https://www.faz.net/-gzg-zr3h

Technik-Depot : Gelbe Post-Käfer und alte Klappenschränke

Hier geht die Post nicht mehr ab: das Depot des Museums für Kommunikation in Heusenstamm Bild: Rainer Wohlfahrt

Fernschreiber, Telefone mit Drehscheibe, Schwarzweißkameras: Im Depot des Frankfurter Museums für Kommunikation in Heusenstamm werden rund 375.000 alte Technikobjekte aufbewahrt. Historische Postfahrzeuge lassen besonders Oldtimerfreunde jubeln. Ein Rundgang.

          Alternative Energien waren für die Post schon frühzeitig ein Thema: Seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vertraute die Deutsche Reichspost auch auf Elektroautos im typischen Gelb. In den Jahren 1938/39 waren bei ihr etwa 2600 mit Strom betriebene Fahrzeuge im Einsatz. In der Maschinenfabrik Esslingen wurde 1952 das Modell EL 2500 E gefertigt; das Elektrofahrzeug brachte es mit einer Motorleistung von 12,5 Kilowatt auf eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 28 Kilometern pro Stunde. Bis 1975 war es bei der Post in Freiburg im Einsatz.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Der Traditionsfarbe Gelb blieb die Post mit nur einer Unterbrechung treu: In den dreißiger Jahren wechselten Briefkästen, Telefonzellen und Fahrzeuge das Aussehen und präsentierten sich während der Jahre des Nationalsozialismus in einem kräftigen Rot, wie etwa ein Kleinlastwagen der Marke Bergmann belegt, der damals beim Zustellen von Paketen in der Stadt gute Dienste leistete.

          Motorisierte Schätze aus vergangenen Jahrzehnten

          Eine lange Geschichte hat ein Kastenlieferwagen des Typs 4 RL/K hinter sich, der 1930 von der Phänomen-Werke Gustav Hiller AG, Zittau, hergestellt und an die Reichspostdirektion Dresden ausgeliefert wurde. Fortan war er mit dem früheren amtlichen Kennzeichen RP 11.043 in Postdiensten unterwegs. 1938 wurde das Fahrzeug verkauft und vom neuen Eigentümer bis 1990 genutzt – zuletzt als Traktor im Gartenbau. Dafür war es um etwa einen Meter verkürzt worden und hatte die Hinterachse eines anderen Autos erhalten. Spuren davon sind heute nicht mehr zu erkennen; das Fahrzeug mit seiner makellosen gelben Lackierung wirkt gewissermaßen postfrisch: In einer aufwendigen Restauration gelang es, alle Eingriffe zu beseitigen und den „Phänomen“ komplett neu aufzubauen.

          Alte Postomnibusse stehen neben einem betagten gelben Volkswagen-Bus mit zwei Antennen auf dem Dach und der Aufschrift „DBP Funkmessdienst“. Gelbe VW Käfer haben ihren Platz neben Motorrädern der Deutschen Reichspost oder Mopeds gefunden, wie sie bis in die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts dem Postboten die Zustellung von Briefen erleichterten, wenn die Empfänger an der Peripherie der Städte – etwa auf Aussiedlerhöfen – lebten.

          Im Depot des Frankfurter Museums für Kommunikation in Heusenstamm werden motorisierte Schätze aus vergangenen Jahrzehnten aufbewahrt, die geeignet sind, das Herz von Oldtimerfreunden schneller schlagen zu lassen. Rund 15 000 Quadratmeter stehen seit dem Jahr 2000 im Gebäude des ehemaligen Fernmeldezeugamts an der Philipp-Reis-Straße für die Sammlungen zur Verfügung; vorher war das Depot auf verschiedene Standorte in Frankfurt und Heusenstamm verteilt. Aufbewahrt würden „typische Fahrzeuge, die das Straßenbild zu ihrer Zeit geprägt haben“, erläuterte Lioba Nägele, die als Referentin Sammlungen seit 2002 in Heusenstamm tätig ist.

          Briefkästen nach Berlin

          1872 hatte Generalpostmeister Heinrich von Stephan das Reichspostmuseum, das heutige Museum für Kommunikation, in Berlin gegründet, das zunächst in den Räumen der Post zu finden war, ehe ein Neubau entstand. 1898 wurde das Haus eröffnet; es gilt als das älteste Postmuseum der Welt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der größte Teil der Sammlung ausgelagert und bei Kriegsende von den Amerikanern nach Hessen gebracht. Dies bildete den Grundstock für das 1958 in Frankfurt gegründete Bundespostmuseum, das heutige Museum für Kommunikation, das zunächst in einer Gründerzeitvilla untergebracht war und 1990 um einen Neubau erweitert wurde.

          Im Zuge der Postreform wurde 1995 die Museumsstiftung Post und Telekommunikation ins Leben gerufen, die seither von der Deutschen Post und der Deutschen Telekom finanziell getragen wird. In den folgenden Jahren strukturierte die Stiftung die bestehenden Sammlungen um und löste verschiedene kleinere Museen und Schausammlungen der Bundespost auf. Die Bestände wurden in die heutigen, von der Stiftung geführten Museen für Kommunikation in Berlin, Frankfurt, Hamburg und Nürnberg integriert. Außerdem übernahm die Stiftung das „Archiv für Philatelie“ in Bonn.

          Weitere Themen

          RTL, IAA, A 5

          F.A.Z.-Hauptwache : RTL, IAA, A 5

          Die Psychiatrie im Klinikum Höchst bleibt auch nach einem Gutachten in der Diskussion. Frankfurts Rathauschef darf auf der IAA keine kritische Rede halten. Und Lasterfahrer erhalten an der A5 mehr Parklplätze. Die F.A.Z.-Hauptwache.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson vergleicht sich selbst mit dem „unglaublichen Hulk“, der sich aus seinen Fesseln befreit.

          Brexit um jeden Preis : Der wütende Hulk

          Großbritannien werde sich aus seinen „Fesseln“ befreien wie die ultra-starke Comicfigur, wenn es bis 31. Oktober keinen Brexit-Deal gebe, erklärt Johnson. Auch gegen die Anordnung des Parlaments. Vor neuen Gesprächen mit der EU zeigt er sich dennoch „sehr zuversichtlich.“
          Mein Freund, der Baum: Markus Söder im Hofgarten hinter der Staatskanzlei

          Klimaretter Söder : „Wir haben den Umweltschutz erfunden“

          CSU-Chef Söder zweifelt die Kompetenz der Grünen bei Klima- und Naturschutz an. Die wahre Umweltpartei sei die CSU mit ihrem Urmotiv, die Schöpfung zu bewahren. Für das Klimapaket der Großen Koalition stellt er allerdings umstrittene Bedingungen.
          Zukunftstechnologie Flugtaxi: Am Stau am Boden ändern sie nichts

          Mythos Innovation : Bloß nichts Neues!

          Bemooste Innenstädte und fliegende Umweltsünder: Statt im Kampf gegen die Klimakatastrophe nach konkreten Lösungen zu suchen, schiebt die Politik Scheininnovationen vor. Warum nutzen wir nicht verfügbare Technologien? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.