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Tempolimits : Großer Feldberg bleibt Ziel für Zweiradfahrer

Kurvenlage: Im Taunus bleiben Motorradfahrer weiterhin als Gäste erwünscht. Doch zum Schutz der Piloten und gegen die Lärmbelästigung der Anwohner haben die Kommunen Geschwindigkeitsbeschränkungen verhängt. Dies trifft vor allem die gefährlichen Kurven. Bild: Franz Bischof

Auf vielen Strecken im Taunus bremsen inzwischen zusätzliche Tempolimits die Motorradfahrer. An eine generelle Sperrung ist nicht gedacht.

          Wenn die Frühlingssonne an Kraft gewinnt, merken dies viele Einwohner von Schmitten nicht nur an der lauen Luft. Sie können es vor allem an den Wochenenden auch hören. Im Gemeindegebiet liegt die höchste Erhebung des Taunus, und den haben die Schmittener nicht für sich. Mit dem Auto, dem Motorrad, dem Fahrrad und zu Fuß zieht es Menschen aus der ganzen Region bei schönem Wetter auf den Großen Feldberg. Insbesondere an den Motorradfahrern stören sich manche Anwohner wegen des Lärms der Maschinen und deren Leistungsfähigkeit, die selbst auf den engen Straßen hohe Geschwindigkeiten zulässt. Obwohl immer wieder schwere Unfälle ihre Sorgen zu bestätigen scheinen, werden die Straßen im Taunus nicht für Motorradfahrer gesperrt: „Im Grundsatz soll das Feldberggebiet für alle Nutzer zugänglich bleiben“, sagte Landrat Ulrich Krebs (CDU) gestern.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Vertreter von Kreis, Kommunen, Polizei und Straßenbauverwaltung befassten sich seit dem vergangenen Jahr mit der Verkehrssituation rund um die höchste Erhebung des Mittelgebirges. Das Ergebnis ist eine Reihe von zusätzlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen. Zwar ist für Zweiradfahrer seit Februar die Strecke zwischen Rotem Kreuz und dem sogenannten Sprungbrett kurz unterhalb des Feldbergplateaus gesperrt. Grund sind jedoch allein Schlaglöcher und tiefe Risse in der Fahrbahn als Folge des strengen Winters. Nach Worten von Bernhard Külzer, Sprecher des Amts für Straßen- und Verkehrswesen in Frankfurt, wird die Straße frühestens 2011 saniert.

          „Tempo 80 wäre hier nicht zu vermitteln“

          Über den Sandplacken können Motorradfahrer inzwischen wieder zum Gipfel gelangen. Auch dieser Abschnitt war vorübergehend für motorisierte Zweiradfahrer offiziell tabu, doch der Belag wurde kurzfristig ausgebessert. Während es ein generelles Fahrverbot für Motorräder also nicht geben wird, stehen die mehr als 20 Schilder mit neuen Tempolimits schon. Auf den meisten freien Strecken dürften nur noch höchstens 80 Stundenkilometer gefahren werden, erläuterte Thomas Dietrich, stellvertretender Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes der Polizeidirektion. An Einmündungen, aber auch an Gefahrenstellen wie Parkplätzen, gelte meist Tempo 60. Ein Beispiel ist der Parkplatz Teufelsquartier unterhalb des Feldbergplateaus. Unverändert blieb die Regelung an der Großen Kurve, wegen der Schräglage der Motorradfahrer und dem an Wochenenden anzutreffenden Publikum auch Applauskurve genannt. Dort musste die Geschwindigkeit schon bisher auf zunächst 70 und dann 50 Stundenkilometer in der eigentlichen Kurve verringert werden.

          Deutliche Beschränkungen gibt es unter anderem zwischen dem Glashüttener Ortsteil Oberems und der Kittelhütte, wo nur noch 60 Stundenkilometer gefahren werden dürfen. Im weiteren Verlauf lassen die engen Kurven wesentlich höhere Geschwindigkeiten auch kaum zu. Auf dem Sandplacken gilt Tempo 70. Eine wichtige Ausnahme bildet die sogenannte Kanonenstraße zwischen Oberursel-Hohemark und der Großen Kurve: Hier stehen keine zusätzlichen Schilder, es gilt also nur die allgemeine Obergrenze von 100 Stundenkilometern für Landstraßen. „Tempo 80 wäre hier nicht zu vermitteln“, sagte der Erste Stadtrat von Oberursel, Dieter Rosentreter (FDP). Die Straße sei breit und gut einsehbar. Außerdem: Wer sich nicht an Tempo 100 halte, beachte auch ein niedrigeres Limit nicht.

          Zum Ausfahren auf die Rennstrecke

          Nachvollziehbar sollen die neuen Beschränkungen nach Ansicht des runden Tischs sein. Außer Gefahrenstellen wurden auch Unfallschwerpunkte berücksichtigt. „Wir wollten nicht einfach alles regulieren“, hob der Leiter des Regionalen Verkehrdienstes, Peter Schubert, hervor. 36 Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern zählte die Polizei im vergangenen Jahr im Feldberggebiet. Dabei starben zwei Menschen, 17 wurden schwer und ebenso viele leicht verletzt.

          Wer seine Maschine ausfahren wolle, dem empfahl der Schmittener Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) den Weg zu einer Rennstrecke. Am Feldberg gehe es um Naherholung. Es gebe sicher viele verständnisvolle Motorradfahrer, aber es sei Sache der Polizei, den Unvernünftigen den Spaß mit Kontrollen zu verderben. Kinkel kündigte an, vom 1. Mai an werde die Gemeinde mit Hilfe eines privaten Dienstes auch stärker gegen das wilde Parken auf dem Plateau vorgehen. Axel Bangert (SPD), Bürgermeister des benachbarten Weilrod, war zufrieden, dass eine Sperrung von Strecken vermieden worden sei. Motorradfahrer seien als Gäste für die Gemeinde wichtig.

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