzung der Hygieneregeln in Moscheen. „Bei meinen letzten Besuchen in Frankfurter Moscheegemeinden habe ich mit großer Freude beobachtet, wie engagiert und konsequent die Ehrenamtlichen die Corona-Einschränkungen vor Ort umsetzen“, sagte Feldmann. Inwiefern Ausgangssperren den Moscheebesuch verhindern, wird sich in Kommunen mit entsprechender Regelung weisen.

          In der nordhessischen Stadt Baunatal ist unterdessen das Modellprojekt zur Erprobung von Öffnungsschritten angelaufen. In einem festgelegten Bereich in der Innenstadt öffneten zunächst Einzelhandelsgeschäfte sowie die Außengastronomie. Das Kino darf am 15. April loslegen. Die Angebote können zunächst allein Baunataler Bürger nutzen, wenn sie einen tagesaktuellen, negativen Corona-Test vorweisen können. Das Land Hessen hatte drei Kommunen ausgewählt, die zeitlich befristet Lockerungen testen können. Neben Baunatal (Kreis Kassel) gehört dazu auch die Stadt Alsfeld. Das Vogelsberg-Städtchen hatte bereits am Donnerstag losgelegt.

          Die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, lag am Montag nach Angaben des Robert Koch-Instituts im Kreis Kassel bei 118,3, im Vogelsbergkreis bei 189,3 und im Kreis Darmstadt-Dieburg bei 98,0. In den hessischen Regionen wiesen die Landkreise Hersfeld-Rotenburg (248,5) und Fulda (242,9) die höchsten Werte auf. Nur sechs von 26 Kommunen lagen unter dem Wert von 100, eine wichtige Schwelle für mögliche strengere Corona-Regeln.

          Links des Rheins liegt der Wert in Mainz derweil bei 152. Dort haben die Schulen bereits wieder seit mehreren Tagen geöffnet, von dieser Woche an soll bei jenen Klassen, die im Präsenzunterricht sind, zweimal in der Woche getestet werden.

          Viele Intensivbetten belegt

          Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden, stieg den Angaben zufolge binnen eines Tages um 7 auf insgesamt 6488. Seit Beginn der Pandemie wurden in Hessen 233.812 Infektionen registriert.

          Auf den Intensivstationen hessischer Krankenhäuser lagen nach Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin von Montag 414 Covid-19-Patienten, von denen 197 beatmet wurden. 1700 von 1936 verfügbaren Intensivbetten waren belegt, auch von Menschen mit anderen Krankheiten.

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