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Tauziehen um Gemälde : Erben kündigen Leihvertrag über Holbein-Bild

Soll in Hessen bleiben: Die Holbein-Madonna Bild: dpa

Nach dem Stopp der Verkaufsverhandlungen für die Holbein-Madonna ist die Zukunft des Gemäldes weiter ungewiss. Die Wiederaufnahme der Gespräche mit dem Frankfurter Städel ist aber möglich.

          Derzeit gibt es keine Verhandlungen über den Verkauf des vermutlich 1526 entstandene Gemäldes von Hans Holbein dem Jüngeren, das die unter dem Mantel der Muttergottes versammelte Familie des Baseler Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen zeigt. Den im Oktober 2003 geschlossenen Leihvertrag mit dem Städel hat die Erbengemeinschaft aus Mitgliedern des Hauses Hessen allerdings in einem gestern in dem Frankfurter Museum eingegangenen Schreiben zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt. Dies bestätigten sowohl Ulf Renzenbrink, der Anwalt der Erbengemeinschaft, als auch Städel-Direktor Max Hollein. Beobachter werten diesen Schritt der Besitzer, Donatus Prinz von Hessen und seine drei Geschwister, als Mittel, um bei einem Verkauf des Bildes in naher Zukunft freie Hand zu haben.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Kunstberater Christoph Graf Douglas sieht in der Vertragskündigung jedoch einen Schlussstrich, der jetzt unter die im Dezember 2009 abgebrochenen, unerfreulich verlaufenen Verhandlungen gezogen werde. Nun gebe es die Möglichkeit, mit den Gesprächen zwischen den Erben und einem Konsortium, in dem das Land Hessen eine gewichtige Rolle gespielt habe und wieder spielen müsse, noch einmal von vorn zu beginnen. Die Erben des Bildes seien verärgert gewesen, weil sich bei den Verhandlungen nichts mehr bewegt habe, nun aber sei Phantasie gefragt. Das Gemälde gehöre nach Hessen, seine Qualität rechtfertige jede Anstrengung, es hierzubehalten.

          Erbengemeinschaft vermisst „belastbares Angebot“

          Die Erbengemeinschaft hat grundsätzlich ihre Bereitschaft bekundet, auch nach dem Ablauf des Leihvertrags das Gemälde im Städel zu belassen. Das Museum müsse dann allerdings, wie Renzenbrink auf Anfrage sagte, einen neuen Leihvertrag unterzeichnen, in dem eine weitaus kürzere Kündigungsfrist vereinbart werden müsse. Denkbar sei, dass man sich auf einen Zeitraum von einem Monat einige. Bisher betrug die Frist ein halbes Jahr. Zudem waren in dem jetzt gekündigten Vertrag dem Städel Vergünstigungen für den Fall eingeräumt worden, dass das Gemälde für das Ausstellungshaus erworben wird.

          „Angesichts des fast ein Jahr andauernden, ergebnislosen Verlaufs der Gespräche über einen Ankauf des Bildes durch ein Konsortium um das Städelsche Kunstinstitut und das Land Hessen sah sich die Erbengemeinschaft bereits im vergangenen Dezember gezwungen, die Verkaufsgespräche für gescheitert zu erklären“, heißt es in einer Mitteilung. Die Erbengemeinschaft sei dem Städel und dem Land Hessen in den Verkaufsgesprächen sehr weit entgegengekommen, um den langfristigen Verbleib des Bildes in Hessen sicherzustellen. Jedoch hätten Städel und Land Hessen weder in den Verkaufsgesprächen noch seit Abbruch erkennen lassen, „ein belastbares, dem Wert des Bildes gerecht werdendes Angebot unterbreiten zu wollen“. Daher halte es die Erbengemeinschaft jetzt für geboten, auch den Leihvertrag zu beenden.

          „Wir sind jederzeit bereit, Gespräche fortzusetzen“

          Das vom Städel geführte Konsortium hatte zuletzt 40 Millionen Euro für das Kunstwerk geboten. Ein privater Bieter soll bereit gewesen sein, 60 Millionen zu zahlen. Graf Douglas bestätigte dies gestern allerdings nicht. Gäbe es das Ausfuhrverbot nicht, könnte das Bild nach Schätzung von Fachleuten auf dem internationalen Markt einen Preis von 100 Millionen Euro erzielen. Städel-Direktor Hollein sagte, seit dem Abbruch der Verhandlungen seitens der Erbengemeinschaft habe es offiziell keine Gespräche mehr über die Holbein-Madonna gegeben: „Wir sind jedoch jederzeit bereit, sie fortzusetzen.“ Das Städel sei sehr daran interessiert, die Holbein-Madonna weiterhin auszustellen, „am besten für immer“, dieses Museum sei der beste Ort dafür. „Aber wir respektieren selbstverständlich den Willen der Leihgeber.“

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