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Tempo 30 : Zwar leiser, aber nicht sauberer

Bald mit festem Blitzer: Ob sich alle an das Tempolimit auf der Rheinachse in Mainz halten, wird kontrolliert. Bild: Stefanie Ehl

Tempo 30 auf der Rheinachse beschert den Anwohnern zwar seit Juli weniger Verkehrslärm in Mainz. Positive Auswirkungen auf die Luftqualität lassen sich dagegen noch nicht belegen.

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          Seitdem fast auf der gesamten Rheinachse, einer der wichtigsten und dementsprechend stark befahrenen Mainzer Verkehrsverbindungen, ganztägig Tempo 30 gilt, ist es für Anwohner merklich ruhiger geworden. An der eigens zu Kontrollzwecken eingerichteten Messstelle auf dem Balkon einer Privatwohnung in der Nähe des alten Fachhochschulgebäudes sei etwa im Juli eine deutliche Senkung des Dauerschallpegels um bis zu 3,0 Dezibel im Vergleich zum Vorjahr festgestellt worden, sagte die zuständige Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Die Grünen) am Mittwoch der F.A.Z. Konkret sank der Wert dort von 70,6 auf 67,6 dB(A).

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Ein so deutlicher Rückgang, wie er für die Rheinachse in der Altstadt tagsüber zwischen 6 und 22 Uhr nun nachgewiesen worden sei, werde von den betroffenen Anwohnern „als Halbierung der Verkehrsmenge“ empfunden. Wodurch sich laut Eder eindeutig und erstmalig für Mainz belegen lässt, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen in Innenstädten nachweislich zu einer erheblichen Lärmverringerung führten.

          Für verbindliche Aussagen zu den Auswirkungen auf die Luftqualität, die mit Hilfe des von der Stadt im Sommer verhängten Tempolimits ebenfalls verbessert werden sollte, sei es dagegen zu früh, sagte Eder. Dafür brauche man noch einige Daten mehr, die weiterhin an verschiedenen Stellen in der City erhoben würden. Dessen ungeachtet zeigt sich die Dezernentin optimistisch, dass die vielfältigen Anstrengungen zur Luftreinhaltung, auf die Mainz inzwischen verweisen könne, wohl auch vom Oberverwaltungsgericht in Koblenz gewürdigt werden.

          Deutsche Umwelthilfe fordert Diesel-Fahrverbot

          Die Richter müssen sich nächste Woche abermals mit einer Klage der Deutschen Umwelthilfe auseinandersetzen. Sie fordert in letzter Konsequenz die Einführung eines Diesel-Fahrverbots, wenn der europaweit geltende Grenzwert für Stickstoffdioxid in Höhe von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft in der Stadt weiterhin überschritten wird. Als Reaktion auf die zu hohen Messwerte hat die Kommune unter anderem ältere Busse nachgerüstet oder ganz aus dem Verkehr gezogen, zusätzliche Radrouten und -wege geschaffen und mittlerweile fast die ganze City zur Tempo-30-Zone erklärt.

          Bis Ende Juni galt eine entsprechende Geschwindigkeitsbeschränkung auf Teilen der Rheinachse nur in den Nachtstunden; was laut der jetzt vom Stadtplanungs- und dem Umweltamt vorgelegten Studie aber auch schon eine Lärmreduzierung um 0,9 Dezibel gebracht habe. Den seit Sommer zu beobachtenden Rückgang um ganztägig etwa drei Dezibel im Vergleich zu 2019 hält Eder für einen nicht wegzudiskutierenden Erfolg. Und dieses Ergebnis dürfte ihrer Meinung nach nicht zuletzt für andere Kommunen interessant sein: „Wenn man bedenkt, wie aufwendig es ist, etwa durch veränderte An- oder Abflugrouten auch nur einen Bruchteil dieses Wertes zu erreichen“, so die Grüne.

          Durch die Corona-Pandemie und den im Frühjahr verhängten Lockdown, der wiederum zu weniger Verkehr führte, sei die Untersuchung nicht entscheidend beeinflusst worden. Denn schon im Juni habe die Verkehrsbelastung auf Rheinstraße und Rheinallee mit mehr als 27.000 Fahrzeugen an Werktagen bei zirka 92 Prozent des vor der Krise üblichen Niveaus gelegen. Seit Einführung des Tempolimits waren übrigens rund 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer etwas zu schnell – mit einer Geschwindigkeit zwischen 36 und 41 Kilometern in der Stunde – auf dem Abschnitt zwischen Feuerwache und Winterhafen unterwegs. Worauf die Stadt reagieren will: zunächst offenbar mit mobilen Blitzern, später dann durch die Installation eines fest installierten Messgeräts.

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